Seit einigen Wochen lässt ein südkoreanischer Rapper namens Psy die westlichen Feuilletons von "Washington Post" über "Die Welt" bis hin zur "Liberation" erstaunt über seinen phänomenal rasanten Erfolg rätseln: Psys Musikvideo "Gangnam Style" verbucht auf YouTube bereits weit über 100 Millionen Klicks für sich, wobei - und das ist das Erstaunliche - weniger als fünf Prozent der Zuschauer aus Südkorea stammen. Vergangenen Donnerstag trat der Südkoreaner gar als Überraschungsgast bei den MTV Video Music Awards auf und unterschrieb einen Vertrag beim Manager von Justin Bieber.
Als ein Pekinger Journalist vor 13 Jahren sein Erstaunen über die rasant anwachsende Beliebtheit koreanischer Unterhaltungskultur mit "Hallyu" (zu Deutsch: Welle) betitelte, war das Phänomen noch auf den ostasiatischen Raum beschränkt. Doch spätestens im Jahr 2006, als der heute 30-jährige K-Pop-Sänger "Rain" zum ersten Mal von Lesern des US-Magazins "Time" zur einflussreichsten Person des Jahres gewählt wurde, erreichte die koreanische Welle endgültig auch den Weltmarkt. Mittlerweile generiert die K-Pop-Industrie über 60 Milliarden Dollar jährlich und wird von der Regierung aktiv als Kulturexport rund um den Globus vermarktet.
Kein Handy, keine Freizeit
Doch was macht K-Pop so besonders attraktiv für das westliche Publikum? Für die 26-jährige Stimmtrainerin Kim Hye-mi wurzelt das Erfolgsrezept in der Mischung folkloristischer Elemente mit westlicher Popmusik, aus dessen Kombination schließlich etwas Neues, Einzigartiges entstünde. "Koreaner empfinden eine starke Traurigkeit, auf der anderen Seite feiern wir sehr gerne. Extreme Freude und Trauer liegen bei uns nahe beieinander", erklärt Kim das für K-Pop typische Pathos, das für westliche Musikgewohnheiten manchmal nah am Kitsch vorbei schrammt.
Auch in Österreich habe sich mittlerweile eine steigende Anhängerschaft von mehreren hundert K-Pop-Fans gebildet, weiß Christian Schleining, der mit seinen Unternehmen Ai Like Entertainment durch Veranstaltungen und binationale Kooperationen der Musikrichtung in Österreich zu größerer Bekanntheit verhelfen will. "Der K-Pop-Trend zeigt sich auch am Koreanologie-Institut der Uni Wien, das seit Jahren eine steigende Anzahl von neuen Studenten verbuchen kann", sagt Schleining. Für viele Erstsemestrige entscheide sogar nicht zuletzt ihr Interesse an der koreanischen Popkultur über ihre Wahl der Studienrichtung.

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