• vom 06.01.2018, 09:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Jazz

Wunderwuzzi des Bebop




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander Kluy

  • Musikrevolutionär und Weltbotschafter des Jazz: Zum 25. Todestag des Trompeters, Bandleaders und Innovators Dizzy Gillespie am 6. Jänner.



Ein skandalloses und herzliches "Kommunikationswunder": Der US-Jazzmusiker Dizzy Gillespie, der beim Spielen die Backen stets blähte wie ein Ochsenfrosch.

Ein skandalloses und herzliches "Kommunikationswunder": Der US-Jazzmusiker Dizzy Gillespie, der beim Spielen die Backen stets blähte wie ein Ochsenfrosch.© David Redfern/Getty Images Ein skandalloses und herzliches "Kommunikationswunder": Der US-Jazzmusiker Dizzy Gillespie, der beim Spielen die Backen stets blähte wie ein Ochsenfrosch.© David Redfern/Getty Images

Cheraw war ein Kaff. Knapp 3000 Menschen lebten 1917 in diesem Ort im Nordosten des US-Bundesstaates South Carolina. Kaum ein Gebäude hatte mehr als zwei Stockwerke. Die Straßen waren nicht geteert. Es gab eine Handvoll Villen, doch im segregierten Süden war dies für die Familie Gillespie wie für die allermeisten ärmeren und armen afroamerikanischen Bewohner mehr als eine Welt entfernt.

James und Lottie Gillespie hatten acht Kinder satt zu kriegen. Und dann kam am 21. Oktober jenes Jahres ihr neuntes Kind zur Welt, der vierte Sohn. Sie gaben ihm die Vornamen John und Birks. Doch in die Geschichtsbücher ging er als "Dizzy" Gillespie ein, einer der wichtigsten, entscheidendsten und intelligentesten Musiker des Jazz.

Anfänge im Süden

Gillespie Senior war Maurer, erzog seine Kinder mit harter Hand und sammelte billige Musikins-trumente. John entwickelte einen sehr starken Willen, mit großer Energie wehrte er sich schon als Schüler handgreiflich gegen andere; später sollte eine Auseinandersetzung mit Cab Calloway legendär werden, bei der Gillespie seinem Orchesterchef das Hosenbein aufschlitzte.

Information

Hör-Empfehlungen:

Dizzy Gillespie: Gillespiana (Verve)

-: The Verve & Philips Small Group Sessions (Verve)

- : Milestones Of A Legend (Documents)

Noch ausgeprägter aber war seine Leidenschaft für Musik. Von der Posaune kam Gillespie als Schüler zum Kornett, und von diesem klobigen Instrument - so wie Louis Armstrong - zur Trompete. Diese trug er unablässig mit sich herum, übte ohne Unterlass. Begeistert hörte er bei einer Nachbarin (die Familie war zu arm, um sich ein eigenes Radio zu leisten) Liveübertragungen aus dem New Yorker Savoy Ballroom, in den 20er Jahren der größte Tanzsaal in Harlem und Ort von Battles, bei denen sich Jazzbands gegenseitig zu übertrumpfen versuchten. Vor allem der hitzige Stil des Trompeters Roy Eldridge machte großen Eindruck auf John, der bald Profimusiker wurde, mit 18 erste Jobs hatte und keine zwei Jahre später im Teddy Hill Orchestra Eldridge ersetzte, "weil mein Sound dem seinen so ähnlich war": ähnlich rau, ähnlich überbordend wild, ähnlich virtuos.

Seinen Spitznamen "Dizzy" verdankte er einem anderen Trompeter, Palmer "Fats" Davis. Der beobachtete im Winter 1935 in Philadelphia den blutjungen Kollegen, der da erst seit kurzem bei der Frank Fairfax Band war. Gillespie hatte nach einer Probe die Trompete zur Seite gelegt, sich ans Klavier gesetzt und seine Soli auf den schwarzen und weißen Tasten extemporiert - und zwar überaus gekonnt und einfallsreich. Davis staunte - ein junger Trompeter, der nicht nur hochbegabt war und pünktlich zu jeder Probe auftauchte, sondern auch noch ein richtig guter Pianist war: was für eine Seltenheit!




weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-04 15:11:05
Letzte ─nderung am 2018-01-04 19:06:41




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  2. Stimme schonen mit Charme
  3. Die Schauspielerin, die zigtausende Anleger betrog
  4. Das göttliche Genom
  5. Alles gut im zweiten Anlauf
Meistkommentiert
  1. Pandoras Übersetzungswerkstatt
  2. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  3. "Wir sind ein dummes, gewalttätiges Land"
  4. "Klassische Musik ist ein Fake"
  5. Das Mittelmaß des Wahnsinns


Quiz


Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.


Werbung


Werbung