• vom 17.12.2016, 08:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 19.12.2016, 18:12 Uhr

Platten des Jahres 2016

Systemkritik und Pop-Tote









10. Pete Yorn: Arranging Time (US)

Pete Yorn vereint nahezu alle Ingredienzien großer und größter US-Musik. Dabei werden auch schwarzrandige Inhalte einem folkig-souligen Waschgang unterzogen - und kommen als lupenreine Songperlen aus dieser musikalischen Veredelungsmaschine.

Pop/Österreich

1. Vague: In The Meantime

Das Wiener Quintett Vague.

Das Wiener Quintett Vague.© Gabriel_Hyden Das Wiener Quintett Vague.© Gabriel_Hyden

Das Wiener Quintett Vague changiert auf seinem Debütalbum zwischen halbdüster-verhangenem Post-Punk und klassischem Shoegazing. Obgleich die nicht von ungefähr an Altvordere (Joy Division, The Cure) erinnernde Manier des Behäbig-Anämischen zu einer gewissen Eintönigkeit neigt, gelingt der Band eine erstaunlich dynamische Les- und Spielart. Die Richtung geben die choralartig geschichteten Gitarren vor - und mitunter bricht durch die violett schimmernde sonische Wolkendecke auch ein klarer, alles harmonisch bündelnder Lichtstrahl. Sehr einprägsam. Sehr gut.

2. Polkov: Closer

In Zeiten, in denen der mit Schmäh und Authentizität spielende Dialektpop große Erfolge feiert, feilt das steirische Quintett Polkov unbeirrt an einem Popentwurf, der Pop in Großbuchstaben schreibt und den "perfekten" englischsprachigen Song im Fokus hat. Obwohl auf "Closer" weiterhin Gitarren die Basis bilden, ist es der Einsatz von Synthesizern, der mit seinem 80er-Jahre-Nachhall heute für eine Erweiterung sorgt. Für diese Art von Musik gilt es die Intellektuellenbrille abzulegen - betört sie doch mit Wohlklang, Eleganz und viel Herz und Seele.

2. Radian: On Dark Silent Off

Pop mag man diese Musik nicht wirklich nennen. Allerdings zeigen sich Radian auf "On Dark Silent Off" für ihre Verhältnisse dann doch vergleichsweise zugänglich. Heute stellt das Wiener Trio nicht gleich Stoppschilder auf, wenn die Elemente so zueinanderfinden, dass sich schlüssige Strukturen aufbauen. Großzügiger als bei allen ihren bisherigen Arbeiten lässt die Band der Musik freien Lauf. Den Spannungsgefällen der Platte zu folgen ist Hochleistungssport nicht ganz unähnlich: Konzentration aufrechterhalten - und der Ertrag stellt sich von selbst ein.

4. Granada: Granada

Das fünfköpfige Bandprojekt rund um den Grazer Thomas Petritsch wurde heuer mit einem selbstbetitelten LP-Debüt vorstellig, das mit einem Sound zwischen Wienerlied-Melancholie mit Blues-Einschlag und gelegentlicher Balkan-Folklore aufwartet. Zwischendurch, wenn eher die Gitarren statt des Akkordeons das musikalische Sagen haben, scheinen britische Power-Pop-Bands wie die Libertines den Musikanten über die Schulter zu zwinkern.

5. Natalie Ofenböck & Der Nino aus Wien: Das grüne Album

Das Ergebnis dieses Joint Ventures ist so vielfältig wie die steirische Topografie: Gebieterisch brummt die Tuba ihr tiefes Humptata, die Harmonika ruft zur Polka, unvermittelt brausen E-Gitarren auf - und nicht selten passiert das alles in ein- und demselben Song.

Jazz/International

1. John Scofield: Country For Old Men (US)

Der große Stilist unter den Jazzgitarristen verpasst Country-Klassikern neue, zwingende Grooves.

2. Norah Jones: Day Breaks (US)

(Unerwartet) gelungener Mix aus Singer-Songwritertum und Jazzbeiträgen, höchstselbst von Ikone Wayne Shorter gereicht.

3. Grégory Privat Trio: Family Tree (F)

Unaufgeregt schöner, melodiöser Klaviertrio-Jazz; elegant auch auf hohem Tempo.

Jazz/Österreich

1. David Helbock Trio: Into The Mystic

Der Jungmeister des Jazzklaviers wühlt orgiastisch in den Tasten.

2. Shake Stew: The Golden Fang

Atmosphärisches vom neuen Septett rund um Lukas Kranzelbinder mit starkem Bläserdruck.

3. Homegrown: "Seeds"

Handfester Groove-Jazz rund um die Eminenzen Wolfgang Puschnig und Paul Urbanek: mit Spielwitz und Schmäh.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-12-16 12:38:08
Letzte ─nderung am 2016-12-19 18:12:39




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