• vom 16.02.2017, 15:38 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 23.02.2017, 15:18 Uhr

Pop

"Lässig, wenn sich ein Umweg ergibt"




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andreas Rauschal

  • Markus Binder von Attwenger legt seinen Hybridroman "Teilzeitrevue" vor. Eine Begegnung.

Vom Gstanzl zum Hybridroman: Markus Binder liest am 22. Februar im Stadtkino Wien.

Vom Gstanzl zum Hybridroman: Markus Binder liest am 22. Februar im Stadtkino Wien.© Gerald von Foris Vom Gstanzl zum Hybridroman: Markus Binder liest am 22. Februar im Stadtkino Wien.© Gerald von Foris

Als die eine Hälfte der heimischen Zweimannband Attwenger nimmt Markus Binder die ungewöhnliche Rolle des Schlagzeugers ein, der Songtexte schreibt und diese auch singt - was eine gewisse Wortaffinität also bereits impliziert. Konsequenterweise hat der Mann 2005 über den Berliner Verbrecher Verlag mit "Testsiegerstraße" seine literarische Erstveröffentlichung vorgelegt, der nun ("Es hat dann doch etwas länger gedauert") ein "Hybridroman" namens "Teilzeitrevue" folgt. Markus Binder zur "Wiener Zeitung": "Der Begriff stammt von meinem Verleger Jörg Sundermeier. Das Klassische interessiert mich selbst ja nicht so. Sehr wohl aber die Neudefinition dessen, was ein Roman sein kann. ‚Teilzeitrevue‘ ist ein zersplitterter Text, der auch schon als Mixtape bezeichnet wurde - womit ich gut leben kann."

"Schreiben ist lügen"
Inhaltlich folgt "Teilzeitrevue" zwar einem Paar, das sich nach einem Langstreckenflug durch die städtischen Clubs treiben lässt. Vor allem geht es in kurzen Textsequenzen aber erfrischend um das Beobachten und das Betrachten. Wer etwas betrachtet, sich also seine Gedanken darüber macht, gilt gemeinhin als klug. Wer beobachtet, ist hingegen bald einmal suspekt. Binder: "Das finde ich schön beschrieben. Wobei mir im Text wichtig war, dass die Beobachtung oft eine Täuschung ist und eine Fälschung. Der französische Lyriker und Philosoph Paul Valéry hat geschrieben, dass, wenn man an sein Leben zurückdenkt, es sich nur über Fälschungen präzisiert. Wir sind sehr selektiv darin, woran wir uns erinnern - und wie. In unserer subjektiven Art, in der wir durch die Welt spazieren, nehmen wir die Welt auch subjektiv wahr. Mit dem spielt das Buch auch: Schreiben ist lügen, weil es nur dieser beschränkte Ausschnitt eines Einzelnen ist. Interessant ist diesbezüglich der Begriff ‚Fake News‘, bei dem ich mir immer denke: Gibt es andere auch? Das aber aus sprachphilosophischer Sicht. Die Lügenpresse-Vorwürfe aus dem rechtsextremen Eck sind natürlich nur traurig."


Die Protagonisten flanieren, die Gedanken schweifen. Der Blick wandert, der Fokus auch. "Das Buch ist ein ständiges Abgelenktwerden, was gut zu meinem Alltag passt, in dem ich es schätze, wenn Freiräume entstehen. Meistens gehst du ja irgendwo in einer Absicht hin. Aber es ist lässig, wenn sich ein interessanter Umweg ergibt."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Pop, Literatur, Attwenger

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-16 15:42:05
Letzte nderung am 2017-02-23 15:18:11




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ein Gefühl wie Mohr im Hemd
  2. Berührungsneugier
  3. Ein Wienerlied auf die Politik
  4. Der Weg in den Dschihad
  5. Ein Funken Hoffnung
Meistkommentiert
  1. Die paradoxe Herrschaft
  2. Ästhetik in der Todeszone
  3. Der Welt holdester Wahn
  4. Gefühlte Lebensfreude aus der Kraftkammer
  5. Reformhaus Küniglberg


Quiz


Mary Wollstonecraft (1759 - 1797) gilt als die erste Feministin Englands. Das bekannteste Werk der Schriftstellerin, Übersetzerin und Philosophin, "A vindication of the rights of woman" ("Verteidigung der Rechte der Frau") tritt für eine Gleichberechtigung von Mann und Frau ein.

Barry Jenkins Film "Moonlight" gewann den Oscar für den besten Film. Zuvor wurde irrtümlich "La La Land" gekürt. Hugh Jackman winkt am Roten Teppich.

Jean-Honoré Fragonard, Das Mädchen mit dem Murmeltier, 1780er Jahre. Ein Ausnahmeprojekt mit Ausnahmeproblemen: Die Elbphilharmonie, eine "gläserne Welle", die auf drei Seiten von Wasser umgeben ist. 


Werbung