Wien. Der österreichische Jazzpianist Fritz Pauer ist am Sonntag, den 1. Juli 2012, überraschend gestorben. Wie "Jazzland"-Leiter Axel Mehlhart bestätigte, starb Pauer im Alter von 68 Jahren bei einer Zugfahrt nach Wien. Wiederbelebungsversuche waren vergeblich, als Todesursache wird Herzversagen angenommen. Pauer galt mit Hans Koller und Joe Zawinul als Gründervater des modernen Jazz in Österreich und entwickelte sich in seiner mehr als vierzigjährigen Musikerlaufbahn vom "rising star" der 60er Jahre zu einer Zentralfigur der heimischen Jazzszene.
Pauer wurde am 14. Oktober 1943 in Wien-Magareten geboren und erhielt seit dem 5. Lebensjahr klassischen Klavierunterricht. Mit 17 hatte Pauer sein erstes Engagement in der Band von Fatty George in dessen "Saloon" in der Wiener Innenstadt. Dort lernte er auch die anderen damaligen Größen des österreichischen Jazz kennen, Friedrich Gulda genauso wie die Saxofonisten Karl Drewo, Hans Salomon und Hans Koller. Mit Koller machte Pauer 1962 auch seine erste Plattenaufnahme. 1964 ging Pauer nach Berlin und wurde Hauspianist einer amerikanischen Bar.
1969 kehrte Pauer endgültig nach Wien zurück und unterrichtete bis 1982 an der Jazzabteilung des Konservatoriums der Stadt Wien. So wurde Pauer zu einer Art "Ziehvater des modernen Jazzpianos in Österreich". Seit 1970 war er Mitglied der ORF-Radio-Big Band. Daneben leitete er ein eigenes Trio und beteiligte sich 1973 an Georg Gruntz' Piano Conclave. Pauer komponierte für Saxofonensemble und Klavier. Er spielte unter anderem mit Ray Brown, Jay Clayton, Dexter Gordon, Jonny Griffin, Friedrich Gulda, Carmell Jones, Sheila Jordan, Erich Kleinschuster, Hans Koller, Red Mitchell, Mark Murphy und Joe Zawinul.
"Komponieren ist für mich wie Improvisieren im Zeitlupentempo", sagte Pauer einmal gegenüber der APA. "Meine Partituren könnten von jedem anderen guten Ensemble der Welt reproduziert werden. Aber keine Angst, das dem Jazz eigene 'Einfach-drauf-los-Spielen' oder das Bearbeiten von Standards hat noch genügend Platz in meinem Musikerleben." Seit 1998 unterrichtete Pauer an der Jazzhochschule in Graz, 2003 wurde ihm das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen, 2008 der Würdigungspreis für Musik.
Würdigung von Kulturministerin Schmied
"Fritz Pauer gehörte zu jenen herausragenden Persönlichkeiten des österreichischen Musikschaffens, die dem Jazz einen österreichischen Klang zu geben vermochten. Er setzte sich stets dafür ein, dass diese in der Musikgeschichte lange Zeit am Rande stehende Ausdrucksform ihre Akzeptanz fand und galt somit als Gründervater des modernen heimischen Jazz. Pauers Verdienste sind aber auch im musikpädagogischen Bereich zu finden. Jahrzehnte hindurch bildete er Musikerinnen und Musiker in Wien und Graz aus, sodass tatsächlich eine Traditionslinie entstehen konnte. 2003 wurde ihm das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen, 2008 erhielt er den Berufstitel Professor und den Würdigungspreis für Musik des Bundesministeriums für Unterricht Kunst und Kultur", so Kulturministerin Dr. Claudia Schmied zum unerwarteten Ableben von Fritz Pauer.
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