Da war doch was mit Lutoslawski! Neben Heinz Holliger auch so ein deklarierter Schwerpunkt-Komponist bei den Salzburger Festspielen, allerdings bisher mehr in Apothekerdosis verabreicht. Am Sonntag, mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle, aber gleich eine ganze Symphonie. In der Dritten Symphonie von Lustoslawski werden alle Instrumente in improvisierten Passagen gefordert. Diese "Blanco-Stellen" werden mit eingängigen Passagen und Wendungen wieder zusammengebunden. Das Improvisieren ist vielleicht nicht so die Sache der Berliner und ihres Chefdirigenten.

Sir Simon Rattle wüsste grundsätzlich auch Brahms differenzierter zu gestalten, als er es diesmal gemacht hat: Das Zweite Klavierkonzert barg Breitwand-Klangbäder, denen der Solist Yefim Bronfmann aber widerstandsfähig Paroli bot - und einige Male den Spieß umkehrte, indem er Rattle und das Orchester hineingezwungen hat in irisierend klangfeine, ja: verinnerlichte Episoden. In Summe wirkte die Angelegenheit etwas wankelmütig zwischen Lyrik und bombastischer Aufgedrehtheit.
Ein Herz, eine Seele
Aber dafür am Sonntag Vormittag die Wiener Philharmoniker unter Bernhard Haitink!
Bei Bruckner, in diesem Fall der Neunten, sind sie mit diesem Exegeten ein Herz und eine Seele. Bei Haitink denkt man nie darüber nach, wie er eigentlich die Riesen-Dimensionen in den Griff kriegt, so selbstverständlich fügt sich eins ans andere. Auch da ein Klavierkonzert vor der großen Symphonie, in diesem Fall das Vierte von Beethoven (überhaupt hat man auffallend viel Beethoven zu hören bekommen in diesem Sommer). Der mit Haitink ganz vortrefflich korrespondierende Solist war Murray Perahia.
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