• vom 27.08.2017, 12:04 Uhr

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Pop

Keine Pubertät ohne diese Platten




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Jackson Browne: Running On Empty

Teils live vor Publikum eingespielt, teils in Hotelzimmern und im Tourbus aufgenommen, ist "Running On Empty" des 1948 geborenen US-Sängers und -Songwriters Jackson Browne so etwas wie die Westcoastplatte schlechthin, auf der man die Art des Songwritings, die diesen Stil kennzeichnete, ebenso gut nachhören kann, wie man die schlafwandlerische Sicherheit bewundert, mit der hervorragende Musiker diese Songs in richtig gute Musik umsetzen. Vom sonnigen Titelstück über herzzerreißend schöne Balladen ("The Road", "Rosie") bis zur gepflegten Abgefucktheit, die das Leben auf Tournee mit viel Koks und Alkohol so mit sich bringt ("Shaky Town"), ist hier alles vorhanden, was man braucht, um sich per Autoradio oder mit der Jukebox einer verrauchten Kneipe nach Mitternacht nach Kalifornien teleportieren zu lassen.

Third World: 96 Degrees In The Shade

Neben Punk und Disco war Reggae die dritte neue Musikrichtung, die die späten 70er Jahre maßgeblich prägte. 1977 kamen gleich drei herausragende Platten dieses Stils auf den Markt, nämlich "Exodus" von Bob Marley & The Wailers, "Equal Rights" von Peter Tosh und eben "96 Degrees In The Shade". Third World, wie Marley und Tosh aus Jamaika stammend, waren musikalisch eine Spur interessanter als die meisten anderen Reggae-Künstler, da sie ihre Songs gerne mit Spuren von Jazz und Soul aufmotzten, was gerade bei dieser LP einen ungeheuer leicht und entspannt wirkenden Sound hervorbrachte.

Mit dem Titelsong, "Jah Glory" und "Human Market Place" sind auf dem Album drei echte Genreklassiker vertreten, die außerordentlich memorable Melodien und Rhythmen mit sozialkritischen Texten verknüpfen.

Little Feat: Time Loves A Hero

Der große Erfolg blieb für Little Feat, diese virtuose Band aus Los Angeles, auch mit diesem Album aus, doch die treue Fangemeinde, die man sich seit 1970 erspielt hatte, war begeistert von der Scheibe - und die Musikkritiker waren regelrecht aus dem Häuschen. Mühelos pendeln Lowell
George, Bill Payne & Co hier zwischen Rock, Funk, Jazz, Country und sogar Reggae. "Genregrenzen sind etwas für Dilettanten", scheint die Platte zu rufen. Rückblickend wundert man sich, warum so perfekte Songs wie "Red Streamliner", "New Delhi Freight Train" oder der karibisch anmutende Titelsong keine Hits wurden.

The Kinks: Sleepwalker

Nach mehreren kommerziell erfolglosen und künstlerisch durchwachsenen Ausflügen in die Welt der Rockoperetten und Konzeptalben markiert "Sleepwalker" den Beginn des zweiten Frühlings der Band um die Gebrüder Ray und Dave Davies. Statt komplexer Bläserarrangements und Chören gibt es hier E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard und man rockt endlich wieder.

Ray Davies’ Songwritingkunst erreicht wieder das Niveau der 60er Jahre und neben mitreißenden Rocksongs wie "Juke Box Music" und dem Titelstück gibt es auch wunderschöne Balladen wie "Brother" und "Life Goes On". Dave Davies fährt mit einigen seiner besten Gitarrensoli auf und mit Spielfreude und Energie legen die Kinks mit dieser Platte den Grundstein zur erfolgreichsten Phase ihrer Karriere - und zu gefüllten Stadien rund um den Globus.

Queen: News Of The World

Kein Fußballfan kann sich mehr eine Welt ohne "We Will Rock You" und "We Are The Champions" vorstellen. Allein schon für diese beiden Mitklatsch- und Mitgrölhymnen gehört die Platte in diese Liste. Aber abgesehen von diesen Gassenhauern zeigt "News Of The World" eine Band am Zenit ihrer Kreativität. Ob bombastischer Stadionrock ("Spread Your Wings", "It’s Late"), sanfte Balladen ("All Dead, All Dead") oder Punkrock ("Sheer Heart Attack"): Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon können alles - und sie können es besser als die meisten anderen. Keine Pubertät ist vollkommen ohne diese Platte.

Weitere wichtige Platten von 1977:

Pink Floyd: Animals; The Clash: The Clash; Billy Joel: The Stranger; Meat Loaf: Bat Out Of Hell; Iggy Pop: Lust For Life und The Idiot; Talking Heads: 77; Yes: Going For The One; AC/DC: Let There Be Rock; Supertramp: Even In The Quietest Moments; Peter Gabriel: Peter Gabriel; Eric Clapton: Slowhand; Jethro Tull: Songs From The Wood; The Jam: In The City; Leonard Cohen: Death Of A Ladies’ Man; Earth, Wind & Fire: All ’n All; Joni Mitchell: Don Juan’s Reckless Daughter; Motörhead: Motörhead; Randy Newman: Little Criminals; Donna Summer: I Remember Yesterday; Tom Waits: Foreign Affairs; Van Morrison: A Period Of Transition; Jacques Brel: Les Marquises; Harry Chapin: Dance Band On The Titanic; Steve Winwood: Steve Winwood; Supermax: World Of Today; The Band: Islands; Status Quo: Rockin All Over The World; Konstantin Wecker: Genug ist nicht genug.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-25 14:48:07
Letzte nderung am 2017-08-25 14:56:37




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