
Es macht Sinn, einer Aufführung von Monteverdis "Il ritorno dUlisse in patria" eine Lesung aus James Joyces namensverwandtem Werk voranzustellen. Auch haben literarische Saison-Eröffnungen bereits Tradition im Theater an der Wien, das die Monteverdi-Oper seit Freitag zeigt. Aber ist diese Tradition auch "gut"?
Das Publikum konnte am Donnerstag drei Theaterschauspieler (Nicholas Ofczarek, Karl Markovics und Corinna Harfouch) beim Vortrag von Passagen aus Joyces Jahrhundert-Roman erleben, die dabei den - dieser Berufsgruppe eigenen - theatralischen Impetus an den Tag legten. Da es sich beim "Ulysses" um Prosa handelt, entstand eine gewisse Reibung zwischen dem Charakter der Darbietung und dem des Textes. Doch ist es offenbar beliebter, Prosa von Schauspielern vortragen zu lassen, als sie selbst zu lesen - zumal, wenn es sich um ein tausendseitiges Werk handelt, das nicht gerade wegen seiner Einfachheit bekannt ist.
Dem Versuch von Dramaturg Manfred Hess, der auch für die 23-stündige Hörspielfassung des "Ulysses" verantwortlich zeichnet, darf durchaus pädagogischer Wert zugebilligt werden: Viele Textpassagen sind überaus witzig und mögen die eine oder den anderen im Publikum dazu ermuntern, den Wälzer wieder einmal aus dem Regal zu nehmen.
Löbliches Konzept
Informativ sind auch die Angaben aus dem "Gilbert-Schema", in dem Joyce die Romankapitel unter anderem Figuren aus der "Odyssee" zuordnet; und überzeugend ist die Idee, ein emblematisches Werk der literarischen Moderne mit einem Instrumentarium - nämlich dem Schlagwerk - zu kombinieren, das per se "modern" ist, weil erst die Neue Musik seine klanglichen Möglichkeiten voll auszuloten verstand.
Die großteils von Perkussionisten stammende Musik funktioniert dann zwar in atmosphärischer Manier und als Betätigungsfeld für die Virtuosität der (nahezu gehörlosen) Solistin Evelyn Glennie. Allerdings: Sie vermag der Modernität von Joyces Sprache kein musikalisches Korrelat entgegenzusetzen.
Und hier liegt das Problem: Der Abend ist unterhaltsam, wird der ästhetischen Radikalität des Textes aber nicht gerecht. Am ehesten noch zu Beginn der zweiten Hälfte: Zwei Frauen sitzen auf dem Boden; während die eine (Corinna Harfouch) den Anfang des "Sirenen"-Kapitels mehr spielt als vorträgt, lässt die andere (Evelyn Glennie) den Text, in dem der Autor die Sprache auf ihre musikalische Qualität reduziert, in den Vibrationen verschiedener Instrumente widerhallen. Hier reichen einander Sprache, Musik und Darstellung die Hand.
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