Popmusik hat sich immer schon verschiedener Stile bedient, heutzutage bringt sie jedoch nichts Originelles mehr hervor. "Wir leben in einer Epoche des kulturellen Stillstands", befindet der britische Kulturtheoretiker Simon Reynolds. In seinem soeben auf Deutsch erschienenen Buch "Retromania.Warum Pop nicht von seiner Vergangenheit lassen kann", beklagt er, dass unser Zeitalter völlig verrückt sei nach ständiger Erinnerung.
Die Wiedervereinigungen von Bands, Wiederveröffentlichung von Band-Klassikern oder Nostalgie-Shows zeugen ihm zufolge ebenso davon wie die Begeisterung junger Leute für alle rückwärtsgewandten Spielarten des Pop. Was auf der Strecke bleibe, sind Originalität, Subversion und Innovation. Die bislang letzte originelle Entwicklung im Pop sei der Techno der 1990er gewesen, schreibt er. Die "Wiener Zeitung" traf Reynolds in Wien zum Gespräch.
Auf der anderen Seite ist es aber auch sehr verlockend, einfach zurückzuschauen und sich das herauspicken, was man braucht. Der amerikanische Künstler Ariel Pink zum Beispiel kombiniert verschiedene Stile der Vergangenheit und verändert sie ein bisschen. Das ist zwar ganz interessant und klingt mitunter auch frisch, weil es schon lang zurückliegt. Aber richtig neu und innovativ ist das nicht.
Inwieweit sind technischen Neuerungen mitverantwortlich?
Das riesige Chaos YouTube spielt eine wichtige Rolle. Man sieht, wie die Leute damals aussahen, wie sie ihre Instrumente hielten, wie sie sich auf der Bühne verhielten. Es gibt mehr Informationen darüber, wie damals Musik gemacht wurden, als über die Musik selbst.

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