
Mit einer Reihe von Schachveranstaltungen eröffnete die Prager Schachgesellschaft am 20. Juni die Sommersaison. Höhepunkt war der Wettkampf zwischen Tschechiens Nummer 1, GM David Navara, und dem mehrfachen russischen Meister aus St. Petersburg, GM Peter Svidler. In den vier Partien im klassischen Schach konnte sich der Gast aus Russland klar mit 3-1 durchsetzen.
Navara (2706) - Svidler (2741)
1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.Db3 Die reine Anti-Grünfeld Variante ist: 5.Da4+ Ld7 6.Db3 (oder 6.Dh4 Sxc3 7.dxc3).
5...Sb6 6.d4 Lg7 Die Variante 6...Le6 7.Dc2 Lg4 8.De4! weckt bei mir keine schöne Erinnerung. Nach 8...Lxf3 9.Dxf3 Dxd4 10.e3 Db4? (besser wäre 10...Dc5 ) 11.Ld2 Lg7 12.Sb5 Dxb2 13.Sxc7+ Kf8 14.Tc1 Sc6 15.Sxa8 Sxa8 16.Dd5 Sc7 17.Db3 Dxb3 18.axb3 war die schwarze Kompensation zu dünn, 1-0, Dorfman (2602) - Balinov (2438), Österreichische Staatsliga Ost 2002.
7.e4 Lg4 8.Lb5+ c6 9.Sg5 0-0 10.Le2 Lxe2 11.Sxe2 e5N Neuerung. Eigentlich war GM Navara mit Schwarz in dieser Stellung schon erfolgreich. Er setzte aber mit 11...Sa6 fort: 12.Le3 Dd6 13.0-0 Db4 14.Dxb4 Sxb4 15.Tfc1 e5 16.Sf3 exd4 17.Lxd4 Tfe8 18.Lxg7 Kxg7 19.Sg3?! (19.Sc3) 19...Tad8 und Weiß stand vor vielen Problemen, 0-1, Aronian (2805) -Navara (2712), Wijk aan Zee 2012.
12.Dh3 Weiß spielt ambitioniert. Objektiv besser wäre: 12.dxe5 h6 (12...Lxe5? 13.Dh3 h5 14.Se6 fxe6 15.Dxe6+ Tf7 16.Dxe5) 13.Sf3 S8d7 14.0-0 (14.e6?! wäre gefährlich: 14...Sc5 15.exf7+ Txf7) 14...Te8 15.Lf4 Sxe5 16.Sxe5 Lxe5 17.Lxe5 Txe5 18.Sc3 mit leichtem Vorteil für Weiß.
12...h6 13.Sf3 exd4 14.Lxh6 Te8 Unklar ist 14...d3!? 15.Sf4 Te8 16.0-0.
15.0-0-0?! Nun sollte Weiß mit 15.Lxg7 Kxg7 16.Sfxd4 Txe4 17.0-0-0 bremsen.
15...c5! 16.Sg5?! Sieht sehr verlockend aus, bringt aber im Endeffekt nichts. Besser war 16.Lxg7 Kxg7 17.Sf4 Sc6 18.The1.
16...Dd7! Wichtiger Zug! Schwarz gewinnt ein Tempo und bringt dadurch die Dame über die siebente Reihe in die Verteidigung!
17.Dh4 f6! 18.Lxg7 Dxg7 19.Sh3 Weiß träumt immer noch von Angriff und will die dritte Reihe frei für den Turm haben.
19...Sc6 20.Td3
siehe Diagramm!
20...g5!! Stark! Der g-Bauer gehört nach vorne, bevor Td3-g3 kommt und er Objekt für den Angriff wird.
21.Dh5 Txe4 22.f4 Weiß sollte langsam ums Überleben nachdenken und vielleicht die Rettung im Endspiel suchen: 22.Tg3 Th4 23.Dxh4 gxh4 24.Txg7+ Kxg7 25.Shf4.
22...Df7 Stark war auch 22...Sb4!? 23.Tg3 Df7 24.Txg5+ Kf8 (24...fxg5 25.Dxf7+ Kxf7 26.Sxg5+ Ke7 27.Sxe4).
23.Sg3 Das Endspiel 23.Dxf7+ Kxf7 24.Sg3 Sb4 25.Tb3 wäre immer noch die bessere Entscheidung.
23...Dc4+ 23...Sb4!?
24.Tc3 24.Kd2 verliert: 24...Sb4 25.Dg6+ Kf8 26.Dxf6+ (26.Dxe4 Dc2+ 27.Ke1 Sxd3+) 26...Ke8.
24...dxc3 25.Dg6+ Kf8 26.Dxf6+ Ke8 27.Dg6+ 27.b3 hilft wenig: 27...Db4 28.Sxe4 Dxe4 29.Dxc3 (29.Sxg5 De3+ 30.Kb1 Sd4) 29...Sb4!
27...Kd7 28.Dxe4 cxb2+ 29.Kb1 Te8!? 29...Sd4! sollte einfacher sein: 30.Td1 Sd5 31.Se2 Te8.
30.Td1+ Sd4 31.Dxb7+ Kd8 31...Kd6?? 32.Sf5+ Ke6 33.Sg7+.
32.Db8+ Kd7 33.Db7+ Kd8 34.Db8+ Sc8 35.Dxb2 Te6! Es sieht so aus, dass Weiß keine Verteidigung mehr hat.
36.Tc1 Andere Versuche sind: 36.Ka1 Ke8 37.Tc1 Da4 38.Db7 Sc2+ 39.Txc2 Dd4+ 40.Kb1 Tb6+ 41.Dxb6 Sxb6 oder 36.Dc1 Da4 37.Td2 Tb6+ 38.Tb2 Sd6 39.Txb6 axb6. In beiden Fällen gewinnt Schwarz.
36...Da4 37.Ka1 Tb6 38.Dd2 Oder 38.Dc3 Sd6 39.Sxg5 Sb3+ 40.Kb1 Sxc1+ 41.Kxc1 Dxf4+.
38...Sd6 39.Tc3 Sc4 40.Dd3 Db4 41.Tb3 De1+ 41...De1+ 42.Tb1 Txb1+ 43.Dxb1 Sc2 matt 0-1
Artikel erschienen am 6. Juli 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 28
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