• vom 11.02.2018, 19:10 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Schillernder Ego-Chor




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Von Gerald Schmickl

  • Das zweite Album von Tobias Siebert und seinem Projekt And The Golden Choir.



Mit deutschen Allerweltsnamen wie Konstantin Gropper oder Tobias Siebert versteckt man sich wohl wirklich besser hinter Anglizismen à la Get Well Soon oder And The Golden Choir. Das klingt buchstäblich nach mehr - und passt besser zur Musik der beiden Eigenbrötler, die sich mit ihren ausladenden Sounds unter derlei Alias- und Projektnamen auch international besser positionieren können.

Information

And The Golden Choir
Breaking With Habits
(Caroline/Universal)

Vom Wahl-Berliner Siebert, der in seinem Kreuzberger Studio beharrlich solistisch dahinwerkelt (wenn er nicht gerade mit der Formation Klez.e auf Spuren von The Cure wandelt), ist soeben sein zweites Choir-Album erschienen, "Breaking With Habits". Mit allzu vielen Gewohnheiten bricht er darauf zwar nicht, mit einer aber definitiv: Im Gegensatz zum Debüt, "Another Half Life" (2015), verwendet er nun auch digitale Sounds - und erweitert damit die an sich schon reichhaltige Klangpalette seines schillernden Ego-Chors.

Neben allerlei orchestralem Pomp - in "How To Conquer A Land" etwa wird fanfarenhaft und instrumentell hochgerüstet ins Feld gezogen wie weiland von PJ Harvey in "The Glorious Land" (auf "Let England Shake") - gibt es diesmal aber auch Reduktion.

"Joker" klingt - mit einsamer Klagestimme zum Hallklavier - verblüffend nach Ahnoni, bevor in der Coda Saxofon und Fagott sich anzunähern beginnen (und lao-koonhaft trötend ineinander verschlingen). Und auf "Clocks", einem Song über die viel zu vielen Uhren in Sieberts Elternhaus (die er hasst, wie er gleich eingangs deklariert), tickern und tuckern Marimbas als akustische Zeitmesser um die Wette.

Um unkonventionelle Lösungen ist Siebert, der eine prozesshafte Vorgangsweise präferiert (heißt, die Ideen kommen ihm erst beim Spielen und Aufnehmen), also selten verlegen. Das zeitigt mitunter aber auch überambitionierte Ergebnisse wie "The Distressed Jeans", das mit viel Geplopper und Gedöns Einfallslosigkeit kaschiert und außer nervt nur - nervt.

Als sprichwörtlich harmonischer Ausgleich können gelten: "The Rain", ein getragener und doch luftiger Hymnus, und "The Garden", bei dem sich Siebert mit seinem güldenen Männergesangsverein als veritabler deutscher Statthalter von Radiohead erweist. Auch ein schöner Name.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-09 13:26:19
Letzte ─nderung am 2018-02-09 17:03:59




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