• vom 05.05.2012, 09:18 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 06.05.2012, 13:22 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Adam Yauch 1964 – 2012

Beastie Boys betrauern Tod des Gründungsmitgliedes


Von Andreas Rauschal

  • Als MC, Bassist und Regisseur der Band erfuhr Yauch Weltruhm.

Adam "MCA" Yauch ist tot: Der "Beastie Boy" verstarb am Freitag im Alter von nur 47 Jahren - APAweb/dapd/Marcus Brandt

Adam "MCA" Yauch ist tot: Der "Beastie Boy" verstarb am Freitag im Alter von nur 47 Jahren APAweb/dapd/Marcus Brandt

New York. Wien. Das meistverkaufte Hip-Hop-Album der 1980er-Jahre geht nicht auf das Konto schwarzer Genrepioniere, sondern auf jenes dreier weißer Mittelstandskids, deren musikalische Ursprünge anderswo lagen: Die Beastie Boys, 1979 in Brooklyn gegründet, arbeiteten sich zunächst am Hardcore-Punk ab – der erste Auftritt ging am 17. Geburtstag ihres Gründungsmitglieds Adam Yauch noch in voller Bandbesetzung über die Bühne.

Erst eine Neuerfindung als Trio und erste Experimente mit Hip-Hop-Beats aber stellten die Weichen für eine der größten Erfolgsgeschichten des Rap. Unter anfänglicher Mithilfe des Produzenten Rick Rubin und seines Labels Def Jam Recordings erreichte bereits das Debütalbum "Licensed To Ill" 1986 die Spitze der US-Albumcharts. Adam "MCA" Yauch, Adam "Ad-Rock" Horovitz und Michael "Mike D" Diamond  knallten mit einem Protosound durch die Decke, der hysterischen, mit Hall belegten Rap auf Basis markanter Beats aus der Roland-TR-808-Drummachine mit eifrigem Scratching und erheblichen Punk-Einflüssen kombinierte. Aufbruchsstimmung, Übermut, ein Hang zum ironischen Bruch und das gekonnte Spiel mit Popkultur als System der Referenzen ließen die Musik des Trios nicht nur auf College-Feiern rotieren. Allerdings: Entgegen der Annahme vieler war mit "(You Gotta) Fight For Your Right (To Party!)" der erste Welthit keine Partyhymne, sondern die Parodie einer solchen.

Regisseur und Buddhist

Adam Yauch beeinflusste die Beastie Boys im Weiteren nicht nur als MC und Bassist – in der Blütezeit von MTV trug er als Regisseur zahlreicher Musikvideos auch entscheidend zu ihrem Erscheinungsbild bei. Während der hier gern zur Schau gestellte Hang zum Aberwitz die ursprüngliche Skepsis einer Community bestätigte, die den Beastie Boys Verwässerung, Kommerzialisierung und Ausbeutung von Hip-Hop vorwarf, untermauerte die Band ihre Ausnahmestellung mit steter Arbeit. Das kommerziell erfolglose "Paul’s Boutique" übte sich in eifrigem Sampling und "Check Your Head" erweiterte den Sound in Richtung Funk und Jazz, ehe mit "Sabotage" vom Album "Ill Communication" eine weitere Sternstunde des "Rapcore" gefeiert wurde.

Als es in den 90er-Jahren stiller um die Beastie Boys wurde, konvertierte Yauch zum Buddhismus und organisierte Konzerte für die Befreiung Tibets, zu dessen Unterstützung er auch einen Hilfsfonds gründete. Die Politisierung der Band schlug sich im Rahmen des US-Einmarschs im Irak 2003 auch mit der als Gratis-Download veröffentlichten Protestnote "In A World Gone Mad" und dem wenig später erschienenen Album "To The 5 Boroughs" nieder, das gleichermaßen zum Tribut an das New York der Post-9/11-Ära wie zum Abgesang auf die Präsidentschaft George W. Bushs geriet.

Nach den künstlerisch neuen Wegen des Instrumentalalbums "The Mix-Up" aus 2007 musste mit "Hot Sauce Committee Part Two" das achte Studioalbum der Band zuletzt aber verschoben werden, nachdem Yauch 2009 Ohrspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden war. Seine Absenz bei der Aufnahme der Beastie Boys in die "Rock And Roll Hall Of Fame" (als bislang erst dritter Hip-Hop-Act) Mitte April ließ nichts Gutes erahnen. Am Freitag ist der verheiratete Vater einer Tochter in New York City gestorben. Er wurde 47 Jahre alt.

Adam Yauch - mit weißer Mütze - auf einem Musikvideo der Beastie Boys:


Video auf YouTube





Schlagwörter

Hip Hop, Beastie Boys

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-05 11:21:02
Letzte Änderung am 2012-05-06 13:22:35


Werbung




Neues von The National

Lichtscheue Schönheit

Gedrosseltes Tempo, gedimmtes Licht: The National mit Sänger Matt Berninger (Mitte). - Foto: Deirdre O’Callaghan Matt Berninger ist ein Mann, der seinen Bühnendienst gerne regungslos-stoisch versieht - zumindest so lange, bis die Musik auf- und ausbricht und der... weiter




Faszinierende Tristesse

Wright, Shannon: In Film Sound

Wenn der Titel des neuen Albums von Shannon Wright auf eine verwobene, dichte Atmosphäre abzielen soll, die den Hörer in den Bann der Musik zieht... weiter




Gansch & Breinschmid: The End

Was tun, wenn der Weltuntergang naht?Für Georg Breinschmid und Thomas Gansch, stets im doppelten Sinn dem Spielwitz zugetan... weiter



Jahreswertung der WZ-Musikkritiker

Die besten Pop & Jazz - Alben 2012

Wieder ganz oben am Siegertreppchen: die Vier von Grizzly Bear. - Foto: Archiv Andere Herkunftssprachen als Englisch kamen für die "extra"-Popkritiker heuer kaum in Frage, wie vor allem die Gesamtwertung zeigt... weiter



Quiz


Beliebte Inhalte



Ein Plakat zeigt Mohammed Assaf, der Star der Talentshow "Arab Idol" in West Bank bei Ramallah. - Reuters / Mohamad Torokman
  • Sänger Assaf feiert Erfolge in gesamtarabischer Castingshow
  • weiter

Schorsch Kamerun untersucht in Wien den öffentlichen Raum als Heimstätte von  Demos und Flashmobs. - © Wiener Zeitung / Christa Hager
  • Der deutsche Musiker und Regisseur über Kunst, Politik und Sponsoring, Klischees in der Rockmusik, Facebook und seine Theaterarbeit.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Wafaa El Saddik: "Die Ägypter werden immer verlangen, dass Nofretete zurückkommt." - Foto: Robert Newald
  • Interview mit Wafaa El Saddik, der ehemaligen Direktorin des Ägyptischen Museums.
  • weiter

Schmissige Eröffnungstschinellen, wippende Publikumsköpfe, opulente Bilderflut: Der französische Opernhit schlechthin kehrte ins Haus am Ring zurück...weiter

Chaim Miller bereut die Morde der Gruppe nicht, jedoch, "dass wir nicht mehr gemacht haben". - 3sat
  • TV-Dokumentation zeichnet das Leben des 92-jährigen Chaim Miller nach.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter





Werbung