• vom 14.07.2017, 08:46 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 14.07.2017, 08:57 Uhr

Musik

Der "Gott der Gitarre" wird 70




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, dpa, Christina Horsten

  • "Ich bin schon unsterblich" sagt Santana - das nächste Album ist in den Startlöchern.

Cumpleaños feliz, Carlos! Santana wird 70. - © APAweb/AFP, Hector Guerrero

Cumpleaños feliz, Carlos! Santana wird 70. © APAweb/AFP, Hector Guerrero

New York. Carlos Santana hat den Latino-Rock erfunden, mehr als 100 Millionen Alben verkauft und beim legendären "Woodstock"-Festival gespielt. Jetzt wird der amerikanisch-mexikanische "Gitarrengott" 70 Jahre alt - und das nächste Album ist schon angekündigt.

Er wollte von Frauen vergöttert werden

Vergöttert wie sein Vater wollte Carlos Santana werden. "Ich war hingezogen zur Musik, weil ich alle - Kinder, ältere Menschen und vor allem Frauen - gesehen haben, wie sie meinen Vater angeschaut haben", erzählte Santana einmal dem US-Radiosender NPR. "Jedes Mal, wenn er gespielt hat, haben die Frauen gesagt: "Oh, Don Jose!" Und ich wollte das auch. Ich wusste damals nicht, wie man es nennt, aber heute nennen wir es vergöttern."

Santana wuchs im mexikanischen Tijuana auf. "Im ärmsten Teil. Aber ich wollte Anstand und Eleganz und ich wollte mich benehmen, als ob ich mehr Geld hätte als jeder andere auf der Welt. Ich wollte vergöttert werden wie mein Vater." Zu seinem 70. Geburtstag am 20. Juli hat Santana das längst erreicht - und noch viel mehr. Er gilt als einer der virtuosesten Gitarrenspieler aller Zeiten, wurde mit zahlreichen Musikpreisen ausgezeichnet, und seine mehr als 40 Alben verkauften sich millionenfach.

Und der "Gott der Gitarre", der meist mit Hut, Schnurrbart und schulterlangen Locken auftritt, macht immer weiter: Für Ende Juli ist sein neues Studioalbum "The Power of Peace" angekündigt, auch dutzende Konzerte in den USA und Kanada stehen diesen Sommer noch an. Seine Musik sei einfach eine "Art gute Serviceleistung", sagt Santana. Er braucht nur ein paar Noten anzustimmen, dann erkennen Millionen Menschen weltweit seinen ganz speziellen Sound. "Manchmal muss man einen Ton lange halten, um tiefer darin zu versinken", sagte der Rockmusiker einmal in einem Interview. "Es ist so, als ob man jemanden liebt und beim Wiedersehen nach langer Zeit eine innige Umarmung gibt."

Kindheit in Armut

Dabei fing die in der mexikanischen Kleinstadt Autlán de Navarro geborene umjubelte Gitarrenlegende von heute mit einem ganz anderen Instrument an: Der kleine Carlitos spielte Geige, sein Vater gab ihm Unterricht. Die Mutter brachte ihm unterdessen das "Streben nach Spitzenleistungen" bei. "Meine Mutter sagte: "Ja, wir sind arm, aber wir sind nicht dreckig und eklig, mach das Haus sauber."" Seine Mutter habe auch mehr für ihn gebetet als jeder andere Mensch. "Sie soll wissen, dass ihre Gebete erhört wurden. Ich bin ein guter Mann."

Später wechselte Santana zur Gitarre. Als die Familie nach San Francisco in die USA umzog, konnte der Teenager dort viele seiner musikalischen Vorbilder wie B.B. King live auf der Bühne sehen. In den 1960er Jahren gründete er die "Santana Blues Band". Als der 22-jährige Santana 1969 beim "Woodstock"-Festival schweißgebadet und mit strubbeligen Locken in hautenger Weste "Soul Sacrifice" spielte, wurden er und seine Band mit einem Schlag berühmt.

Alben im Ein-Jahres-Takt

Fast jedes Jahr folgte daraufhin ein neues Album. Santana spielte mit Band, mit Gastmusikern oder auch alleine und integrierte immer neue Einflüsse in seine Musik: Jazz, Klassik, afrikanische und indische Elemente. Seinem Latino-Gitarrensound blieb er trotz allem treu - schließlich war dieser zu seinem Markenzeichen geworden. "Der Klang, für den ich stehe, wird mit der ersten Note erkannt." Songs wie "Oye Como Va" und "Samba Pa Ti" wurden zu Klassikern.

Nachdem einige Alben schlechter liefen, gelang Santana 1999 ein sensationelles Comeback mit "Supernatural", das mit neun Grammys ausgezeichnet wurde und sich 25 Millionen Mal verkaufte. Obwohl der Rockmusiker, der auch einen eigenen Stern auf dem "Walk of Fame" hat, seit mehr als 40 Jahren im Geschäft ist, zeigt er keine Zeichen von Müdigkeit: Der Vater dreier Kinder, der mit seiner zweiten Ehefrau immer noch im Westen der USA lebt, tourt um die Welt und veröffentlicht immer wieder neue Alben. Mehr als 500 Lieder soll er inzwischen geschrieben haben. Auch eine eigene Tequila-Marke und eine Restaurant-Kette - nach einem seiner bekanntesten Hits "Maria Maria" benannt - gehören zu seinem Rockstar-Imperium.

"Ich bin schon unsterblich"

Er werde inzwischen eben vergöttert und sei ein Superstar, betont Santana immer wieder auf seine ihm eigene, reichlich unbescheidene Weise. "Ich bin schon unsterblich. Wenn ich mich selbst sehe, wie mich Leute auf der Welt behandeln, scheint das sehr überirdisch zu sein."





Schlagwörter

Musik, Santana

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-14 08:51:21
Letzte Änderung am 2017-07-14 08:57:14




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Moonwalk in die Ewigkeit
  2. Saudi-Arabien hebt Kino-Verbot auf
  3. Irrlichtern im Hades der Dichtkunst
  4. Ozeanische Gefühle
  5. Schwarze Weihnachten
Meistkommentiert
  1. Karajan und kein Ende
  2. Die Zukunft gehört den Singles
  3. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  4. Die Kamera als Schutz
  5. "Ohne Polen kollabiert London"


Quiz


CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.


Werbung


Werbung