Wien. Das vermutlich beste Konzert des Abends hatte mit dem Waves Vienna nur am Rande zu tun, fand 2011 in New York statt und war zum Festivalauftakt am Donnerstag in Form des Musikfilms "Shut Up And Play The Hits" im Kino zu sehen - gegeben wurde es von James Murphy und seinem LCD Soundsystem, das danach in Frühpension ging. Das Regiedoppel Dylan Southern und Will Lovelace kontrastierte den energetischen Auftritt mit Bildern vom Kater danach und ließ Murphy viel Platz für Monologe über sein künstlerisches Selbstverständnis. Wehmut kam auf, als der Vorhang fiel: It will all end in tears.

Ein Zusammenhang mit dem Restfestival muss nicht gesucht werden, das Waves hat anderes vor: Professionalisierung, Internationalisierung und die in Wien schon immer beliebte Suche nach Haberern, die man heute Networking nennt, steht am Programm. Das ist würdig und recht, immerhin hat auch die Popbranche gegen die Krise zu kämpfen. Untertags wird mit Workshops und Lectures konkretes Know-how für Musiker und ihre Vermittlungsgehilfen gereicht, nebenbei rückt das Festival die Klubs der Stadt ins Rampenlicht, in dem sich wiederum noch zu entdeckende Bands präsentieren - der klassische Showcase-Gedanke,abgerundetmit einer Handvoll bekannterer Acts.
Dramen im Trockeneis
Dass das Waves beim Publikum aber um Akzeptanz ringt, belegen die spärlich gefüllten Spielstätten dann doch. Diesbezüglich mehr Glück hatte Dillon, die die Konzertgänger nach einem kleineren Blog-Hype um sich scharte. Zerbrechliche Songs mit schlichten Melodien, die kunststudentischeKäsekeyboards ebenso eingemeindeten wie die Esoterik einer Kate Bush oder das Jungmädchen-Gekiekse der "frühen" Lykke Li, bestimmen ihr Debütalbum "This Silence Kills". Live radikalisiert sich die junge Dame als Priesterin vom Orden zum Weltschmerz in Richtung Düsterromantik, Donnergroll und Depressionen. Modernistisch brodelnde Sounds treffen auf tibetische Klangschalen, Fever Ray, Depeche Mode anno 1986 und zwischen Ostblocktechno und der Deutsch Amerikanischen Freundschaft angesiedelte Vier-Viertel-Beat-Drastik, während Dillon das Publikum in bester Religionslehrerinnenmanier dirigiert und bekreuzigt. Der als starrer Schrank neben ihr postierte Bodyguard erwies sich durch den Trockeneisnebel hindurch am Ende doch noch als Tastenmann und Elektrotrommler. Alles super, alles schlecht: "The most tender thing youve said to me is that I suffer from paranoia!"
Für den wohltuend unprätentiösen Auftritt von The Wedding Present mit hübsch geschrammeltem Alternative Rock aus der Klasse von 1991 verirrte sich im Anschluss übrigens kaum ein Drittel der möglichen Saalkapazität ins Flex. Draußen vor der Tür wurde eifrig genetzwerkt.
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