• vom 13.01.2018, 10:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Popgeschichte

Die ultimative Häfen-Elegie




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Von Bruno Jaschke

  • Zum 50. Mal jährt sich dieser Tage Johnny Cashs Konzert im US-Hochsicherheitsgefängnis von Folsom. Noch immer sprechen Zeitzeugen und Nachgeborene mit Ehrfurcht davon. - Auf den Spuren einer Legende.

Schlüsselstück beim Auftritt von Cash im Gefängnis: der "Folsom Prison Blues". - © youtube

Schlüsselstück beim Auftritt von Cash im Gefängnis: der "Folsom Prison Blues". © youtube

Es gibt verschiedene Settings für Live-Alben. Es kann, wie bei Jackson Brownes "Running On Empty", ein fahrender Bus oder ein Hotelzimmer sein, es kann, wie bei den "Basement Tapes" von Bob Dylan und The Band, ein Keller sein. Natürlich tut es gerne auch eine vom Regen und 400.000 Menschen eingeweichte Wald- und Wiesenlandschaft (wie in Woodstock) oder eine stinknormale Konzerthalle wie der Madison Square Garden.

Doch keine Kulisse hat es in der Popgeschichte zu derartig legendärem Status gebracht wie das Hochsicherheitsgefängnis in Folsom im Sacramento County in Kalifornien, in dem Johnny Cash am 13. Jänner 1968 zwei Auftritte absolvierte. Mit dem Zusammenschnitt der beiden Konzerte, im Mai 1968 veröffentlicht, startete Cash eine Reihe von insgesamt vier hinter Schloss und Riegel aufgenommenen Live-LPs: Auf "At Folsom Prison" folgte ein Jahr später "At San Quentin"; "På Österåker" von 1973 wurde im Gefängnis von Österåker bei Stockholm aufgenommen, und zu guter Letzt erschien postum das 1976 im Tennessee State Prison gegebene "A Concert Behind Prison Walls".

Nach wie vor allerdings taucht der Prototyp dieser Serie mit seiner Strahlkraft alle seine Nachfolger in den Schatten der Unscheinbarkeit. Es gibt kaum eine Auflistung der besten Live-LPs aller Zeiten, in der "At Folsom Prison" nicht einen Spitzenplatz einnimmt.

Ein wenig Helden-Saga

Heuer jährt sich Cashs Gastspiel in der Kantine des Folsom Prison also zum 50. Mal. 2008, zum 40-jährigen Jubiläum, kam eine "Legacy Edition" mit einer Doppel-CD heraus. Auf ihr sind beide Konzerte, die Cash und seine Begleiter Marshall Grant (Bass), W. S. Holland (Drums) und der phänomenale Gitarrist Luther Perkins mit gelegentlicher vokaler Unterstützung durch June Carter an diesem 13. Jänner 1968 gaben, in voller Länge zu hören; ebenso das Vorprogramm mit Ur-Rock-’n’-Roller Carl Perkins und dem Country-Gospelquartett The Statler Brothers.

Eine von mehreren Dokumentationen des legendären Auftritts.

Eine von mehreren Dokumentationen des legendären Auftritts. Eine von mehreren Dokumentationen des legendären Auftritts.



Begleitet wurde die CD-Edition durch eine DVD mit einem eineinhalbstündigen Dokumentarfilm, der als eigenständiges Werk angelegt ist und nicht nur deshalb für sich steht. Das Fehlen von originalen Bewegtbildern kaschierte Regisseur Bestor Cram nach einem Skript von Michael Streissguth recht clever mit einer Montage aus Fotos des Events - deren schoss der mitgereiste Fotograf Jim Marshall viele -, mit Einspielungen von anderen Cash-Auftritten, nachträglich gefertigten Videos zu Schlüsselsongs wie "25 Minutes To Go" sowie mit vielen Interviews mit Zeit- und Augenzeugen wie Cashs Mitmusikern Grant und Holland, Gefängnisinsassen und Kennern wie den Countrystars Marty Stuart und Merle Haggard.




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Dokument erstellt am 2018-01-12 15:53:26
Letzte nderung am 2018-01-12 16:17:25




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