Raffinierte Planung oder fast unglaublicher Zufall? Nach fast jahrelanger Absenz stand beziehungsweise steht Beethovens gewaltige "Missa solemnis" in Wien jetzt zweimal innerhalb von drei Tagen auf dem Spielplan: mit einem "modernen" Symphonieorchester und einer Hundertschaft von Sänger(inne)n im Musikverein, als Originalklang-Event im Konzerthaus.
Ein rares Fest: Beethovens "Missa solemnis"
Sei dem wie immer: Jedes Auftauchen der "Missa" in unserem Konzertprogramm stellt ein rares Fest dar. Gerne verschmerzt man da, wenn die betreffende Aufführung nicht durchwegs als Modellinterpretation zu rühmen ist. So auch diesmal im Wiener Musikverein: Crux der Aufführung war insbesondere das inhomogene Solistenquartett. Da fand Einspringerin Ingrid Kaiserfeld erst im Verlauf des Abends zu klaren Spitzentönen ihres schlanken
Soprans.
Prominente Fehlbesetzungen für dieses Genre waren Heldentenor Robert Dean Smith und Charakterbass Lars Woldt. Und nur Elisabeth Kulman (Alt) erfüllte die Anforderungen ihrer Partie stimmlich wie stilistisch ideal.
Am Pult der Wiener Symphoniker stand ihr künftiger Chefdirigent Philippe Jordan. Wuchtig bis monumental war sein Zugriff; großräumig disponierte er die Massen, während unpräzise Einsätze im Spiel des ansonsten sicher musizierenden Orchesters immer wieder irritierten. Großartig: der Wiener Singverein und vor allem seine Soprane mit ihren bravourös gemeisterten Stratosphärenflügen.
Konzert
Wiener Symphoniker
Philippe Jordan (Dirigent)
Wiener Musikverein
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