"Als ich ihn da gesehen habe, bei seinem 30-jährigen Bühnenjubiläum, da war es, als wäre Michael Jackson ein Spiegel für mich. Eine Warnung. Diesen Weg wollte ich nicht gehen." Das sagte Whitney Houston zu Oprah Winfrey in einem epischen Interview 2009. Ein Interview, in dem Houston in einer Mischung aus Selbstironie und Detailfreude erklärt hatte, wie sie und ihr Mann Bobby Brown Kokain und Marihuana gemixt hatten. Zum Zeitpunkt dieser Fernsehbeichte war Michael Jackson seit einigen Wochen tot. Whitney Houston hatte noch etwas mehr als zwei Jahre zu leben.
Am Samstag ist die Sängerin 48-jährig in einem Hotel in Beverly Hills gestorben. Die Todesursache ist unbestätigt, Medikamente und Alkohol dürften laut Gerüchten eine Rolle gespielt haben. Von der Kommerzpop-Superstar-Trias der 80er - Michael Jackson, Whitney Houston und Madonna -schien die brave Whitney damals am weitesten entfernt von einem frühen Tod. Mit 19 Jahren stellte sie Plattenboss Clive Davis in einer TV-Show als kommenden Star vor. Das Youtube-Video zeigt ein Mädchen mit zerrupften Afrolocken und im Rüschenkleid einer strebsamen Gesangsstudentin. Der Stimme hörte man ihre Lehrjahre im Gospelchor an. Ihr Mentor Clive Davis wusste, dass da noch einiges zu tun war. Auf dem Cover ihres ersten Albums "Whitney Houston" hatte sie dann gekämmte, glatte Haare und trug ein unschuldiges weißes Kleid. Die Assimilation in das weiße Pop-Amerika schritt mit dem zweiten Album "Whitney" (1987) zügig voran: Im Video zu "I wanna dance with somebody" hat sie gar blonde Haare.
Eine Stimme wie eine Droge
Eine Strategie, die aufging. Als erste schwarze Frau konnte Houston im Musiksender MTV reüssieren. Der galt damals noch als Vermarktungsgarant und somit als Geldmaschine. Das hatte allerdings seinen Preis. Denn die Eintrittskarte in den Club der weißen Popstars war auch eine Stilfrage, und die beantwortete nur Konfektionspop. Doch da hatte Whitney Houston das große Glück: Sie hatte diese Stimme. Eine Stimme, die mächtig war und in Höhen vordrang, von der die Kolleginnen im Polyester-Tütü nur träumen konnten. Eine Stimme, die einen unaufdringlichen Pathos ventilierte, der durchschnittliche Balladen durch Mark und Bein fahren ließ. Eine Stimme, die sich selbst Droge war, wie Houstons ekstatische Version von "Star-Spangled Banner" bei der Superbowl 1991 zeigte. Eine Stimme, die nach wie vor im Popbereich keinen adäquaten Nachfolger gefunden hat - nie war Whitney Houston so penetrant angeberisch mit ihren Trillern wie Mariah Carey, nie war sie so plastifiziert emotional wie Celine Dion. Eine Stimme, die auch heute noch Minderjährige mit dem Berufswunsch "Souldiva" in Castingshows treibt, die dort Houstons größten Hit "I will always love you" mehr oder weniger gewaltsam meucheln.
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