• vom 18.05.2017, 15:50 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 19.05.2017, 13:15 Uhr

Bilderbuch

Selbst ist die Band!




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Von Stefan Niederwieser

  • Bilderbuch spielen dreimal hintereinander in der Arena.

Auftreten im kleineren Rahmen als Dank für die Fans, mit denen man sozusagen auf Tuchfühlung geht: Bilderbuch in der Wiener Arena.

Auftreten im kleineren Rahmen als Dank für die Fans, mit denen man sozusagen auf Tuchfühlung geht: Bilderbuch in der Wiener Arena. Auftreten im kleineren Rahmen als Dank für die Fans, mit denen man sozusagen auf Tuchfühlung geht: Bilderbuch in der Wiener Arena.

Wien. Drei Tage am Stück gibt es Sneakers for free. Sie hängen zu Dutzenden hinter der Band, dahinter, daneben und darüber leuchten mehr Scheinwerfer als jemals zuvor. Bilderbuch spielen drei Mal hintereinander Open Air in der ausverkauften Arena, ihre Wiener Festwochen, so raunt es Maurice Ernst den 3000 Leuten zu. Es gibt ein neues Album zu hören, "Magic Life", das mittlerweile vergoldet ist.

Vor zwei Jahren hatte man unter offenem Himmel noch einen Bodybuilder mit, davor im kleinen Brut einen Bongo-Spieler, am Mittwoch zwei Gospel-Sängerinnen. Bilderbuch-Konzerte haben dabei den enormen Vorteil, berechenbar zu sein und dennoch immer ein bisschen anders. Bei "Maschin" kennt das Publikum seinen Einsatz, "Taaaa-tata-tata-ta-ta... als wir uns zum ersten Mal be-ge-gnet" sind. Und beim neueren Song "Babylon" versteht man schnell, dass man die furiosen Hallelujas erwidern muss.

Information

Bilderbuch,
am 19.5., 19 Uhr,
Arena Wien

Auf Katz und Maus
mit dem Publikum

Einiges ist in Wien erstmals live zu hören. "Hey, hey Monika, sag leise Baba" können alle auf Anhieb mitsingen. Der Hit mit dem Oben-Ohne-Video war live schon im Volkstheater zu hören, noch bevor alle wussten, dass es so ein Hit wird. Selbst die Super-Duper-Party-Zeit klingt hier weniger nach frühen Red Hot Chili Peppers. Bilderbuch wissen nach zahlreichen Konzerten eben, die sie auch mit diesem Programm absolviert haben, wie sie ihre Songs steigern, mit dem Publikum Katz und Maus spielen und was sie ihrer Stadt schuldig sind.

Drei Konzerte hintereinander hat es in Wien in dieser Größenordnung lange nicht gegeben. Dabei liegt die Idee nahe, wenn man etwa nach London blickt. Dort haben The xx vor wenigen Monaten sieben Konzerte in sieben Tagen gegeben. Die Brixton Academy war jeweils mit 5000 Leuten bis auf den letzten Platz gefüllt.

Michael Jackson sollte eine Serie von 50 bereits ausverkauften Konzerten in der O2 Arena spielen, als er überraschend starb. Und Prince war vor zehn Jahren in derselben Halle 21 Mal in Serie zu Gast. Das hat einige Vorteile. Man kann den Fans damit Danke sagen, indem man einen vergleichsweise intimen Rahmen für einen Auftritt wählt. Und man spart Kosten, weil die Technik nicht auf- oder abgebaut werden muss.

So oder so, es geht um viel Geld für die Künstler. Denn Live-Musik ist nun schon seit Jahren die oberste Einnahmequelle für viele Bands und Musiker, nachdem Plattenverkäufe völlig eingebrochen sind. Labels wollten lange daran mitverdienen und hatten sich über 360-Grad-Verträge ihren Teil des Kuchens gesichert. Was neu ist, zumindest in Wien: Viele Bands mieten sich heute selbst mit ihren Agenturen ein - von Arena über Konzerthaus bis Stadthalle - und werden nicht mehr gebucht.

3000 (Personen) mal 40 (Euro) mal 3 (Abende) macht 360.000 (Euro). Für so viel Geld würde man auf Youtube mindestens hundert Millionen Klicks brauchen, aber eher das Dreifache. Live spielen ohne Trittbrettfahrer, das lassen sich auch andere Bands nicht entgehen. Die 5/8erl in Ehr’n kooperieren für ihr Open Air mit der Arena, HVOB veranstalten im August sogar ein eigenes Minifestival. "Wir brauchen keine Sesselfurzer, die nur mitschneiden", meinten Seiler und Speer kürzlich in einer Doku. Auch ihr Konzert auf der Kaiserwiese vor dem Riesenrad vor drei Wochen haben sie selbst veranstaltet. Wanda haben in ihrem normalen Größenwahn gleich die Stadthalle gemietet, gefilmt und den Mitschnitt dem ORF überlassen.

Mit Facebook auf
allen Kanälen spielen

All das funktioniert im Grunde wegen Facebook. Man braucht keine Platzhirsche mehr, um alle nötigen Kanäle zu bedienen, sondern sendet einfach selbst und kann hinterher noch stolz behaupten, das alles alleine erreicht zu haben. Mit ein bisschen Einfallsreichtum dankt es das Publikum auch. So konnten Bilderbuch in nur fünf Tagen ein Konzert im Schlosstheater Schönbrunn ankündigen und ausverkaufen. Es gibt dabei Sperrfristen, Festivals wie das Frequency oder das Nuke zahlen für exklusive Auftritte großer Namen und wollen natürlich nicht, dass man ihnen in die Parade fährt. Manche Locations müssen bis zu zwei Jahre vorher gebucht werden und Releases rechtzeitig fertig sein. Bands und Musiker machen also gerade in der Millionenstadt Wien ernstes Business.

"Wenn wir in die Stadthalle gehen, muss das fetzen", meint Reini Seyfriedsberger, Booker von Bilderbuch. Es sei ja kein Geheimnis, jeder mag die Arena und drei Konzerte am Stück war für viele eine schöne Überraschung. Noch dazu ist die Show für eine Bühne dieser Größe ausgelegt. In Linz beim großen Tourabschluss übernimmt man sogar die lukrative Gastro selbst. Gibt es dann also gar drinks for free? Quit living on dreams, mein kleines Genie.





Schlagwörter

Bilderbuch, Arena

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-18 15:54:08
Letzte ─nderung am 2017-05-19 13:15:27




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