
Wien. Das als Logo verwendete Smiley mit dem gleichgültig waagrechten Strichmund lässt schon vermuten, dass der Bandname nicht todernst zu nehmen ist: Stella Sommer, Rabea Erradi und Stefanie Hochmuth nennen sich zwar Die Heiterkeit, sie klingen dabei aber in etwa so gelangweilt wie Dirk von Lowtzow an einem ganz schlechten Tag und in einem Maße trocken und nüchtern, dass man sich doch etwas wundern muss. So sehr also hat die Krise schon ihre Spuren hinterlassen, dass nicht einmal blutjunge Kulturschaffende noch an Utopien glauben können und wollen? Immerhin fällt mit "Auf dem Gipfel des Erfolges ist man immer allein" mindestens eine Botschaft ab, die auch als systemunterstützende Empfehlung gelesen werden könnte, es besser gleich sein zu lassen: Kapitulation, liebe Leute, Kapitulation!?
Nichts ist neu
In eine ähnliche Kerbe stößt auch der programmatische Auftakt des nun vorliegenden Debütalbums "Herz aus Gold": "Alles ist so neu und aufregend" unterstreicht, dass eben gerade nichts neu ist oder aufregend. Zu ästhetisch bei Stephen Malkmus und dessen Indie-Heiligen Pavement entlehntem Schrammelrock mit clean gespielten Gitarren und ohne Solos und mit dem Hang Tocotronics zu um Bedeutung bemühten Phrasen und Slogans bleibt alle mögliche Aufregung der Wiederholung und Eintönigkeit sowie dem Ankommen im echten Leben untergeordnet. Kurz: Solche Musik wäre früher vor allem am Land gemacht und mit dem Plan auf Demokassetten gespielt worden, die rurale Enge über eine Bandkarriere gegen die Verlockungen der Großstadt auszutauschen. Die Heiterkeit hingegen hält den Blues der Landjugend auch in der lebendigen Hansestadt Hamburg fest am Köcheln und fügt ihm eine Note bemüht erwachsener Abgebrühtheit bei.
Ebenso wie bei Christiane Rösinger, an deren Band Britta man bei natürlich sympathischen Songs wie "Für den nächstbesten Dandy", "Baby, wein mir keine Träne nach" oder "Süß, wie man es sein kann" etwa denken darf, geht es vor allem um die Unmöglichkeit dauerhafter Mann-Frau-Beziehungen, aus der auch gar kein Drama gemacht wird. Ohne Pathos und Wehmut sind Abschiede und Trennungen immer so sehr part of the game wie, sagen wir, es der Tod in Sachen Leben ist. Es ist egal, aber: "Über mich kommst du hinweg!"
Damit hat das von Ja, Panik unterstützte und nun auch für deren Label "Nein, Gelassenheit" verpflichtete Trio eine Grundstimmung geschaffen, die beim Wien-Konzert am 30. November im B72 bestens verstanden werden sollte. Vielleicht wird mit Album Nummer zwei dann aber doch noch alles gut - und heiter.
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