• vom 15.06.2012, 14:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 15.06.2012, 14:23 Uhr
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"With A Little Luck"


Von Bernhard Torsch

  • Rückblick auf eine einzigartige Karriere als Sänger, Komponist, Musiker, Milliardär, Ehemann, Geschiedener und Geadelter: Am 18. Juni wird Paul McCartney 70 Jahre alt.

"Will you still need me, will you still feed me when I’m 64": Am 18. Juni übertrifft Paul McCartney (hier auf seiner jüngsten Welttournee) dieses Alter bereits um sechs Jahre. - Foto: © EPA

"Will you still need me, will you still feed me when I’m 64": Am 18. Juni übertrifft Paul McCartney (hier auf seiner jüngsten Welttournee) dieses Alter bereits um sechs Jahre. Foto: © EPA

Was Paul McCartney bis 1970 getrieben hat, weiß fast jedes Kind. Also machen wir es kurz: 1942 Geburt in eine britische Familie der unteren Mittelklasse; 1956 stirbt seine Mutter an Brustkrebs; 1957 erstes Treffen mit John Lennon und Aufnahme in dessen Band "The Quarrymen"; 1958 stößt George Harrison dazu; 1960 Umbenennung in "The Beatles", 1963 "She Loves You" und danach größte Band der Welt, Beatlemania, berühmter als Jesus und mehr Geld als Gott, ein Hit nach dem anderen, Haschisch und LSD, Sgt. Pepper’s Lonely Heart’s Club Band, allmähliche Erschöpfung, Streit, Auflösung der Band.

"Venus and Mars"
Mehr muss man nach gefühlten 250.000 Beatlesbiographien nicht mehr sagen. Der Mensch Paul McCartney interessiert uns diesmal mehr, und dieser Mensch versinkt Mitte 1969, als die Beatles nur noch auf dem Papier existieren, in eine tiefe Depression, verlässt wochenlang nicht sein Bett und versucht, die Leere mit Schnaps und Heroin zu füllen. Gäbe es da nicht eine amerikanische Fotografin, die er im Frühjahr geheiratet hat, es wäre nicht sicher, ob McCartney das Jahr 1970 erlebt hätte. Linda bringt ihn von den harten Drogen runter und scheucht ihn aus dem Bett.

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1967 weilt die Fotografin Linda Eastman in London und macht sich mit ihren beeindruckenden Schnappschüssen von Rockstars rasch einen Namen. McCartney trifft sie erstmals bei einem Konzert, und der Beatle ist sofort angetan von der extrem entspannten Art der geschiedenen alleinerziehenden Mutter aus reichem Elternhaus. Bei ihr kann er sicher sein, dass sie es nicht auf sein Geld abgesehen hat - gar kein so unwichtiges Auswahlkriterium für ein Mitglied der berühmtesten Kapelle des Planeten und den begehrtesten Junggesellen der Welt.

Während sich Paul immer mehr von seinem Arbeitspartner John Lennon entfremdet, entdeckt er in Linda eine neue Seelenverwandte, die seine Leidenschaft für Spontanität und Marihuana teilt. Es ist Linda, die den zusehends depressiven Paul, der daran verzweifelt, dass seine drei Kollegen immer weniger Interesse am Projekt Beatles haben, ermuntert, doch einfach einmal ein Soloalbum zu produzieren ("McCartney"). Oder auch einfach so ins Auto zu steigen und eine Fahrt ins Blaue zu unternehmen - etwas, was sich Paul seit Jahren aus Angst vor wild gewordenen Fans nicht mehr getraut hat.

"Hi Hi Hi"

Gemeinsam mit Linda schwört Paul Anfang der 1970er Jahre dem Fleischkonsum ab - und die beiden werden zu den prominentesten Befürwortern veganer Ernährung. Paul nimmt Linda immer auf Tournee mit, und er lässt sie in seiner Band The Wings spielen, auch wenn sie nur ein paar Akkorde auf dem Keyboard drücken kann.

So ist Linda jedenfalls immer an Pauls Seite, was unter anderem dafür sorgt, dass die Klatschpresse wenig zu schreiben hat, zumindest nicht über Seitensprünge. Als Linda 1998 stirbt, verliert Paul nicht nur die Liebe seines Lebens, sondern auch seine beste Freundin. Und zum zweiten Mal nach dem Tod seiner Mutter ist es der Brustkrebs, der eine Frau aus McCartneys Leben reißt.

Statt mit Affären macht Paul McCartney immer wieder einmal mit kleineren Drogengeschichten Negativschlagzeilen. Vor allem 1979, als man die McCartneys bei der Einreise nach Japan mit Haschisch erwischt. Völlig blauäugig, wollten die beiden ihren Vorrat an hervorragendem Cannabis ausgerechnet in ein Land mit ex-trem drakonischen Drogengesetzen mitbringen! Paul wird inhaftiert, sitzt neun Tage im Knast und sieht einer möglichen siebenjährigen Gefängnisstrafe entgegen. Nur sein Promi-Bonus und viel Geld für Anwälte retten ihn vor dem japanischen Zuchthaus.

Der asiatischen Justiz entkommen, kehren Paul und Linda zunächst auf ihre schottische Farm zurück - um sich um ihre Marihuanaplantage zu kümmern. Seit Bob Dylan die Beatles mit Hasch bekannt gemacht hatte, war Paul ein großer Freund des süßen Krauts - und hat es bis vor kurzem regelmäßig geraucht, was er auch gerne bereit war, öffentlich zuzugeben. Immer wieder tauchen Drogenanspielungen in seinen Songs auf, manchmal auch ganz eindeutige Pro-Softdrugs-Statements, wie im Lied "Hi Hi Hi" (sprich: high, high, high), das von der BBC sofort auf den Index gesetzt wurde.

"Band On The Run"
Nigeria, Sommer 1973. Paul McCartney, seine Frau Linda und Gitarrist Denny Laine sind gerade in Lagos angekommen, um dort ihr neues Wings-Album "Band On The Run" aufzunehmen - und schauen dumm aus der Rockmusikantenwäsche. Sonne, Lebensfreude, tolle Rhythmen und lokale Drogenspezialitäten - so stellten sie sich Afrika vor, als sie kurz zuvor in einer Liste weltweiter Aufnahmestudios ihrer Plattenfirma EMI geblättert und dabei auch Nigeria entdeckt hatten.

Stattdessen treffen sie auf eine bitterarme, von einer brutalen Militärdiktatur geknechtete Bevölkerung, auf Hunger und Elend und auf Räuber, die Paul mit vorgehaltenem Messer zur Herausgabe von Bargeld, Kreditkarten und Demokassetten auffordern. Nach ein paar Wochen im nicht klimatisierten Studio tauchen außerdem einheimische Musiker wie Fela Kuti auf und beschuldigen die Band, afrikanisches Kulturgut klauen zu wollen (was nicht stimmt, denn außer dem hübschen Song "Mamunia" mit seinen offensiven Bongos sollte auf der Platte gar nichts nach Afrika klingen).

Paul McCartney, gezeichnet von Christian Berger.

Paul McCartney, gezeichnet von Christian Berger. Paul McCartney, gezeichnet von Christian Berger.

Von Institution zu Institution: Sir McCartney gratuliert der Queen zum Thronjubiläum, Juni 2012.

Von Institution zu Institution: Sir McCartney gratuliert der Queen zum Thronjubiläum, Juni 2012.© EPA Von Institution zu Institution: Sir McCartney gratuliert der Queen zum Thronjubiläum, Juni 2012.© EPA




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-15 12:24:32
Letzte Änderung am 2012-06-15 14:23:02


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