Gelenkig um Gogostangen gleitende Girls - man möchte meinen, das sei der ultimative Trumpf beim Eurovision Song Contest. Und leuchtende Hinterteile! Doch was beim Pavian anstandslos funktioniert, muss nicht zwangsläufig beim Televoting ziehen. Und so kam es, dass Österreichs Teilnehmer beim Song Contest 2012, die Traktor-Hiphopper Trackshittaz, beim Semifinale am Dienstag nicht ganz unerwartet scheiterten. Das Schicksal teilen sie mit dem anderen Rap des ersten Halbfinales. Montenegro trat mit einer atonalen Nonsens-Politpolemik an. Sie handelte angeblich immerhin von der Eurokrise, Transparente auf der Bühne verhießen aber: "Heute habe Hobotnica", was lediglich rezenten Tintenfischkonsum andeutet.
Man reiche ein Taschentuch
Aserbaidschan ist sich des Repräsentationsfaktors Song Contest sichtlich bewusst. Man kann den Bühnenshows keineswegs vorwerfen, dass sie rückständiger aussehen als sonst. Da kommt Baku freilich der Umstand zugute, dass der Song Contest mit seiner Lust am munteren Symbole-Projizieren ästhetisch in den 90ern stecken geblieben ist und nur mehr von "Wetten dass ..?" in Sachen altmodisch geschlagen wird.
Eine hübsche Idee ist, dass der nicht unumstrittene, neu hingestellte Crystal Palace vor jedem Auftritt außen in den Landesfarben des Teilnehmers erstrahlt. Das kann man in manchen Fällen durchaus als freundliche Warnung verstehen. Etwa bei der albanischen Kontestantin, die sich offenbar von ihrem Handgepäck nicht trennen konnte und alles in einem riesigen Dreadlockdutt auf ihrem Kopf verstaute. Sie gefällt sich als björkisch klingendes Klageweib und weint auch ein bisschen. Sie darf am Samstag trotzdem wieder kommen.
Immerhin hatte sie ein Kleid an. Das kann man nicht von allen Kandidatinnen so zweifelsfrei behaupten. Die rumänische Kandidatin zog es vor, sich in ein mittelgroßes Taschentuch zu kleiden. Sie kam mit ihrem Gypsy-Pop mit Dudelsack ebenso weiter wie die Griechin. Deren "Trikot" sah aus, als hätte sie es aus einer von Shakira bestückten Humana-Box gefischt.
Ihre Choreografie zeigte übrigens, dass die Trackshittaz mit ihrer Prämisse nicht ganz falsch lagen: Hier landete erstmals an diesem Abend ein Popo in einem Gesicht, aber vor allem arbeitete die Griechin mit der Erkenntnis: Ein Busen ist zum Schütteln da. Insgesamt keine großen Innovationen betreffend Choreografien: Es dominierte die flehende Hand und das fliegende Haar, Zypern brachte den etwas aus der Mode geratenen Kopfrundgriff zurück und schaffte es so ins Finale. Mit einem nicht ganz ungefährlichen Lied: Wenn man bei "La La Love" genau hinhört, kann man vereinzelt Hirnzellen absterben hören.
Austrofred in Moldawien
In der Kategorie der nicht ganz nachvollziehbaren Finalisten fällt außerdem Island, das eine Trollhochzeitshymne von einer Frau im Satanistendirndl abgeliefert hat. Geschlagen geben musste sich hingegen Finnland, obwohl die nette rothaarige Dame auf Schwedisch (!) ganz offensichtlich davon gesungen hat, dass sie absolut total verzeiht, dass sie einen angebrannten Gugelhupf zur Jause bekommen hat.
Am Samstag dürfen außerdem antreten: Ungarn mit schleppender Rockballade, Dänemark mit einem als Kapitän verkleideten Alanis-Morissette-Fan und Moldawien, für das augenscheinlich Austrofred singt. Natürlich auch Irland mit den Zwillingen Jedward, die diesmal als Computerspiel-Prinzen gingen. Sie wurden letztes Jahr achte: Vielleicht sollte man sie einfach gewinnen lassen, die Iren sind imstande und schicken die solange, bis sie endlich siegen.
Donnerstag werden noch einmal zehn Finalisten ausgesucht. Die würdigsten Gewinner vom Finale am Samstag stehen jetzt schon fest: Entweder Altschlagerikone Engelbert Humperdinck, die gewagte Wahl Englands, oder natürlich die erfrischend abgedrehte Geriartrie-Nummer aus Russland: Keine Windmaschine, kein melodramatisches Gefuchtel und eine klare Botschaft der Babushki: Lets tanz, come on boom boom. Und das mit Mehrwert: Wenn das Lied aus ist, kann man die fertigen Blinis aus dem Ofen holen.
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