• vom 09.02.2017, 15:23 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 10.02.2017, 12:08 Uhr

Protest-Songcontest

Ein klares Ja - zum Nein!




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Von Andreas Rauschal

  • Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für den Widerstand. Am Sonntag ist wieder Protestsongcontest.

Vereint im Protest: Widerstand formiert sich aktuell nicht nur auf der Straße. Auch in den Tonstudios setzt man ein Zeichen. Das Bild des Fotografen Jonathan Bachman zeigt Ieshia Evans, es wurde zum Symbol der Proteste gegen Polizeigewalt in Baton Rouge. - © reuters/Jonathan Bachman

Vereint im Protest: Widerstand formiert sich aktuell nicht nur auf der Straße. Auch in den Tonstudios setzt man ein Zeichen. Das Bild des Fotografen Jonathan Bachman zeigt Ieshia Evans, es wurde zum Symbol der Proteste gegen Polizeigewalt in Baton Rouge. © reuters/Jonathan Bachman

Der Protestsongcontest mag seit dem Jahr 2004 immer wieder auch die großen Problemfelder der Welt adressiert haben, die - der Globalisation, den Systemmedien oder Brüssel sei Dank! - längst auch im Garten Österreich spürbar sind. Früher, so viel steht fest, hätte es das nicht gegeben. Als heiter-anarchistische Veranstaltung vom Zuschnitt einer beim Innenminister unbeliebten "Spaßdemo", bei der es außer Widerständchen auch reinste Gewalt in Form verbaler Gnackwatschn setzt, hat man die Verhältnisse - und nicht zuletzt die alltäglichen - im Rabenhof Theater aber immer gerne humorvoll gepackt.

Es gilt schließlich auch sich damit zu arrangieren, dass es sich bei Wien um eine Stadt der böswilligen Pensionisten mit eingraviertem "Nein!" auf der Stirn handelt, in der es uns im Wesentlichen immer sehr gut gegangen ist, obwohl verlässlich immer schon alles oasch war. Aber, und jetzt kommt’s: Besser, es war oasch, es ist oasch und es wird oasch bleiben, als sich mühsam um Veränderungen kümmern zu müssen - die man sowieso nicht will. Hier sagen wir Ja - zum Nein! Die Welt, die zu uns hereinkommt, seit es technisches Kleingerät mit Internetanschluss gibt, ist weiß Gott kompliziert. Stillstand bietet eines: Er bietet Sicherheit.


Worte als Waffen
Dass es so etwas wie echte Probleme gibt, sieht man bei aller möglichen Ignoranz gegenüber der Nachrichtenlage ja auch, wenn man einmal in Ruhe ins Kino gehen will. Es dürfte zum Beispiel der Hut schon ziemlich brennen, wenn dort die Apokalypse nicht mehr von einer Alien-Invasion ausgelöst wird, sondern sozialrealistisch mit einem Termin am Arbeitsamt über die Protagonisten hereinbricht. Und auch, wenn vormals eher nicht für politische Noten im Werk bekannte Musiker sich plötzlich in großer Sorge um die Welt präsentieren wie sonst nur der Papst oder Bono, könnte man hellhörig werden. Immerhin wundern sich mit ihrer Single "Where’s The Revolution" aktuell sogar Depeche Mode über das Ausbleiben eines größeren Aufstands.

Schlechte Zeiten sind bekanntlich gute Zeiten für den Protest. Und so hat man im Vorjahr nicht nur die New Yorker Transgender-Tragödin Anohni auf ihrem programmatisch betitelten Album "Hopelessness" über totmachende Drohnenbomben, den Überwachungsstaat, die Todesstrafe als "amerikanischen Traum" sowie gegen Barack Obamas diesbezüglich relativ geringen Einfluss in Sachen "Change" singen gehört - während die Obama-Unterstützerin Beyoncé mit ihrem Album "Lemonade" gleichfalls politisch wurde und etwa die Mütter der nach weißer (Polizei-)Gewalt ums Leben gekommenen Afroamerikaner Trayvon Martin, Michael Brown und Eric Garner zum Gastauftritt lud.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-09 15:29:08
Letzte ─nderung am 2017-02-10 12:08:32




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