• vom 16.05.2017, 16:59 Uhr

Stadt & Land

Update: 17.05.2017, 13:39 Uhr

Bodenverbrauch

Supermarkt statt grüne Wiese




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Von Elisabeth Köstinger

  • Der Ausbau der Infrastruktur ist wichtig, aber er darf nicht zur Betonflut führen.


© Simon Rosner © Simon Rosner

Nirgends sonst in Europa schreitet die Betonierung ursprünglicher Naturflächen so rasant voran wie hier in Österreich. Betonwalzen und Bauinvestoren drängen auf die Wiesen und Felder. Kein anderes Land in der Europäischen Union verbraucht etwa so viel seiner Fläche für Supermärkte wie wir in Österreich.

Hierzulande kommen auf einen Einwohner rund 1,8 Quadratmeter Supermarktfläche. Frankreich liegt mit 1,2 Quadratmetern und Italien mit einem Quadratmeter an zweiter beziehungsweise dritter Stelle. Aber auch bei der Straßenfläche liegt Österreich im Spitzenfeld. Mit rund 15 Metern pro Kopf gibt es in Österreich eines der am dichtesten ausgebauten Straßennetze in Europa. Zum Vergleich: In Deutschland kommen 7,9 Meter und in der Schweiz 8,1 Meter auf einen Einwohner.

Natürlich ist der Ausbau der Infrastruktur, gerade für den ländlichen Raum, ein wichtiger Indikator für Lebensqualität. Aber diese Zahlen erinnern eher an eine Betonflut als an einen sorgsamen Umgang mit den österreichischen Landressourcen.

Elisabeth Köstinger ist Abgeordnete zum Europäischen Parlament für die ÖVP.

Elisabeth Köstinger ist Abgeordnete zum Europäischen Parlament für die ÖVP. Elisabeth Köstinger ist Abgeordnete zum Europäischen Parlament für die ÖVP.

Täglich wird in Österreich die Fläche eines Bauernhofes verbaut. Würden wir diesen enormen Landfraß nicht stoppen, gäbe es in 200 Jahren so gut wie keine Agrarflächen mehr in Österreich.

Großindustrielle Landwirte

Aber nicht nur die Betonflut, auch die zunehmend voranschreitende Landkonzentration schadet Österreichs Naturwirtschaft. Ein neuer Bericht zeigt klar auf, dass für 80 Prozent der Agrarbetriebe in der EU lediglich eine Ackerfläche von zwölf Prozent des Agrarlandes zur Verfügung steht. Diese Entwicklung hat dramatische Folgen. Wenn natürliche Landflächen zur Mangelware und der Zugang zu gesunden Böden und Anpflanzungsflächen zu einem Luxusgut werden, dann öffnen wir Tür und Tor für großindustrielle Kapitalbauern.



Diese großen Konzerne agieren nach dem Prinzip des schnellen Profits und schaden somit massiv dem österreichischen Nachhaltigkeitskreislauf. Dies steht in direktem Widerspruch zu den Idealen unserer langfristigen, bewahrenden und nachhaltigen Landbewirtschaftung. Für diese Konzerne sind die Naturflächen nur eine flüchtige Affäre. Ein Abenteuer, das so lange hält, wie schnelle Gewinnausschüttung erzeugt werden kann. Ist eine Region dann wirtschaftlich verbraucht, wird sie fallengelassen und liegt brach. Die vorher errichteten Gebäude stehen dann oft leer und verfallen mit der Zeit.

Was wir dringend brauchen, ist eine veränderte Bodenpolitik, um eine breite Eigentumsstreuung zu gewährleisten und den Anstieg von Boden- und Pachtpreisen zu dämpfen.

Es liegt an den Gemeinden

Jede Gemeinde hat es in Hand, dem Bodenverbrauch entgegenzusteuern. Wir, das Ökosoziale Forum, haben deshalb den Ökosozialen Bodenkompass für die Verantwortlichen in den Regionen und Gemeinden veröffentlicht, der die besten Beispiele aus ganz Österreich vor den Vorhang holt und darüber hinaus Tipps und Vorschläge für die Umsetzung im eigenen Ort beinhaltet - angefangen bei fachgerechter Fortbildung für Entscheidungsträger und Bewusstseinsbildung in der Schule über interkommunale Zusammenarbeit bis hin zu Baulandmobilisierung und Ortskernstärkung.

Mit kluger Planung ist qualitativer und quantitativer Bodenschutz möglich und gleichzeitig lassen sich attraktive Strukturen im ländlichen Raum sicherstellen. Das Schlüsselprinzip der Ökosozialen Marktwirtschaft - langfristiges Planen - bewährt sich auch hier.

Gastkommentar

Elisabeth Köstinger ist Abgeordnete zum Europäischen Parlament für die ÖVP. Seit 2014 ist sie darüber hinaus ehrenamtliche Präsidentin des Ökosozialen Forums Europa.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-16 17:03:11
Letzte nderung am 2017-05-17 13:39:08



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