• vom 12.12.2016, 16:46 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 23.12.2016, 12:23 Uhr

Pop

"Manchmal ist man von sich selbst gelangweilt"




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Julia Wagner

  • Singer-Songwriter David Gray blickt zwar jetzt auf seine 30-jährige Karriere zurück, dekonstruiert sie dabei aber auch.

Er glaubt an Umgangsformen und ganze Sätze: David Gray ist kein Fan von Social Media. - © Frank Hoensch/Redferns/Getty

Er glaubt an Umgangsformen und ganze Sätze: David Gray ist kein Fan von Social Media. © Frank Hoensch/Redferns/Getty

Wenn Jimmy Fallon nicht gewesen wäre, dann hätte David Gray seinen größten Hit "Babylon" letzte Woche wohl nicht live im US-Fernsehen gesungen. Der berühmte Talkshow-Host ist nämlich ein Fan des 48-jährigen Sängers und bat ihn, genau diesen Song zu performen. "Ich spiele eigentlich lieber neue Stücke und war echt unsicher deswegen, aber gut, ich promote gerade ein ,Best of‘-Album, da geht das schon okay", so Gray. Denn ob man es glaubt oder nicht, der Brite ist, so verrät er im Gespräch, oft ganz schön müde, immer die Songs seines bestverkauften Albums "White Ladder" von 1998 zu spielen.

Es war damals sein bereits fünftes Album, das ihn Ende der 90er Jahre zwar nicht schlagartig, aber doch recht schnell berühmt machte. Es verkaufte sich über sieben Millionen mal, wurde im Radio rauf und runter gespielt und läutete damals quasi einen Relaunch des Singer-Songwriter Genres ein. Aktuell ist Gray aber eher damit beschäftigt, seine alten Werke auseinanderzunehmen.


Trügerische Ruhe
"Ja, manchmal ist man von sich selbst gelangweilt", so Gray. "Irgendwann entwickelt man ein System, wie man Musik kreiert, aber das überholt sich dann selbst. Man kann ja nicht immer die gleichen Tricks anwenden." Seine alten Songs singt er jetzt konsequent anders. Auf seiner aktuellen Mini-Tour begleitet er sich ausschließlich selbst, mal mit Gitarre, mal auf dem Klavier - und sampelt sich erstmals dabei selbst - live.

Auch die Art, wie er Songs aufnimmt, hat sich geändert. Während er früher Angst hatte, dass ihm ein Produzent seine Musik radiotauglich "glattbügeln" könnte, gibt er heute bewusst die Kontrolle ab, damit andere die Chance kriegen, Neues aus ihm rauszuholen. Auch wenn das bedeutet, dass mal Mobiliar durchs Studio fliegt, so wie bei den Aufnahmen seines letzten Albums "Mutineers". Ja, der Mann der sanften Balladen kann nämlich ganz schön laut und aufbrausend werden.

David Gray grinst, er ist sich sehr wohl bewusst, dass sein Image da draußen anders ist. "Sagen wir mal so, mein Produzent hat mich wahnsinnig gemacht. Ich musste mich ständig nach ihm richten. Er wollte zwischen den Aufnahmen spazieren gehen oder einen Tag frei nehmen. Was soll denn dieser Unsinn?"

Aber, es gibt noch mehr, was David Gray aufregt, Social Media zum Beispiel. Es koste einfach zuviel Zeit. "Diese Verpflichtungen hören nie auf. Dauernd sagt man mir, was ich noch alles tun sollte. Aber ich werde das nie tun können in einer Art, als ob es mir wirklich wichtig wäre. Ich glaube an Umgangsformen, Interpunktion und ganze Sätze. Ich schmeiße nicht einfach so mit Gedanken um mich", so der Sänger. Von seinem Jimmy-Fallon-Auftritt postet er gerade mal ein unscharfes Backstage-Foto im Anzug, von seinem Berlin-Gig bloß die Set-List. Darauf ist allerdings deutlich zu erkennen, dass er dann doch Hits wie "Sail Away", "Please Forgive Me" oder "Babylon" gespielt hat - ganz zum Schluss, nach seinen etwas weniger bekannten, aber nicht weniger guten Songs. "Es macht mir nichts aus, dem Publikum was zu geben, was sie schon kennen, wenn sie bei dem, was sie nicht kennen, aufpassen. Mich frustriert es, wenn das Publikum nur darauf wartet. Ich bin ja keine Jukebox."

Dass Gray übrigens schon so lange nicht mehr in Österreich gespielt hat, genauer gesagt seit 13 Jahren nicht mehr, tut ihm aufrichtig leid. "Es sind tatsächlich rein wirtschaftliche Gründe. Touren ist einfach teuer und wir müssen vor allem dahin, wo die meisten Fans sind."

Mit der neuen Solo-Show soll es aber mehr Möglichkeiten geben. "Diese kleine Tour könnte mich auch mal wieder nach Österreich führen. Und in der Zwischenzeit, nehmen Sie es einfach bitte nicht persönlich."

Das Album "Best Of David Gray" ist bei Rough Trade erschienen, aber auch auf Spotify als dynamische Playlist zu hören. Mehr Infos unter www.davidgray.com




Schlagwörter

Pop, Singer-Songwriter, David Gray

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-12-12 16:50:11
Letzte ńnderung am 2016-12-23 12:23:05




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Trübe Winkel
  2. Massive Troll-Invasionen
  3. Sängerin der Cranberries gestorben
  4. Kunst
  5. Etwas Rost in harten Zeiten
Meistkommentiert
  1. Pandoras Übersetzungswerkstatt
  2. Und plötzlich mit dem Kanzler per Du
  3. "Wir sind ein dummes, gewalttätiges Land"
  4. "Klassische Musik ist ein Fake"
  5. "Trocknen Sie die homogenen Sümpfe aus"


Quiz


Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.


Werbung


Werbung