• vom 23.02.2016, 16:29 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 23.02.2016, 16:44 Uhr

Buchprojekt

Heitere Grenzgänge




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andreas Rauschal

  • Clemens Marschall und sein Buchprojekt über transgressive Performance.

Wien. Über die Wienerstadt hinaus bekannt ist Clemens Marschall nicht nur als Randzonen- und Grenzlandforscher - immerhin hat der Mann seine international rezipierte und von Feinspitzen akklamierte Diplomarbeit 2009 am Institut für Musikwissenschaft über die US-Band Melvins geschrieben. Vor allem kennt man den unter seinem Pseudonym Rokko aktiven Herausgeber des halbjährlich durchaus im Zeichen des Punk, also etwa auch ohne kommerzielle Werbeeinschaltung erscheinenden Magazins "Rokko’s Adventures" als umtriebigen Beobachter und Chronisten einer Umgebung, in der gerne auch die Abgründe fröhliche Urständ feiern. Unten ist, wo wir sind! Neben Porträts unserer liebsten nur uns und unseren Freunden bekannten Lieblingsbands und -künstler oder - a Wahnsinn, normal! - liebenswerten Reportagen über so manches potscherte Leb’n ist bisweilen entsprechend auch Feldforschung in der Unterwelt angesagt - mitunter auch für die "Wiener Zeitung".

Protopunk ohne Grenzen: James Newell Osterberg alias Iggy Pop.

Protopunk ohne Grenzen: James Newell Osterberg alias Iggy Pop.© ap Protopunk ohne Grenzen: James Newell Osterberg alias Iggy Pop.© ap

Detaillierter Einblick

Weil Grenzüberschreitung immer auch bedeutet, keine Berührungsängste zu haben, gelingt Marschall mit seinem bereits vom Titel her Bände sprechenden, rund 400 Seiten starken und nun auf Englisch erscheinenden Buchprojekt "Avant-garde from Below: Transgressive Performance from Iggy Pop to Joe Coleman and GG Allin" strikt zwischen den Polen Observation und Obsession nun das Kunststück, in das innerste Innere der Materie vorzudringen.

Nachdem Iggy Pop als ewiger Protopunk, Coleman als einstiger Radikalperfomer und späterer Leinwandexorzist und Allin als elendiger Saubartel zwischen Rock’n’Roll, Dreck und - man darf es nicht vergessen - Gewalt porträtiert und kontextualisiert wurden, geben schließlich Interviews mit zahlreichen Weggefährten detaillierten Einblick.

Neben dem US-amerikanischen Autor Greil Marcus ("Like A Rolling Stone. Bob Dylan At The Crossroads") wurden mit Steve Mackay auch der im Vorjahr verstorbene ehemalige Saxofonist der Stooges und deren Gitarrist James Williamson als Gesprächspartner für die aufschlussreiche Oral History gewonnen. Im Rahmen der vierteiligen Veranstaltungsreihe "Wiener Reigen" wird die Buch-Veröffentlichung am morgigen Donnerstag ab 19.30 Uhr im Arena Bar Varieté übrigens ziemlich standesgemäß über die Bühne gehen: Mit einer Hinterzimmer-Lesung des Schauspielers Georg Friedrich, der bekanntlich gerne den Strizzi gibt und von Marschall für "Rokko’s Adventures" bereits als "Django von Wien" porträtiert wurde. Guter Mann! Beide.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-02-23 16:32:09
Letzte nderung am 2016-02-23 16:44:30




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wie gewonnen, so verschwunden?
  2. Kein "Irrer mit der Bombe"
  3. Heiter dem Tausender entgegen
  4. "Nicht mit uns"
  5. Bob Dylan kommt nach Österreich
Meistkommentiert
  1. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  2. Die Kamera als Schutz
  3. "Ohne Polen kollabiert London"
  4. Nothung, neidliches Brotmesser
  5. Unter Druck


Quiz


CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.


Werbung


Werbung