
Wien. Wie ist das eigentlich, wenn man eine der bestgebuchten Tourbands Österreichs im Ausland ist und daheim immer noch ein bisschen als Geheimtipp gehandelt wird? Und zwar nach mehr als 15 Jahren? Andreas Fränzl, Sänger von "Bauchklang", nimmt das mit Gelassenheit. Freilich, ganz damit abfinden will er sich auch nicht: "Wenn du alternative Musik machst, ist es schwer. Da gibt es in Österreich nur einen Sender, der dich spielt, und das ist FM4. Und dann klafft da diese Riesenlücke zu Ö3, das überhaupt keine alternative Musik spielt. Dabei gibt es gute Musik, die vielen Menschen gefällt und die man durchaus auch mehr Menschen zumuten kann als den vier Prozent FM4-Hörerschaft."
Alternativ, das ist es eindeutig, was die Beatboxgruppe aus St. Pölten macht. Beatbox - das bedeutet, alle Instrumente, die man hört, entstehen mit Hilfe ihrer eigenen Stimmen. Aber die Dogmen könnte man auch mal über Bord werfen: "Ja, vielleicht ist das nächste Album mit echten Instrumenten", sagt Andreas Fränzl und gibt zu, dass bei einer Kooperation mit einem anderen Künstler schon einmal ein Theremin mitgespielt hat.
Bei der aktuellen Platte "Ray" hat Bauchklang mit einem Kaliber der elektronischen Musik zusammengearbeitet, mit DJ Patrick Pulsinger. Treffen da zwei Extreme zusammen, die ultimative Körpermusik und die ultimative Maschinenmusik? "Wir haben gar nicht so viel am Computer gemacht. Auf diesem Album ist der Unterschied zwischen der Live-Performance und der Aufnahme sogar fast nicht mehr zu hören." Denn bei Bauchklang liegt ein besonderes Phänomen vor: Ihnen wird oft gesagt, dass sie live besser klingen als auf Tonträger. Im Unterschied zu vielen Popstars, die man oft live kaum erkennt, weder akustisch noch optisch.
Keine Einzelkämpfer
Der Nischenstatus, den sich Bauchklang bewahrt hat, "wundert mich immer noch", sagt Fränzl. Es gibt zwar eine starke Beatbox-Szene, aber Formationen wie diese sind rar. "Das liegt wahrscheinlich an der Sozialisierung im Hip-Hop. Das sind eher Einzelkämpfer." Apropos Einzelkämpfer: Die Band hat ein eigenes Label gegründet, nach der Zusammenarbeit mit dem Majorlabel Universal: "Wenn man glaubt, Universal Österreich kann eine Band über die Grenzen hinaus hieven, ist das eine Illusion. Letztendlich schränken sie dich mehr ein und halten dann die Hand auf, obwohl wir uns das meiste selbst erarbeitet haben."
Für Fränzl ist Sozialkritik eine Verpflichtung für Musiker: "Leider ist das in letzter Zeit weniger geworden, weil wir Musiker, so wie alle anderen auch, nichts mehr von der Politik wissen wollten. Unter dem Motto ,Ihr machts nur Scheiße, da sing ich nicht einmal drüber. Aber ich finde, da sollte man dann wenigstens einen Song machen mit diesem Titel statt zu schweigen."
Kein Bumtschack
Die Band kann von ihren Live-Auftritten leben. Eine Tour hat sie sogar nach Indien geführt, das Resultat war die CD "Live in Mumbai". Dort hat sich gezeigt, dass ihre Musik wirklich international ist: "Wir waren oft in Frankreich, in Ungarn, auch in Kanada haben wir einen guten Namen. Aber das war das erste Mal, dass wir in einem ganz anderen Kulturkreis waren. In Indien gibt es zwar keine Beatbox-Szene, aber es gibt da traditionelle Mundrhythmik. Wir haben befürchtet, vielleicht ist dann das, was wir machen, ein bisschen simpel und wird als Bumtschack abqualifiziert. Aber wir sind sehr gut angekommen."
Für eine Tourband ist es natürlich auch praktisch, dass sich das Gepäck auf Reisen in Grenzen hält. Und gibt es Tricks zur Pflege der "Instrumente"? "Nicht wirklich. Der Bass darf ein bisschen mehr rauchen als die anderen."
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