Wiener Zeitung: Mitch, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie elf Monate nach Amys Tod?
Mitch Winehouse: Es ist schwer für uns, wir haben gute Tage und schlechte Tage. Aber es hilft uns sehr, dass wir mit der Amy Winehouse Stiftung beschäftigt sind und benachteiligten jungen Menschen helfen können.
In Ihrem Buch "Amy meine Tochter" (Edel Verlag) schreiben Sie "Amy wusste von klein auf nicht, wann sie aufhören musste". War das der Kernsatz für ihre späteren Probleme?
Sie hörte ja auf Drogen zu nehmen und war fast drei Jahre drogenfrei, also wusste sie sehr wohl, wann sie aufhören musste. Es war zwar schwer für sie, aber sie hat bewiesen wie stark sie sein konnte und war auch auf dem besten Weg mit der Trinkerei endgültig aufzuhören. Die letzten fünfeinhalb Wochen ihres Lebens hat sie keinen Tropfen angerührt. Dafür trank sie leider zum Schluss in den letzten beiden Tagen eine sehr große Menge.
Was war der Grund für Amys ständige Suche nach Aufmerksamkeit?
Ich glaube nicht, dass Amy getrunken hat, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie hat als kleines Kind immer versucht die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, so wie viele kleine Kinder das machen. Sie war aber nie boshaft oder gemein, sondern sie war ein entzückendes kleines Mädchen.
Wie ist Ihre Familie, besonders Amys Bruder Alex, damit umgegangen, dass sich ständig alles um Amy drehte?
Es drehte sich nicht immer alles um Amy. Auch wenn sie die Aufmerksamkeit gesucht hat, bedeutete das noch lange nicht, dass sie sie auch ständig bekommen hat. Meinem Sohn galt unsere Aufmerksamkeit genauso. Als Amy erwachsen war, wurden ihre Schwierigkeiten immer offensichtlicher und es wurde für uns einfach notwendig bei ihr zu sein. Alex musste ja nicht von einer Suchtkrankheit befreit werden, darum brauchte er uns nicht so wie Amy. Das hieß aber nicht, dass wir ihn nicht geliebt hätten. Amy war einfach krank und brauchte uns mehr als er.
Es war in Ordnung für ihn?
Natürlich, Alex gehört doch zur Familie. Er wuchs damit auf, dass viele Verwandte wie Großeltern, Onkels und Tanten leider krank waren. Und wie in den meisten Familien, wo jemand krank ist, bekommt derjenige dann die ganze Zuwendung. Alex wusste das und war Amy genauso verbunden wie ich oder seine Mutter. Seine Aufgabe war es vielmehr ihr großer Bruder zu sein.
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