• vom 10.10.2017, 16:02 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 10.10.2017, 16:12 Uhr

neues Album

Die ersten 20 Jahre




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Von Bruno Jaschke

  • Die Sofa Surfers feiern ein rundes Jubiläum mit neuen und Neubearbeitungen alter Songs.

Spielen heute nicht mehr bis in den frühen Morgen: Die Sofa Surfers.

Spielen heute nicht mehr bis in den frühen Morgen: Die Sofa Surfers.© David Sailer Spielen heute nicht mehr bis in den frühen Morgen: Die Sofa Surfers.© David Sailer

Eine Institution der österreichischen Populärmusik begeht ihr 20-Jahr-Jubiläum. So lange ist es nämlich her, dass die Sofa Surfers mit dem Album "Transit" ihr offizielles LP-Debüt gegeben haben.

Weil man sich ja sonst nichts gönnt, feiern sich die Sofa Surfers zum Geburtstag selbst. "Wir blicken zurück auf das, was wir schon gemacht haben, wollten aber kein Best-of-Album machen. Und so haben wir überlegt, wie wir einen Querschnitt zeigen können. Und am spannendsten fanden wir, ein paar alte Tracks neu zur interpretieren", erklärt Schlagzeuger Michael Holzgruber. Neben mehr oder weniger behutsam modifizierten Neuaufnahmen alter Stücke bietet "20", wie das auf dem Band-eigenen Label Monoscope veröffentlichte Jubiläumsalbum sinnigerweise betitelt ist, auch neue Songs.

Information

Sofa Surfers:

"20"

Monoscope / Rough Trade

Als Teil der Wiener Elektronik-Szene, die in den 90er Jahren um Kruder & Dorfmeister, Patrick Pulsinger, Erdem Tunakam und andere aufblühte, sind die Sofa Surfers durch 25 Länder getourt, haben auf großen Festivals gespielt und grenzüberschreitende Kooperationen gepflegt. Ihr Appeal war immer prononciert international. "Es passiert uns öfter, dass wir in Deutschland englisch angesprochen werden, weil die Leute nicht wissen, wo wir herkommen", erzählt Holzgruber.

Filmische Komponente und Arbeit für das Kino

Dass die Band nie besonders über ihre geografische Herkunft wahrgenommen worden ist, war für die Sofa Surfers in ihrer Frühzeit, als sich Österreichs Pop noch an seiner Provinzialität abquälte, ein Vorteil. Heute natürlich, da die Szene mit dem Selbstbewusstsein breiter Anerkennung im eigenen Land und im benachbarten Ausland auftritt, könnte man es eher als Nachteil sehen. Einen solchen kann Markus Kienzl, Multiinstrumentalist und Produzent der Band, nicht sehen - wohl aber Parallelen zwischen der heimischen Musikszene damals und heute: "Die Situation hat insofern eine Ähnlichkeit mit den 90ern, als sie sehr authentisch ist." Die Musik sei nun allerdings völlig anders: Die Elektronik damals sei "international gedacht" gewesen, heute wirkt die Musik durch den Einsatz der deutschen Sprache "lokaler, aber insgesamt finde ich das sehr gut". "Ich bin zwar meilenwert davon entfernt, das selber so machen zu wollen, aber das, was entsteht, hat Hand und Fuß und Originalität. Darum funktioniert es ja auch. Was prinzipiell gut für die gesamtösterreichische Musiklandschaft ist."

Bei den Auftritten der Sofa Surfers ist von Anfang an visuellen Mitteln eine tragende Rolle zugekommen. Und ihre Musik hatte mit ihren weiträumigen suggestiven Klangflächen, Brüchen, Verdichtungen und Zuspitzungen denn auch eine ausgeprägt filmische Komponente.

Regisseur Wolfgang Murnberger wurde auf dieses Potenzial aufmerksam und engagierte die Sofa Surfers als Filmmusiker für die Kinoversionen sämtlicher Brenner-Krimis von Wolf Haas. Für Kienzl stellt sich die Soundtrack-Arbeit so dar: "Ein paar kleine Vorgaben gibt es - aber nie konkret in dem Sinn ,mach jetzt das und das‘. Da geht’s eher um Stimmungen, was eine Szene können soll." "Sobald man den Ton für den Film gefunden hat, ist man ,drinnen‘", ergänzt Gitarrist Wolfgang Frisch. Außer für den Film hat das Quartett auch Musik für das Theater gemacht - für "Lumpazivagabundus" an der Josefstadt und "Kleiner Mann, was nun?" am Volkstheater.

Die Gründungsmitglieder der Formation Sofa Surfers, von denen sich "I-Wolf" Wolfgang Schlögl 2014 verabschiedet hat, kamen ursprünglich aus normalen Bands. Im Zuge des Techno-Booms der frühen 90er Jahre entfernten sie sich aber von herkömmlichen Song-Strukturen. Als sie 2004 den aus Nigeria stammenden Sänger Mani Obeya rekrutierten, vollzog ihre Musik aber eine Schleife zurück zum Song-Format und hat sich inzwischen auf ein ziemlich dynamisches Electronic-Pop-Format konzentriert.

"Ich fand sie interessant, weil sie permanent versuchten, sich neu zu erfinden", sagt Obeya. "Ich selbst habe ja einen anderen Background, ich komme vom Theater, ich bin Tänzer, Choreograf. Unterschiedliche Arten des persönlichen Ausdrucks waren aber immer Teil meines Schaffens. So war es recht natürlich für mich, mit den Sofa Surfers zu arbeiten, die einen ähnlichen Drive haben, wie ich ihn im Theater vorfinde. Du hast da eine Menge Möglichkeiten - vermutlich mehr als in einer ‚typischen‘ Band."

Nach dem Konzert noch Nachrichten schauen

Früher waren die Konzerte der Sofa Surfers im Regelfall Teil von ausgedehnten Club-Events. Verglichen damit hat sich heute ihre Konzert-Situation massiv in Richtung konventionellerer Abläufe hin geändert.

"Früher haben wir mitten in der Nacht gespielt. Zwei Uhr früh irgendwo in Deutschland oder in Frankreich. Wir hatten DJs auf der Bühne; MCs, die man nicht kannte, spielten mit", erinnert sich Holzgruber. "Jetzt spielen wir eher in einem normalen Konzertrahmen", fährt Kienzl fort. "Wenn wir im Ausland auftreten, ist um 20 Uhr Einlass, der Auftritt um 21 Uhr und hinterher ist die Halle leer. Da sind nicht nachher noch drei DJs gebucht wie früher, als wir nach jeder Show irgendwo gestanden sind, bis in die Früh weitergemacht haben und dann in den Tourbus gefallen und weitergefahren sind. Jetzt ist man um Mitternacht im Hotel und schaut sich noch Nachrichten an." Beim letzten Halbsatz setzt freilich schallendes Gelächter von den Band-Mitgliedern ein. Älterwerden lässt sich nicht verhindern - gesetzt und abgeklärt sein möchten die Sofa Surfers aber nie.





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neues Album, Sofa Surfers

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-10 16:06:06
Letzte Änderung am 2017-10-10 16:12:35




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