• vom 14.09.2017, 16:29 Uhr

Recht

Update: 14.09.2017, 17:04 Uhr

Börsengesetz 2018

Rückzug von der Börse wird einfacher




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Bisher waren nach dem Übernahmerecht der durchschnittliche Börsenkurs der letzten sechs Monate und die höchste tatsächlich entrichtete oder vereinbarte Gegenleistung im letzten Jahr vor dem Angebot zu berücksichtigen. Bei einem sogenannten Delisting-Angebot ist zusätzlich der durchschnittliche Börsenkurs der letzten fünf Börsetage vor Bekanntgabe der Angebotsabsicht zu berücksichtigen, was für den österreichischen Aktienmarkt allerdings nicht immer repräsentativ sein wird.

Liegt der nach diesen Kriterien ermittelte Preis jedoch "offensichtlich" unter dem "tatsächlichen Wert des Unternehmens", so ist der Preis des Angebots "angemessen" festzulegen. Diese Auffangbestimmung wird in der Praxis zweifellos erhebliche Unsicherheiten hervorrufen und ähnlich wie in gleich gelagerten Verfahren jahrelange Gerichtsverfahren über die Angemessenheit des Preises (und somit erhebliche Kosten) nach sich ziehen.

Mit dem verpflichtenden öffentlichen Angebot soll den betroffenen Aktionären die Möglichkeit geboten werden, zu einem gesetzlich bestimmten Preis - ob dieser nun angemessen ist oder nicht, sei dahingestellt - aus der Gesellschaft auszusteigen und ihre Aktien zu Geld zu machen, bevor die Gesellschaft von der Börse genommen wird. Auch hier gibt es aber Ausnahmen. Insbesondere ist das Delisting-Angebot dann nicht erforderlich, wenn eine Zweitnotierung an einem geregelten Markt in einem anderen EWR-Mitgliedstaat besteht.

Was bedeutet dies nun konkret für den betroffenen Aktionär der Gesellschaft nach dem Delisting? Besteht eine Zweitnotierung in einem anderen EWR-Mitgliedstaat, könnte er sich mangels Harmonisierung der gesetzlichen Grundlagen in einem ungünstigeren gesetzlichen Umfeld wiederfinden.

Handelbarkeit eingeschränkt
Schlägt er andererseits das (allfällige) Delisting-Angebot aus, könnte er sich als Aktionär einer nicht börsenotierten Gesellschaft wiederfinden. Solange keine starken Sekundärmärkte bestehen, wird damit die Handelbarkeit der Aktie in der Regel eingeschränkt sein. Auch könnte es zu einem gewissen Bewertungsabschlag kommen, insbesondere weil gewisse institutionelle Investoren nur an börsenotierten Gesellschaften beteiligt sein dürfen und im Fall eines Delistings ihre Aktien verkaufen müssten.

Das Fehlen eines gesetzlich geregelten Rückzugswegs aus dem amtlichen Handel war bisher freilich ein legistisches Manko. Aufgrund der unterschiedlichen Interessenlagen und des in diesem Beitrag nur angerissenen Ausnahme-Dschungels besteht aber in der Öffentlichkeit eine gewisse Verunsicherung. Die Wiener Börse könnte vor einer weiteren Verschlankungswelle stehen.

Zum Autor

Nidal

Karaman,

ist Rechtsanwalt und Partner bei Eisenberger & Herzog. Der Schwerpunkt seiner Beratungstätigkeit liegt in den Bereichen "private and public M&A", Unternehmensrecht sowie Kapitalmarktrecht. privat

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-14 16:34:09
Letzte nderung am 2017-09-14 17:04:06



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