• vom 11.05.2017, 16:49 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 12.05.2017, 10:27 Uhr

neues Album

Die Kraniche sind zurück




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Von Andreas Rauschal

  • Paul Weller wird 59 und beschenkt sich mit dem neuen Album "A Kind Revolution".

Nur keine Zeit verschwenden: Paul Weller mit neuem Album.

Nur keine Zeit verschwenden: Paul Weller mit neuem Album.© Beard Nur keine Zeit verschwenden: Paul Weller mit neuem Album.© Beard

Aktuell erlebt man also auch Paul Weller dabei, wie er sich über die Zeit, die wieder einmal erheblich zu schnell vergeht, so seine Gedanken macht. Allerdings hält er sich nicht lange damit auf. Wenn die Zeit vorüberzieht wie ein mit Lewis Hamilton besetzter Formel-1-Wagen am Nürburgring oder ein Asteroid am Weg vorbei an der Erde, hat man auch keine Zeit zu verlieren - und spuckt besser gleich in die Hände. Immerhin ist der britische Sänger, Gitarrist und Songwriter, bevor er am 25. Mai seinen 59. Geburtstag vermutlich nicht feiern wird, weil er lieber arbeiten geht, heuer bereits mit seinem Soundtrack zum US-Drama "Jawbone" vorstellig geworden, dem er nun das neue Album "A Kind Revolution" (Warner) beistellt, dessen Nachfolger auch schon weitgehend geschrieben ist und die Jünger noch vor dem Jubiläum zum Runden erfreuen soll.

In den Staub
Zum Thema Jubiläum ist überdies zu erwähnen, dass "A Kind Revolution" ziemlich genau 40 Jahre nach dem Debütalbum von Wellers einst in Punk-Zeiten am Mod-Revival arbeitender Stammband The Jam in die Regale kommt. Damals verweigerte der Mann mit dem Working-Class-Hintergrund bekanntlich die optischen Insignien einer Ära, um stattdessen im Sonntagsanzug Stilbewusstsein zu demonstrieren. Nicht zuletzt für die Verdienste der Jahre zwischen 1972 und 1982 und das Festhalten an schon damals alten Sixties-Gepflogenheiten wird er vor allem daheim in England bis heute wahlweise verehrt oder vergöttert. Nach den auch abseits von Tschernobyl und Spandexhosen schwierigen 80er Jahren, in denen Paul Weller die stilistische Enge überwand und mit The Style Council um Mick Talbot von den Dexys Midnight Runners zwischen slickem Pop, Sperrstunden-Jazz und Rap-Brückenschlägen doch etwas polarisierte, sowie der Hinwendung zu einer gleichermaßen um Traditionspflege wie um Neuerfindungen bemühten Solokarriere wirft sich die Fachpresse spätestens seit dem Album "22 Dreams" von 2008 anlässlich jeden neuen Albums von Paul Weller in den Staub. Gerade derzeit und mit den wenigen bereits vorliegenden Besprechungen von "A Kind Revolution" zum Beispiel staubt es schon wieder.


Anscheinend sind die Kritiker höflich genug, das weitgehende Ausbleiben der vom Titel versprochenen Revolution zu verzeihen. Immerhin erlebt man im Rahmen des Abschlussstücks "The Impossible Idea" ein Autoren-Ich friedlich im Walzertakt dabei, wie es die Welt verändern möchte, aber bereits bei Reformen im eigenen Leben an seine Grenzen stößt. "Oh what a shame. Such a sad poor parade!" Ganze zwei weitere von den insgesamt zehn Songs kommen aber zumindest in einer gewissen Form noch auf den Albumtitel zurück. Bei "One Tear" lässt Paul Weller angesichts des Zustands des Heimatplaneten eine einzelne Träne zur alttestamentarischen Endzeitflut anwachsen, um sich eine tatsächliche Spitze zu erlauben: "I don’t want your kind of Gods / that divide us." Über eine Frühlingsmetapher mit den aus der Winterpause im Süden zurückkehrenden Kranichen wird dann bereits zum Happy End angesetzt und das Licht am Ende eines finsteren Tunnels beschworen, der Gegenwart heißt. Manchmal ist es vielleicht doch ganz gut, wenn die Zeit schnell vergeht. Und sei es nur, wenn Paul Weller als einsamer Barhocker den Blick angesichts einer "Long Long Road" melancholisch im Sinne der Gemälde Edward Hoppers (wie auch im diesem gewidmeten Song "Hopper") etwas schweifen lässt.

Live in Österreich
Musikalisch hört man ein betont eklektisches Album, das dennoch als Einheit funktioniert. Zwischen klassischem Midtemporock, dezenten Funk-Jams, Blues mit Session-Musiker-Grandezza und balladistischen Verschnaufpausen setzt es vor allem auf der besagten langen Straße und teils auch bei "She Moves With The Fayre" mit Robert Wyatt als Gast begnadeten, streicherumrahmten Soul der alten Schule, während "The Cranes Are Back" als händeringender Erlösungsgospel daherkommt und das mit Boy George (!) gegebene "One Tear" mit Hall-Atmosphären und Dub-Echos auf der Gitarre erfreut.

Live hat uns Paul Weller zuletzt vor knapp zwei Jahren in der Staatsoper in die Tasche gesteckt. Vielleicht werfen wir uns am 7. September im Wiener Museumsquartier oder tags darauf im Posthof in Linz erneut vor ihm in den Staub.




Schlagwörter

neues Album, Paul Weller

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-11 16:54:06
Letzte nderung am 2017-05-12 10:27:06




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