• vom 13.12.2016, 16:21 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Konzertkritik

Pointenschleudern im Mantel der Gediegenheit




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    (irr) "Wollen wir jetzt einmal alle gemeinsam abhusten?" Thomas Quasthoff sitzt der Schalk im Nacken. Die Störgeräusche im Großen Konzerthaus-Saal reizen ihn ebenso zum Scherz wie der Wiener Dialekt ("Küss die Hand!") oder die eigene Kleinwüchsigkeit. Insofern mag man es ein Glück nennen, dass der ehemalige Klassiksänger - für den sich solche Pointen eher verbieten - heute als Swing-Entertainer tourt. Wobei das nicht ganz ohne Tragik geschah: Vor vier Jahren, noch im "ernsten" Fach daheim und bloß Gelegenheitsjazzer, hat der Bassbariton seinen völligen Rückzug vom Sängerpult verkündet, weil er den eigenen Ansprüchen nicht mehr genüge. Nun musiziert er wieder - nur noch im swingenden Fach. Ein Genrewechsel, der allerdings nur den wenigsten gelingt: Die Phrasierung, das Timing, die Rücknahme der eigenen Stimmfülle auf ein U-musikalisches Maß - das kann kein Opernmann so gut wie Quasthoff.

    Immer noch ein Lied-Ausdeuter
    Mitunter öffnet er die vokalen Schleusen noch. Es muss kein Schaden sein, wie in "I’ll Be Home for Christmas": Die Stimme bäumt sich da kurz gegen eine Einsamkeit auf, versinkt letztlich in ihr: Quasthoff, die Kunstlied-Koryphäe, legt den traurigen Kern des Songs frei und entwickelt ihn dramaturgisch. Ein weiteres Glanzlicht zwischen "Can’t We Be Friends" und einer "Witchcraft" mit Sinatra-Touch: eine hitzematte "Summertime" mit langem Zug hin zur Inbrunst. Wobei: Insgesamt hätte man dem Begleit-Trio mehr Auffälligkeit gegönnt. Frank Chastenier kitzelt den Flügel meist gediegen, der kreative Dieter Ilg (Bass) wagt sich nur hie und da aus dem Lehrbuch-Sound. Trotzdem kein Malheur, solange das Energiezentrum des Abends witzelt, orgelt, säuselt und scattet.


    Konzert

    Thomas Quasthoff

    Wiener Konzerthaus




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    Dokument erstellt am 2016-12-13 16:26:09




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