• vom 23.10.2012, 17:55 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 23.10.2012, 17:57 Uhr
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Retromania: Flohmarkt der Musikgeschichte

Vorwärts in die Vergangenheit


Von Christa Hager

  • Simon Reynolds im Interview über Künstler als Suchmaschinen, Joy Division und den Stratos-Sprung als Metapher für unsere Zeit.

Aushängeschild des zusammengewürfelten Pop: Lady Gaga vermischt den Glam der 70er, mit Kostümexzessen der 80er, Neo-Goth der 90er und Electroclash der 2000er. - EPA/ JONATHAN BRADY

Aushängeschild des zusammengewürfelten Pop: Lady Gaga vermischt den Glam der 70er, mit Kostümexzessen der 80er, Neo-Goth der 90er und Electroclash der 2000er. EPA/ JONATHAN BRADY

Popmusik hat sich immer schon verschiedener Stile bedient, heutzutage bringt sie jedoch nichts Originelles mehr hervor. "Wir leben in einer Epoche des kulturellen Stillstands", befindet der britische Kulturtheoretiker Simon Reynolds. In seinem soeben auf Deutsch erschienenen Buch "Retromania.Warum Pop nicht von seiner Vergangenheit lassen kann", beklagt er, dass unser Zeitalter völlig verrückt sei nach ständiger Erinnerung.

Information

"Retromania. Warum Pop nicht von seiner Vergangenheit lassen kann" . Übersetzt von Chris Wilpert (Ventil-Verlag, 2012, 424 Seiten)

Webseite
ventil-verlag.de

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Die Wiedervereinigungen von Bands, Wiederveröffentlichung von Band-Klassikern oder Nostalgie-Shows zeugen ihm zufolge ebenso davon wie die Begeisterung junger Leute für alle rückwärtsgewandten Spielarten des Pop. Was auf der Strecke bleibe, sind Originalität, Subversion und Innovation. Die bislang letzte originelle Entwicklung im Pop sei der Techno der 1990er gewesen, schreibt er. Die "Wiener Zeitung" traf Reynolds in Wien zum Gespräch.

***************

Wiener Zeitung: Das Neue in der Popmusik ist, dass es nichts Neues gibt. Worauf führen sie diese Stagnation zurück?

Simon Reynolds: Ein wichtiger Grund liegt im Alter der modernen Popmusik. Seit Elvis und den Beatles ist viel passiert, und diese Veränderungen spiegelten sich in der Musik wider. Die Beatles zum Beispiel, haben sämtliche Stile der damaligen Zeit durchgemacht, während der Punk und New Wave-Ära haben die Künstler darum, gekämpft, wer Origineller ist. Die Technologie, wie Synthesizer, ermöglichte danach wiederum Synthie-Pop. Bis zu einem gewissen Grad ist es daher verständlich, dass sich heutzutage neue Pop-Bands schwer tun, bei dieser Fülle an Vergangenem etwas Neues zu machen.

Auf der anderen Seite ist es aber auch sehr verlockend, einfach zurückzuschauen und sich das herauspicken, was man braucht. Der amerikanische Künstler Ariel Pink zum Beispiel kombiniert verschiedene Stile der Vergangenheit und verändert sie ein bisschen. Das ist zwar ganz interessant und klingt mitunter auch frisch, weil es schon lang zurückliegt. Aber richtig neu und innovativ ist das nicht.

Inwieweit sind technischen Neuerungen mitverantwortlich?

Das riesige Chaos YouTube spielt eine wichtige Rolle. Man sieht, wie die Leute damals aussahen, wie sie ihre Instrumente hielten, wie sie sich auf der Bühne verhielten. Es gibt mehr Informationen darüber, wie damals Musik gemacht wurden, als über die Musik selbst.

Der Kulturhistoriker Simon Reynolds stellt die Zukunft des Pop infrage.

Der Kulturhistoriker Simon Reynolds stellt die Zukunft des Pop infrage.© Joy Press Der Kulturhistoriker Simon Reynolds stellt die Zukunft des Pop infrage.© Joy Press




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-23 15:12:26
Letzte Änderung am 2012-10-23 17:57:53


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