Schmidt. Der Name ist in etwa so originell wie Huber, Meier oder Müller. Doch wenn es nach dem Plattenlabel Warner Music geht, wird man in Zukunft mit dem Namen Schmidt weit mehr verbinden als bloß norddeutsches Kleinbürgertum. Den biederen Namen - damit wieder exotisch im zwangsoriginellen Popgeschäft - trägt nämlich eine junge Sängerin mit Spezialgebiet Jazzpop. Mit bürgerlichem Namen heißt das Fräulein Elisa Schmidt, leger auf den Nachnamen reduziert hat sie ihr Produzent Guy Chambers. Ja genau, der Guy Chambers, der normalerweise Kaliber wie Robbie Williams ins Studio bittet. Nach dessen "Escapology" wollte er eigentlich keine vollverantwortliche Albumproduktion mehr machen. Ausgerechnet eine 22-jährige Deutsche brachte ihn dazu, seine Prinzipien zu brechen. Nur kurz ließ sich die gebürtige Koblenzerin von den Goldenen Schallplatten an den Wänden beeindrucken. Selbstbewusstsein ist Schmidt nicht fremd: "Im Endeffekt kochen wir alle nur mit Wasser", sagt sie im Interview mit der "Wiener Zeitung" über die Zusammenarbeit.

London und dessen Nächte, die Schmidt in diversen Jazz-Clubs zubrachte, waren "Inspirationsquelle" für ihr Album "Femme Schmidt". Dafür haben Chambers und Schmidt, die von Kritikern gern als "deutsche Norah Jones" bezeichnet wird, gleich ein eigenes Genre erfunden: "Pop Noir". Das erinnert nicht zufällig an den Film Noir, ihre Musik möchte sie als eine Reminiszenz an die Goldenen Zwanziger verstanden wissen: eine musikalische Rückschau mit zeitgeistigen Einflüssen von Pop, Blues und Jazz. "Ich finde es immer problematisch, Musik einen Stempel aufdrücken zu wollen, deshalb haben wir uns einfach selbst ein Genre ausgedacht. Pop Noir fanden wir einfach passend, natürlich inspiriert vom Film Noir, der ja auch immer etwas Mystisches und Dunkles an sich hat", so Schmidt.
Schwarzes Gold
Ein Song auf dem Album dürfte Freunden von alten Serienklassikern bekannt vorkommen: Der Track "Alain Delon" spielt mit der Signation der Kultserie "Die Zwei" aus den Sechziger Jahren mit Tony Curtis und Roger Moore. Auf die Frage, wessen Idee es gewesen sei, gerade dieses Thema zu verwenden, gibt Schmidt eine erfrischend triviale Antwort: "Guy und ich haben im Studio oft und lange alte YouTube-Videos geschaut."
Doch nicht nur die neuen Medien macht sich Schmidt zu eigen. Nebst ihrer eigenen Musik schwingt auch in ihrem persönlichen musikalischen Konsumverhalten immer ein Hauch von Vintage mit. So outet sich die Sängerin im Gespräch als glühende Vinyl-Aficionada: "Ich bin ein großer Vinyl-Fan! Ich finde es schön, etwas in der Hand zu haben und Musik wirklich erleben zu können." Bezeichnend, dass nicht nur das Album selbst als Schallplatte erschienen ist, sondern auch das Layout der CD-Version einer Vinyl-Platte gleicht. Jedoch als Heilsbringer für die angeschlagene Musikindustrie sieht sie das schwarze Gold auch nicht. Auf die Frage hin, ob denn der "Vinyl Boom" vielleicht eine kleine Chance für die Vermarktung von Musik wäre, winkt sie freilich ab: "Dafür ist die Digitalisierung schon zu sehr fortgeschritten, aber man muss sich überlegen, alternative Wege zu gehen."
Die Live-Performance sei zum Beispiel "so wichtig wie lange nicht mehr". "Junge Leute wollen auf Konzerte und Festivals gehen. Das ist es auch, was uns Musiker antreibt." Motivation wird ihr wohl auch sein, dass sie in Kürze als Vorprogramm von Elton John in Australien auftreten wird: "Das wirkt immer noch surreal für mich." Im nächsten Jahr wird sie auch in Österreich Konzerte geben - vielleicht hat sie dann schon selbst eine Vorband.
Schmidt: Femme Schmidt (Warner)
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