Das Spätwerk des Wienerischsten aller Komponisten, noch dazu
aller Biedermeierkomponisten (hierbei handelt es sich ja um ein echt heimisches Spezifikum) wird gerne lyrisch angegangen. Mystisch, jenseitig, nicht von dieser Welt: Es sind oft gehörte Attribute für Schuberts Spätwerk. Und dann gibt es bekanntlich noch die Tastenkünstler, die die Impromptus D 899 in wahre Blumensträuße verwandeln. Auch die B-Dur-Sonate D 960 ist, als lebensbejahende Aktion interpretiert, nicht schlecht.
Rudolf Buchbinders später Schubert gelang eindeutig gegenwärtig. Freilich spielte der Pianist mit mystifizierenden Elementen, etwa im c-Moll-Impromptu. Dem entgegen stand sein ständig dominierender, nüchterner Anschlag, der die Melodielinien vollkommen ungeschminkt darstellte. Dadurch wurde in D 899/3 Schuberts Vorbildwirkung auf die Werke Franz Liszts auffällig, als handelte es sich um eine siebente Consolation. In der 960er wurde durch Buchbinders klare Diktion sogar Schumanns direkter, deutscher Geist offenbar (etwa im eröffnenden Molto moderato).
Mit seiner fordernden Diktion nahm der Wiener Meisterpianist hier sogar die kraftvolle Lyrik des letzten Romantikers der Klavierwelt, Sergei Rachmaninow, voraus. Nüchtern-bestimmten Schrittes ging es durch das Scherzo und das finale Allegro, ebenso war im Andante sostenuto der Wille zur Bewegung gegenwärtig. Denn schließlich muss auch das berührendste Kondukt dem hoffentlich sogar versöhnlichen Ende entgegengehen. Viel Applaus, Zugaben, das Musikvereinspublikum war hingerissen.
Konzert
Rudolf Buchbinder (Klavier)
Werke von Franz Schubert
Wiener Musikverein
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