• vom 10.09.2017, 14:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Music

Auf Abwehr gestellt




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Von Bruno Jaschke

  • The National tun sich auf ihrem neuen Album schwer mit dem Weltumarmen.

The National gehören so wie Elbow zu jenen Bands, die irgendwann ihrer Indie-Stammkundschaft entwachsen sind und zum Weltumarmen in große Arenen gehen mussten. Momentan weisen Arme und Hände allerdings eher auf Abwehrhaltung. The National galten nämlich als Lieblingsband des abgetretenen US-Präsidenten Barack Obama und haben diesen regelmäßig bei Wahlkämpfen unterstützt. Dass sie unter Obamas Nachfolger keine so besonders guten Karten haben, versteht sich.

Das siebente Album des Quintetts gehört folgerichtig zu den Werken, die sich wie eine Reaktion auf Donald Trump ausnehmen. Teilweise ist es das auch, wie Sänger Matt Berninger bereits in Interviews kundgetan hat und als Texter in Zeilen wie "Just another man, in shitty suits, everybody’s cheering for / This must be the genius we’ve been waiting years for" klarmacht. Doch kommen die üblichen Beziehungsdramen, bei Berninger gebrochen durch die Unfähigkeit zur geradlinigen Kommunikation, nicht zu kurz. Und natürlich auch wichtige Vorsätze wie jener, sich durch den üblen Lauf der Welt nicht die Frisur ruinieren zu lassen.


Im Prinzip sind alle Determinanten, die The National sukzessive wachsen haben lassen, auf "Sleep Well Beast" vorhanden: Berningers bisweilen provokant unbeteiligtes Grummeln, das melancholische Klavier, das anpassungsfähige Schlagzeug, das eigenwillige rhythmische Verschiebungen ermöglicht. Die Gitarren sind etwas zurückgefahren, aber wo ihnen Platz gegeben wird, werden sie schnell aufbrausend und ungemütlich. Auch Berninger gibt einmal (in "Turtleneck") den aufgedrehten Maniac, bleibt ansonsten aber emotional im Keller.

Die für The National charakteristischen, wunderschönen Details, die sich wie feinste impressionistische Farbtupfer auf der Grundierung des Klangbilds ausmachen, besorgen auf "Sleep Well Beast" pfeifenartige Klangerzeuger, geisterhaft irrlichternde Keyboards und ein sensationeller Streicherwirbel im lakonischen "Dark Side Of The Gym", das für seine lässige melodische Grandezza schon jetzt Vorzugsstimmen für den Song des Jahres verdient.

The National

Sleep Well Beast

(4AD/Indigo)




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Dokument erstellt am 2017-09-07 18:00:02




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