• vom 11.04.2017, 17:10 Uhr

Stadt & Land


Tourismus

Mangel sucht Überangebot




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Von Matthias Nagl

  • In Westösterreich herrscht Fachkräftemangel im Tourismus, im Osten ist die Arbeitslosigkeit hoch. Ein Teil der Erklärung liegt im schlechten Ruf des Tourismus als Arbeitgeber.

Die Walleggalm in Saalbach Hinterglemm - auch hier wird aktuell nach Personal gesucht. - © www.garger.at

Die Walleggalm in Saalbach Hinterglemm - auch hier wird aktuell nach Personal gesucht. © www.garger.at



Kufstein. Die Trendwende ist da. Die seit kurzem sinkenden Arbeitslosenzahlen sind das sichtbare Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Erleichterung in der Politik ist groß. Die absoluten Arbeitslosenzahlen sind aber immer noch vergleichsweise hoch, und auch die strukturellen Probleme sind durch den Umschwung nicht auf einmal behoben. So ist die Arbeitslosigkeit in Ostösterreich immer noch deutlich höher als im Westen. Gleichzeitig klagt dort die Tourismusbranche über einen Fachkräftemangel.

"Die traurige Tatsache, dass in unserer Branche akuter Personalmangel herrscht, lässt sich nicht kleinreden", sagte Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer zu Jahresbeginn. Die Zahlen des Arbeitsmarktservices (AMS) belegen die Schere zwischen vielen Jobsuchenden am einen Ende und vielen offenen Stellen am anderen Ende des Landes eindrucksvoll.

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Im Februar 2017 kamen in den westlichen Tourismus-starken Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Salzburg auf eine offene Stelle gut zwei Arbeitslose im Bereich Beherbergung und Gastronomie. In Wien und Niederösterreich kamen in der Branche auf eine offene Stelle fast 14 Arbeitslose. In Tirol betrug die Arbeitslosigkeit in Beherbergung und Gastronomie im Februar 4,6 Prozent, in Wien 25,4 Prozent. Wie gesagt: Diese Daten sind rein auf den Februar bezogen. Das ist wichtig, da die Arbeitslosenzahlen in den Monaten außerhalb der Wintersport-Saison in West-Österreich deutlich höher sind.

In den westlichen Bundesländer arbeiten 42 Prozent der österreichweit im Tourismus Beschäftigten, aber nur 13 Prozent der Arbeitslosen sind dort zuhause. Wien und Niederösterreich haben knapp 30 Prozent der Beschäftigten, aber gut 50 Prozent der Arbeitslosen in diesem Bereich.

Dieses Bild hat sich auch schon zu den Verantwortlichen im Tourismus durchgesprochen. Kürzlich kündigte das AMS Bischofshofen in Salzburg an, künftig in Wien um Fachkräfte zu werben. "Wir müssen uns noch stärker mit der überregionalen Vermittlung beschäftigen", sagte auch AMS-Chef Johannes Kopf. Ein Konzept dazu liegt schon in der Schublade des AMS Bischofshofen, vor Jahren buhlte man in Norddeutschland erfolgreich um Tourismus-Fachkräfte.

Eine erste Jobbörse in Wien könnte im Sommer stattfinden, danach soll es Schnuppertage in den Betrieben geben, um die Fachkräfte für den Winter zu gewinnen. "Wir laden die Menschen ein, die Betriebe kennenzulernen, und wollen ihnen die Chancen aufzeigen", sagt Thomas Burgstaller, Leiter des AMS Bischofshofen.

Doch die Schere wird sich nicht nur mit besserer überregionaler Vermittlung schließen lassen. Inzwischen dämmert es auch im Tourismus, dass die Branche ein Image als schwieriger Arbeitgeber hat. Mit diesem Image geht hohe Mitarbeiter-Fluktuation einher, die den Fachkräftemangel naturgemäß weiter verstärkt. Wenn es prinzipiell bereits schwierig ist, gute Mitarbeiter zu finden, wird es umso schwieriger, wenn die Mitarbeiter nur kurz im Unternehmen bleiben, also oft gesucht werden muss.

Bereits jetzt gibt es in der Branche unterschiedliche Ansätze, wie es trotzdem gelingen kann. Die "Best Alpine Wellness Hotels" sind 18 Hotels aus dem Alpenraum, die sich 1992 zunächst für Infrastrukturfragen zusammentaten. Seit 2014 gibt es auch ein gruppenübergreifendes Personalmanagement.

Die gehobene Hotellerie
findet leichter Personal

"So unterschiedlich unsere Betriebe sind, so unterschiedlich ist auch die jeweilige Fluktuation. Für uns ist es wichtig, Fluktuation als Chance zu nutzen. Wir geben Mitarbeitern die Chance, auf Zeit woanders zu arbeiten und andere Betriebe kennenzulernen", sagte Christiane Troicher, Personalmanagerin der Gruppe bei einem Symposium zur Zukunft des Tourismus als Arbeitgeber an der Fachhochschule Kufstein.

Die 18 Wellness Hotels kommen allesamt aus der gehobenen Hotellerie. In diesem Bereich ist die Attraktivität der Branche schon heute eine andere. Auch die Fluktuation ist tendenziell geringer, das Finden von neuen Mitarbeitern gelingt besser. So lockt ein Tiroler Fünfsternhotel mit einem Mitarbeiterhaus, das "Team Lodge" heißt und alle Stückerln spielt: Außenpool, Fitnessraum, Sauna und Solarium. Die Mitarbeiter sollen sich am besten so fühlen, als wären sie selbst auf Urlaub und sollen gar nicht merken, dass sie zum Arbeiten im Zillertal sind.

Solche Häuser sind freilich die Ausnahme. Es scheint, als müsste sich die Tourismusbranche erst wieder auf ihren Kernzweck besinnen. Denn in kaum einer anderen Branche geht es beim Produkt so stark um Gefühle.

Glück, Zufriedenheit, Entspannung. Das erwarten sich viele Urlauber, ob Inländer oder Ausländer, von einem Österreich-Urlaub. Von unentspannten, unzufriedenen Mitarbeitern kann das allerdings nur schwer verkauft werden. "Eigentlich ist man als Touristiker ein Glücksdealer", sagt Zukunftsforscher Andreas Reiter.

Zwei-Klassen-Gesellschaft
bei Tourismus-Betrieben

Doch qualifizierte Mitarbeiter und Team Lodges, die Hotels ähneln, kosten Geld, das sich direkt im Zimmerpreis niederschlägt. Somit bildet sich bei den Beherbergungsbetrieben eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft: Ein hochpreisiges Segment mit hoher Qualität in allen Bereichen und alle anderen, die zu kämpfen haben.

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Dokument erstellt am 2017-04-11 17:15:08



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