• vom 17.08.2012, 05:00 Uhr

Konzert

  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Überlebenskampf des Pianisten Daniel Barenboim


Von Reinhard Kriechbaum

Seit 60 Jahren tritt Daniel Barenboim nun schon in Salzburg auf. Denkmälern eignet nach so vielen Jahrzehnten eine gewisse Patina. Die kann veredeln, aber gelegentlich deckt sie auch Kostbares zu.

Information

Konzert
Daniel Barenboim
Salzburger Festspiele

Werbung

In einem Pressegespräch anlässlich des Konzerts mit dem West-Eastern Divan Orchestra vor zwei Wochen war auch die Rede von Barenboims dreiteiligem Zyklus mit Schuberts letzten Sonaten bei den Festspielen. Barenboim - von der Intendanz zu dem Zusatzprojekt bewegt - erklärte, dass der Sommer (nach der Orchestertournee) für ihn eigentlich nicht die Zeit zum Klavierspielen sei. Aber, so sprach er vor zwei Wochen, er werde nun versuchen, den Kopf frei zu bekommen - und üben. An Problembewusstsein fehlt es nicht.

Unendliche Schlamperei
Die Sache hätte sich am späten Mittwochabend im Großen Festspielhaus auch so schlecht nicht angelassen. Man weiß, dass Barenboim keiner ist, der die Hörer gerne zu Abenteuerreisen in musikalische Problemzonen überredet - und so geriet die G-Dur-Sonate erwartungsgemäß zierlich. Abgründe deutet Barenboim bestenfalls an, indem er möglichst leise wird an solchen Stellen. Ein Effekt, der sich im Verlauf von vier ausgewachsenen Schubert’schen Ende-nie-Sonatensätzen schon abgreift.

Doch dann kam’s knüppeldick: Vielleicht war ja wirklich zu wenig Zeit zum Üben, vielleicht aber ist Barenboims Technik schon insgesamt zu mickrig für die kapitale c-Moll-Sonate D 958. Nennen wir die Sache ungeschönt beim Namen: eine unendliche manuelle Schlamperei, statt tiefenschürfendem späten Schubert nichts als pianistischer Überlebenskampf, um wenigstens an der Oberfläche zu bleiben.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-16 17:53:06
Letzte Änderung am 2012-08-16 18:12:50



Werbung



Beliebte Inhalte



Irmgard Vilsmaier (l.) als "Brünnhilde" und Caroline Melzer als "Sieglinde" während einer Probe für "Der Ring der Nibelungen" - APAweb/HERBERT PFARRHOFER Ein Entkommen gibt es nicht, schon gar nicht für Veranstalter: Ein jedes Opernhaus, so scheint’s, steht im 200...weiter

Stets extravagant: Sierra (vorne) und Bianca Casady, die als CocoRosie firmieren. - Rodrigo Jardon
  • Interview über die miserable Situation von Frauen, die Vorhersehbarkeit von Pop - und das neue Album "Tales Of A GrassWidow".
  • weiter

Aus dem Wunderkind Hilary Hahn ist eine der besten Geigerinnen geworden. - Foto: P. Miller
  • Wenige Stunden vor ihrem Auftritt mit den Wiener Philharmonikern ist Stargeigerin Hilary Hahn zu Gast im Ö1-"Klassik-Treffpunkt" im RadioKulturhaus.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Verteidigt Wagner und kritisiert die Klassikwelt scharf: Endrik Wottrich. - Newald
  • Tenor Endrik Wottrich über Wagner, Schlingensief und kleine Stimmen.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Natalia Kelly will es in Malmö "shinen" lassen. - APAweb / EPA, Janerik Henriksson Malmö/Wien. Natalia Kelly, Österreichs Vertreterin beim Song Contest 2013 in Malmö, ist ein unbeschriebenes Blatt...weiter

 Natalia Kelly sang. - EPA/Janerik Henriksson
  • Österreichs Beitrag von Natalia Kelly konnte Europa mit ihrem Song "Shine" nicht überzeugen.
  • weiter




Die Casady-Schwestern alias CocoRosie

Wie nennt man diese Musik?

Stets extravagant: Sierra (vorne) und Bianca Casady, die als CocoRosie firmieren. - Rodrigo Jardon Bei der Begegnung mit CocoRosie war dem Autor dieser Zeilen fast zumute wie im STS-Hit "Fürstenfeld" dem Steirerbua angesichts eines Szene-Girls im... weiter




Neues Album: Die einstigen Roboter-Futuristen von Daft Punk entdecken das Gestern

Keine Zukunft mehr

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black Die Entwicklung hin zum retroseligen Funk der Disco-Ära ist doch etwas erstaunlich. Immerhin standen Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo... weiter




The xx aus London brachten ihren intim-reduzierten Popentwurf erstmals nach Wien

Schwarz ist Trumpf

Intimität und wirtschaftliches Songwriting: The xx aus London begeisterten im Gasometer. - epa Die Band auf der Bühne darf getrost als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden. Zwar mochten The xx aus London mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum im... weiter




Am Vorabend des Life Balls fand sich bereits Prominenz ein: das Burgtheater lud zum Red Ribbon Celebration Concert, bei dem sich zahlreiche Künstler wie die Operndiva Anna Netrebko (im Bild mit Piotr Beczala),

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung