• vom 06.11.2017, 12:45 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 06.11.2017, 12:51 Uhr

Queens of the Stone Age

Kehraus in der Disco




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Von Andreas Rauschal

  • Josh Homme und seine Queens Of The Stone Age holzten sich in Wien durch ein Zwei-Stunden-Set.

Tanz, Riffschlachten und Nachdenklichkeit: Josh Homme in der Wiener Stadthalle.

Tanz, Riffschlachten und Nachdenklichkeit: Josh Homme in der Wiener Stadthalle.© apa/Herbert Neubauer Tanz, Riffschlachten und Nachdenklichkeit: Josh Homme in der Wiener Stadthalle.© apa/Herbert Neubauer

Die an Slalomstangen mit Leuchtfunktion erinnernden Bühnenmodule schauen ein wenig so aus, als würde es ein Hansi Hinterseer bärig finden, hier einmal durchzuwedeln. Bewegungsseitig - das moderne Led-Licht mit seiner Clubaura legt es schon nahe - ist es Josh Homme und seinen Queens Of The Stone Age aus der kalifornischen Wüste derzeit allerdings näher, das Tanzbein zu schwingen. Vielleicht geht es am Sonntag in der Wiener Stadthalle auch deshalb mit den Dance- und Discobeats der Skatt Brothers ("Walk The Night") vom Band los, ehe die Band selbst in die Saiten greift. Tanzen bringt Menschen zusammen, befreit von Sorgen und ganz nebenbei ist auch für die Verbrennung eines Teils der Kalorien gesorgt, die man sich dazwischen in Form von Mixgetränken - wie sagt man? - hineinstellt.

Funky Feeling

Information

Konzert

Queens Of The Stone Age

Wiener Stadthalle

Josh Homme hat rund um die Veröffentlichung des aktuellen Albums "Villains" nicht nur viel und oft über die positiven Effekte des Tanzens und seine Hinwendung zum Optimismus gesprochen. Er hat sich mit Mark Ronson auch einen überraschenden neuen Produzenten an Bord geholt, der ihn ausgerechnet mit seiner Arbeit als Soundregisseur von Bruno Mars begeistern konnte. Mit der richtigen Dosis funky Feeling angereichert, künden neue Songs wie die nicht ganz so gute Auftaktsingle "The Way You Used To Do" grundsätzlich davon. Entsprechend wird sie der heute 44-jährige Sänger und Gitarrist mit der an eine Sendung aus dem deutschen Privatfernsehen und David Bowie gleichermaßen gemahnenden Aufforderung "Let’s dance!" anmoderieren - und später mit einer kurzen Brandrede für ein Leben im Hier und Heute eintreten.

Der funky Partytime hält nach zwei akustisch erstaunlich guten Abenden bei Nick Cave und den Gorillaz der Sound der Stadthalle allerdings etwas entgegen. Er zeigt sich von der maximalen Wucht einer Riffschlacht mit Wahnsinnstaten am Schlagzeug dann doch überfordert. Und auch die heute zum Holzen neigende Band selbst hat wohl ihren Anteil daran, dass man den Standort zwecks Optimierung heute ein paar Mal wechseln muss und am hinteren Hallenende etwa die Drums (Echo, Echo!) gleich zwei Mal hört. Das drückt auf die Stimmung und legt die Vermutung nahe, dass auf der Liste der von den Queens Of The Stone Age gegebenen Überwältigungskonzerte das heutige eher nicht auftauchen wird.

Aber machen wir es wie Josh Homme - und denken wir positiv. Die Bühnenshow der aktuellen Tour kommt ohne Visuals aus und gibt mit einer Lichtshow allein dazu Anlass, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Als Setlist bekommt man eine gute Mischung aus Alt und Neu geboten - woran sich ablesen lässt, dass sich die Band auf sieben Alben in knapp 20 Jahren einerseits treu geblieben ist und andererseits doch weiterentwickelt hat. Immerhin erlebt man Josh Homme bei frühen Berichten über den Abusus von Drogen im Fall der LSD-Studie "Monsters In The Parasol" oder bei jetzt körpermittig gemeinten Anlassfällen zur, ähm, "Ausschweifung" ("Make It Wit Chu") ebenso wie beim Nachdenklichsein, wenn es Material ab dem Album ". . . Like Clockwork" von 2013 setzt.

Dringlicher Dreier gegen Ende

Komplikationen nach einer Knie-OP und langwierige gesundheitliche Nachwirkungen haben dafür gesorgt, dass Homme jetzt auch feinsinnig-rührselige Lieder für seine Familie singt und als ehemaliger Rock-‘n‘-Roll-Strizzi mit dem auf Tour in einem Hotelzimmer in Österreich geschriebenen "Villains Of Circumstance" gar ein Gefühl des Heimwehs zum Ausdruck bringt. Das hätte es früher nicht gegeben! Wir befinden uns inmitten des um "I Appear Missing" ergänzten Balladenteils des Konzerts, in dem es in der Halle auch deshalb ruhiger wird, weil Viele jetzt Bierholen gehen.

Der dringliche Dreier aus "Little Sister", "Sick, Sick, Sick" und "Go With The Flow" richtet es gegen Ende. Im Zugabenteil gibt es mit "Un-Reborn Again" noch schöne Echos der Berlinphase von Iggy Pop und David Bowie, bevor "A Song For The Dead" abermals unter dem Motto "Gut Holz!" nach zwei Stunden den Kehraus erleichtert. Die Rollläden runter. Die Disco sperrt heute schon um 22.35 Uhr.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-06 12:44:06
Letzte ─nderung am 2017-11-06 12:51:16




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