
Wien. Die Halbwertszeit von Hair-Metal-Bands gilt, historisch betrachtet, als relativ kurz. Auch, wenn es lustig aussehen mag, ist es beileibe kein Spaß, sich als erwachsener Mann nach der täglichen Haarspraydusche in Plateauschuhe zu zwängen, um der in schlecht gepflegten Tattoo-Studios oder bei diensterfahrenen Prostituierten lauernden Gefahr einer Infektionskrankheit erfolgreich aus dem Weg zu gehen.
Vor allem auch die Möglichkeit, sich die Wartereien am Flughafen, im Hotel oder beim wöchentlichen Ausdruck enzyklopädischer Kontoauszüge mit toxischen Spaßmitteln zu versüßen, führt in dieser Berufsgruppe zu erhöhter Burnout-Gefahr. Nach der Bandauflösung wegen "künstlerischer Differenzen" sollte man auf eine Solokarriere also tunlichst verzichten, um stattdessen Henkell trocken, Buddhist und Vater zu werden. Im englischen Landhaus lachen bei einer schönen Tasse Tee dann auch die Kinder über Papas wilde Jahre.
Weil sich die Welt inzwischen beschleunigt hat, nahmen The Darknessalszuspät geborene Genreadepten den Weg dann aber in Rekordzeit - vorläufig aber ohne Happyend im Bürgertum. Mit dem Welthit "I Believe In A Thing Called Love" und jeder Menge karikaturistischem Ernst 2003 in eine Erinnerungskarriere zwischen Hardrock und dem Pudelfrisuren-Metal der 1980er Jahre gestartet, ging es nach dem mit einem Produktionsbudget von gut einer Million Pfund in den Sand gesetzten Album "One Way Ticket To Hell . .. And Back" in die Entzugsklinik und über die zwischenzeitliche Bandauflösung hin zu eigenen Projekten.
Die Party kocht
Vermutlich war ein Blick auf den Kontostand ausschlaggebend, dass sich The Darkness für ihr drittes Album "Hot Cakes" nun wieder zusammenfanden. Mit viel Spaß an der Freud kündet mit "Every Inch Of You" bereits der bei AC/DC angelehnte Auftakt davon, dass man um keinen Nasenflügel weiser geworden ist und Justin Hawkins Spandex-Anzug in der Schrittgegend noch immer eng genug anliegt, um sein Falsett in unmöglicheFallhöhenzuentführen.Hübsch humpelnde Stücke wie "Keep Me Hangin On" erzählen zwar, dass auch Metaller Gefühle haben. Vor allem die mit Queen-Harmonik veredelten Freddie-Mercury-Gedächtnis-Chöre von "Nothins Gonna Stop Us" und der zum Kopfschütteln ladende Stampfrock von "With A Woman" bringen die Party dann aber doch noch zum Kochen.
Nach dem Radiohead-Cover "Street Spirit (Fade Out)" im Iron-Maiden-Kostüm erklärt der dem Hitradio verpflichtete Rest übrigens, warum The Darkness als Vorband für Lady Gaga spielen. Rock on!
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