• vom 01.12.2016, 17:15 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 01.12.2016, 17:27 Uhr

Rolling Stones

Männer, die den Blues haben




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Von Andreas Rauschal

  • Die Rolling Stones kehren mit einem neuen Album zu ihren Wurzeln im Chicago-Blues zurück.

Klingen jetzt nach ewigem Heimweg: Mick Jagger und Keith Richards.

Klingen jetzt nach ewigem Heimweg: Mick Jagger und Keith Richards.© Universal Klingen jetzt nach ewigem Heimweg: Mick Jagger und Keith Richards.© Universal

Im Grunde war es doch recht erstaunlich, als in den 1960ern ausgerechnet junge weiße Männer der, wie im Falle Mick Jaggers, britischen Mittelschicht begannen, weniger im echten Leben (das Leiden, das Leiden, das ewige Leiden!) als vielmehr musikalisch den Blues zu haben. Schuld daran war ein Modernisierungsschub des Genres, für den in den 1950ern schwarze Musiker wie Howlin’ Wolf, Memphis Slim oder Willie Dixon verantwortlich zeichneten, die ihre Heimat im Süden der USA verlassen hatten, um in Chicago sesshaft zu werden.

Dort galt es, die alten Riffs aus dem Mississippi-Delta forsch unter Strom zu setzen und sogar die hier so zentrale Mundharmonika (auf Englisch bezeichnend "Blues harp" genannt) zu elektrifizieren. Das war zwar gerade für die Geschichte des Rock’n’Roll immens wichtig, der etwa mit Chuck Berrys Plattenvertrag mit Chess Records und seiner Zusammenarbeit mit Willie Dixon und Muddy Waters direkte Verbindungen zum Chicago Blues einging.


Sympathie für den Teufel
Biografisch wiederum sind diesbezüglich aber auch herzzerreißende Geschichten wie jene von Howlin’ Wolf kolportiert, der als gemachter Mann für einen Besuch nach Mississippi zurückkehrte, um seine Mutter finanziell zu unterstützen - und von dieser zurückgewiesen wurde. Immerhin sei das Geld mit der Musik des Teufels erwirtschaftet worden.

Für Mick Jagger und Keith Richards hingegen war es die Sympathie für den Teufel in Form der Künstler von Chess Records, die sie privat und beruflich zusammenführte. Bald wurde nicht nur unter dem hörbar beeinflussten Bandnamen - Zusammenhänge verstehen! - Little Boy Blue And The Blue Boys musiziert. Auch als man sich schließlich 1962 nach einem Song von Muddy Waters in The Rolling Stones umbenannt hatte, standen einige Alben lang vor allem Coverversionen alter Rhythm-and-Blues- und Blues-Hadern an, bevor sich das Autorendoppel Jagger/Richards in der zweiten Hälfte der 1960er emanzipierte. Bei allen Ausflügen in Richtung Psychedelik, Disco, Reggae und Stadionrock in den Folgejahrzehnten aber blieb immer der Blues der Ursprung. Nachzuhören etwa auch auf Keith Richards’ im Vorjahr erschienenem Soloalbum "Crosseyed Heart".

Nur konsequent für die am Papier seltsame Beziehung der Rolling Stones zu ihrem bevorzugten Genre ist, dass ihre nun vorliegende Hommage an den Chicago-Blues in Form des neuen Albums "Blue & Lonesome" (Universal Music) als erste Arbeit der Band seit 1967 daherkommt, die ausschließlich in London aufgenommen wurde.

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Rolling Stones, CD-Kritik

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-01 17:20:07
Letzte nderung am 2016-12-01 17:27:32




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