Seit 60 Jahren tritt Daniel Barenboim nun schon in Salzburg auf. Denkmälern eignet nach so vielen Jahrzehnten eine gewisse Patina. Die kann veredeln, aber gelegentlich deckt sie auch Kostbares zu.
In einem Pressegespräch anlässlich des Konzerts mit dem West-Eastern Divan Orchestra vor zwei Wochen war auch die Rede von Barenboims dreiteiligem Zyklus mit Schuberts letzten Sonaten bei den Festspielen. Barenboim - von der Intendanz zu dem Zusatzprojekt bewegt - erklärte, dass der Sommer (nach der Orchestertournee) für ihn eigentlich nicht die Zeit zum Klavierspielen sei. Aber, so sprach er vor zwei Wochen, er werde nun versuchen, den Kopf frei zu bekommen - und üben. An Problembewusstsein fehlt es nicht.
Unendliche Schlamperei
Die Sache hätte sich am späten Mittwochabend im Großen Festspielhaus auch so schlecht nicht angelassen. Man weiß, dass Barenboim keiner ist, der die Hörer gerne zu Abenteuerreisen in musikalische Problemzonen überredet - und so geriet die G-Dur-Sonate erwartungsgemäß zierlich. Abgründe deutet Barenboim bestenfalls an, indem er möglichst leise wird an solchen Stellen. Ein Effekt, der sich im Verlauf von vier ausgewachsenen Schubertschen Ende-nie-Sonatensätzen schon abgreift.
Doch dann kams knüppeldick: Vielleicht war ja wirklich zu wenig Zeit zum Üben, vielleicht aber ist Barenboims Technik schon insgesamt zu mickrig für die kapitale c-Moll-Sonate D 958. Nennen wir die Sache ungeschönt beim Namen: eine unendliche manuelle Schlamperei, statt tiefenschürfendem späten Schubert nichts als pianistischer Überlebenskampf, um wenigstens an der Oberfläche zu bleiben.
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