• vom 11.10.2017, 16:04 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 11.10.2017, 16:15 Uhr

Salam Orient

Mit den Ohren auf Reisen




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Judith Belfkih

  • Das Weltmusikfestival Salam Orient startet am 17. Oktober mit einem neuen Leitungsduo.

Neues Leitungsteam: Martina Laab, Katrin Pröll (re.)

Neues Leitungsteam: Martina Laab, Katrin Pröll (re.) Neues Leitungsteam: Martina Laab, Katrin Pröll (re.)

Wien. Das Fernweh und die Faszination von fremden Kulturen stand für beide am Anfang. Für Martina Laab hat sich die Liebe zur sogenannten Weltmusik aus der Beschäftigung mit Jazz und ausgedehnten Reisen ab ihrer Jugendzeit entwickelt. Für Katrin Pröll hat ihr heutiger beruflicher Weg in einer ersten Station in der Entwicklungszusammenarbeit begonnen - die Ferne hat gestimmt, nur das Mittel nicht. Sie wollte sich anderen Kulturen "nicht nur über den Problemweg" annähern.

Doch die beiden Frauen eint nicht nur die Liebe zu fremden Klängen und Gepflogenheiten: Ab diesem Jahr haben Laab und Pröll als neues Leitungsduo das Festival Salam Orient übernommen. Ihr erstes Programm startet am 17. Oktober mit einem Konzert der mehrfach ausgezeichneten algerischen Musikerin und Sängerin Souad Massi im Porgy & Bess.

Information

Das Festival Salam Orient findet heuer von 17. bis 31. Oktober in Wien statt. Infos unter: www.salam-orient.at

Staffelübergabe nach 15 Jahren

In ihre neue Position sind Laab und Pröll langsam hineingewachsen, haben immer wieder unterstützend oder beratend bei Salam Orient mitgearbeitet. Bei der Organisation des Austrian World Music Awards - den es wegen mangelnder finanzieller Unterstützung nicht mehr gibt - haben sie auch schon als Team gearbeitet. Der Gründer des Wiener Salam Orient-Festivals, Norbert Ehrlich, hat die beiden Veranstalterinnen und Kulturmanagerinnen angesprochen, ob sie nicht übernehmen wollen. Sie wollten. Ehrlich selbst hat sich nach 15 Jahren aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen.

Netzwerk und Brückenschlag sind für Pröll und Laab zwei Leitgedanken des Festivals - also der heimischen Szene eine Plattform zu bieten, auf der sich Musiker verknüpfen und austauschen können. Und Brücken zu bauen für internationale Musiker und Veranstalter. In der heimischen Szene erweist sich die Suche nach neuen Stars mitunter als schwierig. Martina Laab: "Die Communitys sind oft sehr abgeschottet, sie überhaupt aufzuspüren ist mitunter eine Herausforderung." Eine weitere Hürde sei es dann, gerade junge Musiker davon zu überzeugen, aus dem intimen Schutzraum der eigenen Gruppe hinaus auf die große Bühne zu gehen.

Gerade in der in Wien ansässigen Szene macht sich mittlerweile auch die Flüchtlingswelle von 2015 bemerkbar - sie hat kräftige Unterstützung erfahren. Katrin Pröll: "Natürlich sind auch viele Musiker geflüchtet. Anfangs standen für die meisten von ihnen andere Dinge im Vordergrund und die Musik musste warten. Jetzt, wo sich die Lage für die meisten beruhigt hat, entstehen hier spannende Projekte." Für ein aktuelles Konzert des Festivals etwa haben Pröll und Laab den syrischen Oud-Virtuosen Orwa Saleh gebeten, einen Abend zu gestalten - daraus ist mittlerweile ein neues fixes Ensemble entstanden.

14 Veranstaltungen mit 9 Konzerten bietet Salam Orient heuer, die Musiker kommen aus dem Iran, Syrien, Aserbaidschan oder Spanien. Wie eng hat das Duo den Begriff Orient bei der Programmierung gefasst? Pröll: "Sehr weit. Er umfasst einerseits rein geografisch den aktuellen wie einstigen islamischen Kulturkreis. Wir sind aber absolut kein religiöses Festival und laden ebenso nicht-muslimische Künstler ein." Die Mischung aus einem Podium für heimische Künstler, die Musik aus ihrer Ursprungskultur mit nach Österreich in ihre neue Heimat gebracht haben und Einladungen an internationale Künstler - aus dieser Mischung speist sich das aktuelle Programm. Etwa ein Drittel der Musiker lebt in Österreich.

Kultur hören und schmecken

Ob sie mit ihrem Festival einen Beitrag leisten zur Integration? Pröll: "Das geschieht ganz automatisch. Allein durch die positiv besetzte Medienpräsenz des Orients. Die ist ein wichtiges Signal in der stetigen Abwärtsspirale der Berichterstattung über Geflüchtete und Muslime." Dass Kunst und Kultur generell dazu beitragen kann, Hemmschwellen gegenüber anderen Kulturen abzubauen, davon sind die beiden überzeugt. Martina Laab: "Ein Konzert ist eine Art geschützter Begegnungsraum mit dem Fremden, in einem gewohnten Rahmen."

Die Palette der Begegnungszonen wollen die Intendantinnen künftig noch erweitern und die musikalische Reisetätigkeit des Festivals um eine kulinarische erweitern. Dann kann man bei Salam Orient Kultur nicht nur hören, sondern auch schmecken.





Schlagwörter

Salam Orient, Festival, Weltmusik

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-11 16:09:06
Letzte ─nderung am 2017-10-11 16:15:51




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Puls-4-Reporter bei FPÖ-Wahlfeier geschlagen
  2. Abgesang an das US-Mantra
  3. Zerbricht der Westen?
  4. Mit Ignoranz für das Feine
  5. Heroischer Beethoven gleich viermal
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Ein Ohrenstüber für die Radiohörer
  3. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  4. Ein Rabauke zeigt sich reuig
  5. "Wo das große Geld ist, sind Frauen rar"


Quiz


Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.


Werbung


Werbung