• vom 16.06.2017, 16:32 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 21.06.2017, 15:12 Uhr

neues Album

Franzosen, die "Amore" sagen




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Von Andreas Rauschal

  • Phoenix gehen mit ihrem Album "Ti Amo" in die Italo-Disco. Danach will man einen Grappa.

Jetzt neu mit Italo-Einschlag, live am 21. Juli am "Out Of The Woods"-Festival in Wiesen: Phoenix.

Jetzt neu mit Italo-Einschlag, live am 21. Juli am "Out Of The Woods"-Festival in Wiesen: Phoenix.© Le Doyen Jetzt neu mit Italo-Einschlag, live am 21. Juli am "Out Of The Woods"-Festival in Wiesen: Phoenix.© Le Doyen

Erst im April fand man in der "New York Times" einen Kulturaufmacher über die französische Band. Und viele Landsleute der Neigungsgruppe Pop gibt es im Moment eher nicht, denen diese Ehre zuteilwerden könnte. Jean-Michel Jarre, ja, natürlich, Justice vielleicht, ziemlich sicher die mit Phoenix gut bekannten und in der Vergangenheit dienstlich verwobenen Duos Air und Daft Punk. Und auch für Phoenix selbst ist diese Art Rampenlicht keine Selbstverständlichkeit, erfolgte der Durchbruch der 1999 in Versailles gegründeten Band nach einem frühen Achtungserfolg, der Verwendung ihrer Single "Too Young" im Film "Lost In Translation" (2003) von Regisseurin Sofia Coppola (mit der Sänger Thomas Mars seit 2011 verheiratet ist), doch erst mit dem vierten Streich: dem 2009 veröffentlichten, schelmisch-anmaßend betitelten "Wolfgang Amadeus Phoenix", der neben prominenten Auftritten im US-Fernsehen auch einen Grammy für das "Best Alternative Music Album" und den ganzen damit verbundenen, kaum ökonomischen Aufmerksamkeitswahnsinn zeitigte, der im Showbusiness nun einmal dazugehört.

Heiße Nächte in Palermo
Nach Anfängen in einem eklektisch-leichtfüßigen, vor allem aber discoinfiziert-schwelgerischen Popentwurf und der temporären Hinwendung zu schnörkellosem Indierock 2006 auf "It’s Never Been Like That" folgte auf diesen Durchbruch 2013 noch das im Zeichen der großen Geste stehende Album "Bankrupt!", und schon sind wir beim Anlass für den Artikel der "New York Times" angelangt, der nun vorliegenden Comeback-Arbeit nach vier Jahren Funkstille. Diese erinnert bereits vom Titel her nicht nur daran, dass Thomas Mars und Sofia Coppola ihre Hochzeit einst in einem Palazzo in Bella Italia gefeiert haben. "Ti Amo" (Warner Music), das erinnert auch bereits auf dem Papier an Sternstunden des Italo-Schlagers und seine Nachwehen in der Schlagerkarussell-Kernzone Deutschland, Österreich, Schweiz, wo die Sehnsucht nach dem Süden immer Saison hat. Es erinnert an Umberto Tozzi und Howard Carpendale, an Giovanni, den Gelato-Verkäufer am Hausstrand in Tschesolo, an Liebemachen in Rom, an Liebemachen in Torino und außer vielleicht noch an Liebemachen in Milano, Napoli oder Siena natürlich an heiße Nächte in Palermo. Okay, "Venedig im Regen" gibt es auch, aber das ist immer noch besser als Amstetten im Alltag.


Für, wenn wir schon bei Klischees sind, gerne als etwas gar nationalstolz und fremdsprachenresistent porträtierte Franzosen mag diese Hommage an ein Konkurrenzland in quasi allen Bereichen zwischen Fußball, Kunst oder nicht zuletzt Cucina und Cuisine beinahe ebenso überraschend sein wie die Trilingualität der Texte. Thomas Mars schlendert über die "Via Veneto", greift für einen Long-Distance-Call nach Hollywood (die Frau!) zum "Telefono" und ist sich tatsächlich nicht zu blöd, sexy Metaphern in Titeln wie "Tuttifrutti" und "Fior Di Latte" zu finden. Er gibt den Amore-Italiener mit Pomade im Haar und Feuer im Blick recht überzeugend und rollt auch das "rrr" beinahe so, als wäre er einst nicht in der Stadt des Sonnenkönigs Ludwig XIV., sondern im Kontrollgebiet der Cosa Nostra geboren. "Innamorato! Agitato!"

Zum frei schwingenden, luftig-fluffigen Midtempo-Discopop der hübschen Auftaktsingle "J-Boy" kommen neben heillos nostalgischen Vintage- und Retrosounds im Zeichen erhöhter Cheesyness als Verbeugung vor einer Ära nicht zuletzt akustische Entsprechungen eines Weichzeichners, der über die Songs gelegt wird. Dazu hört man anscheinend wirklich ernst gemeinte Sätze wie "Frutti di mare, right beside me, watch the ocean with you", bei denen Thomas Mars stimmlich nicht selten wie Neil Tennant von den Pet Shop Boys klingt.

Böse Zungen behaupten, etwas pickert ist dieses Album ja schon. Non importa, sagen die anderen, Luigi gibt dir nachher einen Grappa aufs Haus.

Weitere Album-Besprechungen auf
Seite 44 im "extra".




Schlagwörter

neues Album, Phoenix

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-16 16:35:10
Letzte ─nderung am 2017-06-21 15:12:05




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