• vom 23.05.2017, 17:04 Uhr

Stadt & Land


Ölheizungen

Hitzige Konfliktfelder




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Simon Rosner

  • Niederösterreich hat den Einbau von Ölheizungen in Neubauten verboten. Dies soll die CO2-Emissionen reduzieren. Die Mineralölindustrie hält von diesem Vorstoß wenig, um die Frage der Heizsysteme ist längst ein heißer Kampf entbrannt.

- © Ingo Bartussek/Fotolia

© Ingo Bartussek/Fotolia

St. Pölten. Vor einer Woche hat der niederösterreichische Landtag ein Verbot von Ölheizungen bei Neubauten beschlossen. Der Beschluss stellt in der Europäischen Union ein Unikum dar, allerdings überlegen weitere Bundesländer, dem Beispiel Niederösterreichs zu folgen. Zumindest wird dieses Thema wieder auf die Agenda gehoben, wie etwa in Tirol. Das Land hat sich zwar im Vorjahr gegen ein Verbot ausgesprochen, diskutieren wolle man es nun aber wieder, heißt es nun.

Der niederösterreichische Landtag folgt mit der Entscheidung einer Forderung von Umweltminister Andrä Rupprechter. Dieser war von den Klimaschutzreferenten der Länder beauftragt worden, zu prüfen, ob ein Verbot rechtlich machbar sei, ein entsprechendes Gutachten gab grundsätzlich grünes Licht. "Bei den Gebäuden brauchen wir einen raschen Ausstieg aus dem Öl", sagte Rupprechter damals.

Werbung

Die Umsetzung obliegt allerdings den einzelnen Bundesländern, der Minister hat hier keine Entscheidungskompetenz, da es sich um Landesgesetze handelt. Rupprechter könne nur Bewusstseinsbildung erzeugen, heißt es aus dem Ministerium. Hintergrund dessen ist die Notwendigkeit, die CO2-Emissionen in Österreich zu reduzieren. Bis zum Sommer wollte sich die Regierung laut dem Arbeitsprogramm vom Jänner auf eine Klima- und Energiestrategie festlegen, sie befindet sich auch gerade in Ausarbeitung, ob sie jedoch noch vor der Neuwahl im Oktober beschlossen werden kann, ist jedoch ungewiss.

"Im Gebäudebereich findet ungefähr ein Drittel des Energieverbrauchs in Österreich statt. Wenn man die Emissionen reduzieren will, wird es ohne diesen Bereich nicht funktionieren", sagt Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher der Umweltorganisation Global 2000. Abgesehen von der thermischen Sanierung bestehender Gebäude spielen hier vor allem die Heizungssysteme eine Rolle. Der Ausstoß von CO2 ist dabei unterschiedlich.

Laut der Österreichischen Energieagentur schneiden Ölheizungen in dieser Hinsicht besonders schlecht ab, mit einem deutlichen Abstand folgt Erdgas auf Platz zwei. Schon 2008 wurden in Österreich deshalb Förderungen für fossile Systeme gestoppt, das grundsätzlich langfristige Ziel ist auch in anderen Bereichen, etwa dem Autoverkehr, der Ausstieg aus der fossilen Energie.

Bei Holz und Pellets ist
Feinstaubbelastung hoch

Die jüngsten Zahlen der Statistik Austria aus 2014 zeigen, dass in Österreich noch 622.000 Ölheizungen in Betrieb sind, wobei der Anteil in den Bundesländern unterschiedlich ausgeprägt ist. Landesweit heizt jeder sechste Haushalt nach wie vor mit Öl, in Tirol jedoch beträgt der Anteil noch ein Drittel. In diesem Bundesland ist der Rückgang laut Global 2000 seit 2007 auch niedrig. In den vergangenen zehn Jahren registrierte die Umweltorganisation eine österreichweite Reduktion von Ölheizungen um insgesamt 35 Prozent, wobei die Bandbreite groß ist: Wien verzeichnet ein Minus von 74 Prozent, Tirol eben nur von 25 Prozent.

Die Voraussetzungen und Notwendigkeiten sind allerdings unterschiedlich. Blickt man nur auf die CO2-Bilanz schneiden Öl und Gas besonders schlecht ab, Holz und Pellets dagegen am besten. Allerdings ist bei dieser Form des Heizens der Feinstaub ein Problem, der bei Öl wiederum kein Thema ist. Das bedingt, dass in urbanen Regionen eine Umstellung auf Holz oder Pellets nicht ratsam wäre.

Rupprechter will deshalb auch weiter gehen, als sich der niederösterreichische Landtag gewagt hat. Er forderte bereits im November beim Austausch von alten Ölheizkesseln einen verpflichtenden Umstieg in andere Systeme. Auch die niederösterreichischen Grünen hätten gerne ein umfassenderes Verbot gesehen, entschieden sich aber doch, den Landtagsbeschluss mitzutragen.

Ölheizungen sind in Anschaffung am günstigsten
Die Frage der Heizungssysteme ist allerdings recht komplex und hat auch mit den individuellen Handlungsoptionen der Haushalte zu tun. So sind etwa Fernwärmenetze in zersiedelten Gemeinden unwirtschaftlich. Wo sie nicht existieren, können sich naturgemäß die Haushalte auch nicht für dieses System entscheiden. Zu beachten sind auch die Kosten für die Investitionen und die Energie. So schneiden beispielsweise Wärmepumpen bei den laufenden Energiekosten im Vergleich zu fossilen Brennstoffen sehr gut ab, zumal der Ölpreis generell volatil ist. Dafür sind Ölheizungen in der Regel recht simple Systeme und daher in der Anschaffung entsprechend günstig.

Doch selbst wenn sich auf die Nutzungsdauer gerechnet Einsparungen ergeben würden (was von der langfristigen Entwicklung der Brennstoffpreise abhängt), hängt in der Realität die individuelle Entscheidung über die Art des Heizsystems häufig von der momentan zur Verfügung stehenden finanziellen Situation der Haushalte ab. Anders gesagt: Wenn die budgetären Möglichkeiten sehr eingeschränkt sind, reduzieren sich für die Haushalte eben auch die Handlungsoptionen.

Förderungen von öffentlicher Hand und Mineralölindustrie
Hier kommt allerdings auch die öffentliche Hand ins Spiel - und nicht nur die. Eine gewisse Steuerung gibt es über die Wohnbauförderung, die beim Einbau von Ölheizungen überall in Österreich nicht mehr zur Verfügung steht. Das Bundesministerium fördert zudem den Ausstieg von fossilen Brennstoffen. Schließlich muss Österreich gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen bis etwa zur Mitte des Jahrhunderts vollständig aus der fossilen Energie aussteigen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-23 17:09:05



Ortsnamen

Es geht nur um Häuser. . .

- © Gemeinde Sexling Man wird es sich denken können: Der Name des kleinen 200-Einwohner-Dorfes in der Gemeinde Rohrbach-Berg im Oberen Mühlviertel hat mit dem Sexuellen... weiter




Woher kommt der Ortsname?

Einst der Poldi, nun der Witz

- © Gemeinde Engerwitzdorf Bereits die Neandertaler wussten um die Vorzüge von Engerwitzdorf nebst Gallneukirchen Bescheid. Sie ließen sich in der Umgebung nieder... weiter





Werbung




Werbung


Werbung