• vom 18.04.2017, 16:04 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 18.04.2017, 16:17 Uhr

Ankathie Koi

Sternstunden des Schulterpolsters




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Von Andreas Rauschal

  • Ankathie Koi von Fijuka und ihr Solodebüt im Zeichen des 80er-Jahre-Gedächtnis-Pop.

Angriff mit Käsesounds: Ankathie Koi nimmt keine Gefangenen.

Angriff mit Käsesounds: Ankathie Koi nimmt keine Gefangenen.© Lucia Bartl Angriff mit Käsesounds: Ankathie Koi nimmt keine Gefangenen.© Lucia Bartl

Mit ihrer Stammband Fijuka hat Ankathie Koi bereits auf zwei Alben wie dem titellosen Debüt von 2013 und "Use My Soap" zwei Jahre später Vorarbeit für den Alleingang geleistet, der uns eine stilistisch gleichfalls gut abgesteckte Welt offenbart. "Stilistisch" ist hier abgesehen von der Musik selbst immer allumfassend, ja ganzheitlich gemeint. Schließlich werden im Booklet zum nun auf dem Wiener Label Seayou Records erscheinenden Solo-Erstling "I Hate The Way You Chew" (Vertrieb: Rough Trade) nicht nur für etwa die Produzenten Patrick Pulsinger und den wie Ankathie Koi selbst aus dem Boarischen stammenden Bazi Benedikt Brachtel, sondern völlig zu Recht auch für die "Hair & Make-up"-Artistin Kiky von Rebental Credits angeführt.

Pling-plong, padauz!
Die zu drastischen bis turmhohen Schlangenbeschwörerinnen- und Vogelnestfrisuren oder einem vor gut 30 Jahren angesagten Vokuhila neigende Sängerin mit den zwischen quietschbunt und pastellfarben changierenden Nagellacken und Outfits, die auch im öffentlichen Raum außer im Kunststudentinnen- und US-Football-Milieu quasi nicht mehr vorkommende Schulterpolster inkludieren, beruft sich als wandelndes Gesamtkunstwerk bekanntlich auf die 1980er Jahre. Die lustige damalige Welt mit ihren Spandexhosen, Kästen von Schnurlostelefonen ohne Anschluss ins Internet, Opabrillen- und Schnauzbart-Kombis und dem auf Filmen wie "Das Geheimnis meines Erfolges" mit Michael J. Fox oder "Cocktail" mit Tom Cruise basierenden Geruch nach Kreditkarten und Swimmingpools ersteht bei Fijuka und Ankathie Koi dabei nicht zuletzt in den Musikvideos wieder auf. Dass diese eventuell nicht ganz kostengünstig in der Herstellung sind, dürfte ausgabenseitig auch dadurch ermöglicht werden, dass die Musik selbst auf alten Billigsdorfer-Tasteninstrumenten entsteht, wie man sie heute auf Digitalflohmärkten oder im Zuge von Dachbodenentrümpelungen erwerben kann.


Diese gerne auch mit einer Schnur zum Umhängen versehenen Gerätschaften klingen heiter entlang der Presets "steril", "synthetisch", "fluffig-gummig", "Falco" und "abgefahren" ungefähr so: Pling-plong, plucker-plucker, kawäng, padauz! Um gleich einmal klarzustellen, womit wir es hier zu tun haben, fährt auf "I Hate The Way You Chew" ja schon der Auftaktsong "Black Mamba" die schwersten Geschütze auf.

Es geht darum, ohne auch nur jeden Ansatz eines Genierers mit über zumindest zweieinhalb Jahrzehnte ästhetisch schlicht geblacklisteten Sounds derart auf den Putz zu hauen, dass sogar die diesbezüglich auch nicht gerade zurückhaltenden Kollegen von Bilderbuch wie blasse Lehrbuben ausschauen. Wenn dann zu einem heiter-quengelnden, aufge- und überdrehten Grundgefühl auch noch auf cheesy Harmoniewechsel gesetzt wird, ist es beinahe ein Wunder, aber: Es funktioniert! Unter Mithilfe eines sich sonst als Discoroboter namens Paddy bei den Labelkollegen von Powernerd verdingenden partiellen Co-Songschreibers erweist sich Ankathie Koi als Meisterin ihres Fachs. Dieses inkludiert neben tatsächlich mit Tabus brechendem 80er-Jahre-Gedächtnis-Pop und tanzbaren Elektrobeats auch die nötige, über melodramatische Balladenminiaturen verabreichte Dosis Wehmut und Herzschmerz, die zugunsten einer kämpferischen Grundeinstellung als, Verzeihung, wilde Henne aber nicht zu vordergründig sein soll.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-18 16:09:09
Letzte ─nderung am 2017-04-18 16:17:25




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