• vom 18.10.2016, 15:42 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 18.10.2016, 17:37 Uhr

Worried Man & Worried Boy

Schnitzerl und ein Krügerl Bier




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andreas Rauschal

  • Das Vater-Sohn-Duo Worried Man & Worried Boy veröffentlicht sein zweites Album.

Live am 22. Oktober im Theater am Wiener Spittelberg: Herbert (rechts) und Sebastian Janata alias Worried Man & Worried Boy.

Live am 22. Oktober im Theater am Wiener Spittelberg: Herbert (rechts) und Sebastian Janata alias Worried Man & Worried Boy.© Naa Teki Lebar Live am 22. Oktober im Theater am Wiener Spittelberg: Herbert (rechts) und Sebastian Janata alias Worried Man & Worried Boy.© Naa Teki Lebar

Wien. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum ließen Worried Man & Worried Boy im Vorjahr keine Zweifel daran, dass es sich bei ihnen um das schneidigste Vater-Sohn-Duo zwischen der Wiener Vorstadt und Donnerskirchen sowie natürlich weit darüber hinaus handeln musste.

Sebastian Janata, als Schlagzeuger der Band Ja, Panik in Indiehausen ein Held seines Jahrgangs, und Vater Herbert, der 54 Jahre lang (Bühnen-)Dienst mit der Worried Men Skiffle Group ("Da Mensch is a Sau") leistete, erinnerten dabei - neben einer Notwendigkeit namens Spaß an der Freud’ und der Möglichkeit von Musik zur Verbindung der Generationen - mit Neuinterpretationen vergessen geglaubter genuin österreichischer Hadern immerhin vergnügt auch an ein vergnügliches Genre.

Goschert und gfeanzt

Skiffle als frühe, auf Behelfsmitteln statt Instrumenten gegebene Do-it-yourself-Musik aus Prä-Rock-Tagen wurde von der Worried Men Skiffle Group einst ja auch um Dialekttexte erweitert, mit denen es sich bekanntlich sehr gut goschert und gfeanzt sein lässt, wenn man nicht gerade einfach nur schmähführen will: "Schau, i waß eh, a Grezn bin i. Owa so deppad wia du bin i nie!" Damit war auch der Weg für den Austropop und dessen grundsätzliche Art geebnet, so zu singen, wie man spricht. Wie bitte? Ja, pardon: Wia ma redt.

Daran und auch an der inhaltlichen Ausrichtung hat sich zwar auch auf "Ruhig bleiben" (Problembär Records/Rough Trade), dem nun vorliegenden zweiten Album von Worried Man & Worried Boy, nichts geändert. Im Gegensatz zum Debüt setzt es mit Worried Boy Sebastian als Neo-Songschreiber von vier Nummern heute aber ausschließlich Originalmaterial, das an keine Wurzeln gebunden ist.

Auch deshalb wird die Prä-Rock-Ära verlassen, um nach dem ausbleibenden Quantensprung vorsichtshalber erst einmal in den 1960er Jahren zu landen. Neben Tamburin, Handclaps und Harmoniegesang legen auch die hübsch melodieselig gestimmten Gitarren nahe, dass man es der britannischen Beatmusik mittlerweile verziehen hat, einst den Skiffle in die Nische verbannt zu haben. Wobei es natürlich schon ein Skandal ist, dass Worried Man Herbert Janata deshalb auf sein Lieblingsinstrument, das Kazoo, verzichtet. Nicht nur vergleichsweise klassisch kommt dann auch die Klarinette daher, die im Auftaktsong "Frühling" die Lücke füllt. Hier wird mit der Gegenüberstellung von Alt und Jung gleich auch ein kleineres Schlüsselmotiv des Albums erklärt, das alle möglichen Unterschiede als im Endeffekt blunzn ausweist. Hallo! "Egal wie oid oda wie jung. Egal wie gscheid oder wie dumm. Egal ob reich oder arm: Scheiß di net so an und schau nach vorn!"

Seniorenglück

Vor allem aber geben Worried Man & Worried Boy hier recht überzeugend die sympathischen Tachinierer. Während Sebastian Janata in "Von gschissn auf oasch" darüber sinniert, dass ihm seine Zeit zum Hackeln weiß Gott zu schade ist, hat Herbert die Sache mit der Erwerbsarbeit gottlob schon hinter sich. Er erkundet in Stücken wie "Gartenfest" lieber das einfache Seniorenglück ("Die Lotte bringt den Hans mit und a Schweinskarree. Da Gfüde bringt a Fassl Bier") und pocht auf sein Vorrecht, endlich einmal nichts von der Welt wissen zu müssen. Wie heißt es an einer Stelle in bester Heurigensängermanier doch so schön? "Olle Türn, olle Fensta, olle Luken moch i zua, donn hob i daham mei Ruah!"

Gegen Ende des Albums erfährt diese wohlvertraute österreichische Haltung gegenüber der Gemütlichkeit aber eh noch eine kritische Betrachtung: "Warum dazöst du mir von Flüchtlingen, warum dazöst du des grod mir? I hob doch eh mei Wiener Schnitzerl und dazua a Krügerl Bier." Das ist würdig und recht. Nur wer die Wahnsinnsidee hatte, die schönen Mundarttexte für das Booklet auf hochdeutsch niederzuschreiben, wäre jetzt noch zu klären: "Heute hab ich einen Mordstrumm Kater. Das feilt mich an wie nur!"





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-10-18 15:47:05
Letzte nderung am 2016-10-18 17:37:37




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Facebook wird missbraucht"
  2. "Es geht nicht um Trumps USA"
  3. Troll und Tod
  4. Schriftstellerin Ursula K. Le Guin gestorben
  5. Tyrannenkinder haben großes Potenzial
Meistkommentiert
  1. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  2. "Trocknen Sie die homogenen Sümpfe aus"
  3. Kunst- und Kulturverbände präsentieren Forderungen an die Regierung
  4. Tagebuch des Untergangs
  5. Alles gut im zweiten Anlauf


Quiz


Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.


Werbung


Werbung