• vom 03.10.2017, 13:18 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Nachruf

Handwerk mit Bodenhaftung




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Ein Karriereboost in Form der Traveling Wilburys schrieb Tom Petty ab 1988 endgültig in die Geschichtsbücher ein. Dass dieser nicht selbstverständlich war, hat zwei gute Gründe. Zum einen wollte die Supergroup um Bob Dylan, Roy Orbison, Jeff Lynne vom Electric Light Orchestra und nicht zuletzt George Harrison ursprünglich nur eine gemeinsame B-Seite für den Ex-Beatle einspielen. Zum anderen ergab sich Pettys Mitgliedschaft eher zufällig durch eine bei ihm vergessene Gitarre, bei deren Abholung George Harrison sehr höflich war. Neben dem kommerziell extrem erfolgreichen Rootsrock der beiden Wilburys-Alben in den Jahren 1988 und 1990 und natürlich dem gut abgespeicherten Hit "Handle With Care", der gerade für Orbison ein spätes großes Comeback unmittelbar vor seinem Tod bedeutete, ergaben sich aus der Zusammenarbeit aber auch gemeinsame Tourneen mit Bob Dylan und vor allem eine Arbeitsgemeinschaft mit Jeff Lynne. Mit diesem seinem 60er-Jahre-Freund im Geiste produzierte und schrieb Tom Petty 1989 mit "Full Moon Fever" sein erstes von insgesamt drei Soloalben, die nur nominell solche waren. Personell sind auch sie unter reger Beteiligung der Heartbreakers und vor allem seines karrierelangen Leadgitarristen Mike Campbell entstanden.

Die Musik bleibt
Eine Produktionsgemeinschaft mit Rick Rubin für den Solozweitling "Wildflowers" wiederum stellte die Weichen für eine ikonografische Coverversion. Immerhin hörte man den Song aus der Kehle des bereits schwer vom Leben gezeichneten Johnny Cash im Jahr 2000 auf dessen Album "American III: Solitary Man" als auf die Essenz reduzierte - wie sagt man? - "Wödscheib’n", die das Leben (wie des Öfteren im Schaffen Pettys) aus der Perspektive der mit ihm Kämpfenden betrachtet: "I’ll stand my ground / Won’t be turned around / And I’ll keep this world from dragging me down / Gonna stand my ground / And I won’t back down."

Auf "Mojo" im Jahr 2010 gab der Blues den Ton an, zuletzt beschäftigte sich Tom Petty auf dem Album "Hypnotic Eye" 2014 mit dem gescheiterten sogenannten "American Dream". Begleitet von widersprüchlichen Meldungen über seinen Gesundheitszustand und der entsprechenden Social-Media-Aufregung, erlag der zweifache Familienvater am Montag 66-jährig einem Herzinfarkt. Im Radio aber bleiben die Musik und diese Stimme. Sie richtet aus: "I’m learning to fly."

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Schlagwörter

Nachruf, Tom Petty, Musik

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Dokument erstellt am 2017-10-03 13:24:06




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