• vom 03.02.2012, 13:41 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 03.02.2012, 13:49 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



S.C.U.M aus London: Post-Punk und Mode bestimmen ihr Reich.

Wunschloses Unglück


Von Andreas Rauschal

  • Am Montag gastiert die Band im Wiener B72

Fesch an der Hallgitarre: Am Montag ist das Londoner Quintett S.C.U.M erstmals in Wien zu Gast. - Foto: Matthew Stone

Fesch an der Hallgitarre: Am Montag ist das Londoner Quintett S.C.U.M erstmals in Wien zu Gast. Foto: Matthew Stone

Wien. Egal, ob S.C.U.M nun passend zu ihrem Œuvre in konsequent schwarzer Robe oder dann doch ironisch gebrochen im Walkjanker oder retrogradistisch in der New-Romantics-Tracht von seinerzeit vor der Linse posieren: Konstant ist das Quintett, wenn es darum geht, mit distanziertem Blick eine gewisse Weltabgewandtheit zur Schau zu stellen.

Information

Rockkonzert:        

S.C.U.M
Aktuelles Album: Again Into Eyes (Mute)
Montag, 6. Februar, B72. Einlass: 20 Uhr

S.C.U.M. auf MySpace

Werbung

Das hat augenscheinlich und hörbar damit zu tun, dass die blutjunge, 2008 im hippen Ostlondoner Stadtteil Shoreditch gegründete Band sich jener Fraktion zugehörig fühlt, die noch vor Kurzem in der Schule nicht zwingend für ihren Frohsinn bekannt war. Während verstohlen hinter der Sitzbank wieder einmal heimlich das Frühwerk von Nick Cave mit seiner Birthday Party, im Weltschmerz verwandte Helden wie Joy Division oder die in Sachen Gothic-Rock prototypischen Bauhaus nicht grundlos gehört wurden – die Wirkung von sensiblem Leid an der Welt mit einem Hauch von Misanthropie und leichter Selbstzerstörungstendenz auf Frauen war schon immer ein Hit –, ging es vermutlich ganz grundsätzlich darum, sich den vermuteten Mainstream weitestmöglich vom Leib zu halten. Wer hätte auch jemals vermuten können, dass Heerscharen global ähnlich denkender Jungmänner mit einem in der Heimgarage gestarteten Post-Punk-Revival Jahre später selbst für einen neuen Uniformismus sorgen würden?

Todschick gekleidet

S.C.U.M, deren Bandname sich übrigens nicht vom englischen Wort für Abschaum ableitet, sondern auf das bis heute kontrovers diskutierte feministische Manifest gleichen Namens zurückgeht, unterscheiden sich jedenfalls insofern von den Kollegen, als dass sie wie diese – frei nach Monty Python: wir sind alle Individuen! – natürlich in keine je erfundene Genreschublade passen wollen. Die trotzdem nach einer wilden Mischung der bereits erwähnten Fürsten der Finsternis klingenden Ergebnisse, erweitert noch um den Sound von Ian McCullochs Echo & The Bunnymen oder die Hallgitarren der Shoegazing-Bands, lassen das Zielpublikum jedenfalls mit einem wohligen Gefühl des wunschlosen Unglücks zurück.

Entsprechend hält sich das mit Jim Sclavunos (Nick Cave, Grinderman) vorab entworfene und schließlich von Ken und Jolyon Thomas (Sigur Ros) produzierte Debütalbum "Again Into Eyes" mit Hits nobel zurück. Zu den tanzbaren Grooves, brachialen Halleffekten, markanten Bässen und auch vordergründig erklingenden Vintage-Synthesizern von Stücken wie dem programmatischen Opener "Faith Unfolds" gesellt sich düsterromantischer Gothic-Pop ("Cast Into Seasons"), während es nach atmosphärischen Klangstudien letztlich doch noch in den Indie-Club geht.

Angeführt wird die bisweilen todtraurige, vor allem aber stets todschick gekleidete Band übrigens von Sänger Thomas Cohen – jenem mit Peaches Geldof verlobtem Fashion Victim, das Papa Bob bald zum Opa gemacht haben wird.


Video auf YouTube





Schlagwörter

Rock, Pop, Musikkritik

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-02-03 13:42:25
Letzte Änderung am 2012-02-03 13:49:50


Werbung




Neues von The National

Lichtscheue Schönheit

Gedrosseltes Tempo, gedimmtes Licht: The National mit Sänger Matt Berninger (Mitte). - Foto: Deirdre O’Callaghan Matt Berninger ist ein Mann, der seinen Bühnendienst gerne regungslos-stoisch versieht - zumindest so lange, bis die Musik auf- und ausbricht und der... weiter




Faszinierende Tristesse

Wright, Shannon: In Film Sound

Wenn der Titel des neuen Albums von Shannon Wright auf eine verwobene, dichte Atmosphäre abzielen soll, die den Hörer in den Bann der Musik zieht... weiter




Gansch & Breinschmid: The End

Was tun, wenn der Weltuntergang naht?Für Georg Breinschmid und Thomas Gansch, stets im doppelten Sinn dem Spielwitz zugetan... weiter



Jahreswertung der WZ-Musikkritiker

Die besten Pop & Jazz - Alben 2012

Wieder ganz oben am Siegertreppchen: die Vier von Grizzly Bear. - Foto: Archiv Andere Herkunftssprachen als Englisch kamen für die "extra"-Popkritiker heuer kaum in Frage, wie vor allem die Gesamtwertung zeigt... weiter



Quiz


Beliebte Inhalte



Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

  • Formel 1, Radio-Symphonieorchester und 250 Jobs stehen zur Diskussion.
  • weiter

Wettbüros sehen Dänemarks Emmelie de Forest mit ihrem Song "Only Teardrops" in der Favoritenrolle. - APAweb / Reuters
  • Teilnehmer aus der skandinavischen Region und dem Osten haben größte Siegchancen
  • weiter

Tomasz Konieczny (Wotan) - (c) Wiener Staatsoper / Michael Pöhn Natürlich kann man weiterhin über die Tier-Attrappen motzen: So malerisch sie auf der Staatsopernbühne auch gruppiert sind...weiter

Chaim Miller bereut die Morde der Gruppe nicht, jedoch, "dass wir nicht mehr gemacht haben". - 3sat
  • TV-Dokumentation zeichnet das Leben des 92-jährigen Chaim Miller nach.
  • weiter

Eine Szene aus der umstrittenen "Tannhäuser"-Inszenierung der Rheinoper (Markus Eiche, linkst, als Wolfram und  Elisabet Strid als Elisabeth). - APAweb / AP, Deutsche Oper am Rhein, Hans Jörg Michel
  • Oper wird nur mehr konzertant aufgeführt.
  • weiter

Natalia Kelly will es in Malmö "shinen" lassen. - APAweb / EPA, Janerik Henriksson Malmö/Wien. Natalia Kelly, Österreichs Vertreterin beim Song Contest 2013 in Malmö, ist ein unbeschriebenes Blatt...weiter

 Natalia Kelly sang. - EPA/Janerik Henriksson
  • Österreichs Beitrag von Natalia Kelly konnte Europa mit ihrem Song "Shine" nicht überzeugen.
  • weiter

National-flämischer Umgang mit Comic Strips. - Zeichnung: François Schuiten, Collage: WZ Online
  • Zeichner François Schuiten ist schockiert
  • weiter





Werbung