• vom 31.05.2017, 11:09 Uhr

Stadt & Land

Update: 31.05.2017, 15:21 Uhr

Wohnkosten

Mieten ziehen kräftig an




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Von Daniel Bischof

  • Die Wohnungskosten sind seit 2012 um bis zu 16 Prozent gestiegen. Preise auf Gemeindeebene höchst unterschiedlich.



Wien. Die Mieten in Österreich steigen kräftig an. Das geht aus aktuellen Zahlen der Statistik Austria hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Seit 2012 sind die Kosten für Hauptmietwohnungen (inklusive Betriebskosten) pro Quadratmeter durchschnittlich um 14,3 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die Haushalteinskommen um gut sechs Prozent. Ein großer Bevölkerungsteil in Österreich ist von dem Preisanstieg betroffen: 43 Prozent der Menschen leben in einer Mietwohnung.

"Österreich ist ein Land der Mieter und Mieterinnen", hielt Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer bei der Präsentation der Zahlen am Dienstag fest. Insbesondere geförderte Mietwohnungen machen in Österreich einen bedeutenden Anteil aus. "Sechs von zehn Österreicher wohnen in Gemeinde- oder Genossenschaftswohnungen", erklärte Pesendorfer. Auch in diesem Mietsegment zogen die Preise seit 2012 um 11,6 Prozent stark an. Beim privaten Sektor ist der Anstieg mit 15,7 Prozent noch höher. Österreichweit bezahlte man 2016 damit durchschnittlich 488 Euro Miete inklusive Betriebskosten für eine Hauptmietwohnung. Das entspricht 7,4 Euro je Quadratmeter.

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Zersplittertes Mietrecht
In einer Reaktion auf die neuen Zahlen forderte die Arbeiterkammer "ein neues und transparentes Mietrecht mit tauglichen Mietbegrenzungen". "Vor allem für junge Menschen sind die überproportional steigenden Mieten kaum leistbar", meinte Arbeiterkammer-Präsident Rudi Kaske in einer Aussendung am Dienstag.

Das Mietrecht mit seinen zersplitterten Regelungen - je nach Anwendungsbereich befinden sich manche im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch und Wohnungseigentumsgesetz, andere im Mietrechtsgesetz, das sich wiederum in einen Voll- und Teilanwendungsbereich gliedert - ist seit jeher ein ideologischer Zankapfel zwischen ÖVP und SPÖ. Alleine der Streit, ob den Mieter oder Vermieter die Erhaltungspflicht für eine Heiztherme trifft, beschäftigte Politik, Gerichte und Rechtsexperten jahrelang. Mit etwaigen Reformen ist nicht vor der nächsten Legislaturperiode zu rechnen.

Uneinheitlich sind aber nicht nur die Positionen der Parteien, sondern auch die regionalen Gefälle hinsichtlich der Preisentwicklungen. "In größeren Gemeinden ist die Netto- und Bruttomiete grundsätzlich höher", sagte Pesendorfer.

Wien bildet dabei eine statistische Ausnahme. Der Grund: In der Hauptstadt gibt es zahlreiche geförderte und damit billigere Mietwohnungen. In Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohner - dazu zählen die Landeshauptstädte Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck - betragen die Mietkosten (inklusive Betriebskosten) durchschnittlich 8,5 Euro pro Quadratmeter. In Wien sind es hingegen 7,7 Euro. Am billigsten kann man im Burgenland mit einer Durchschnittsmiete von 5,5 Euro pro Quadratmeter leben.

Das teuerste Pflaster ist Salzburg mit 9,0 Euro. Auf den weiteren Spitzenplätzen: Tirol und Vorarlberg. In Kärnten und Niederösterreich ist es hingegen vergleichsweise günstig.

Je länger, desto billiger
Also Faustregel bei den Preisen gilt: Je länger ein Mietverhältnis besteht, desto geringer sind die Kosten. Für neuvermietete Wohnungen ist österreichweit deutlich mehr zu zahlen. 8,9 Euro pro Quadratmeter (inklusive Betriebskosten) kosten durchschnittlich Wohnungen, die erst in den vergangenen zwei Jahren angemietet wurden. Private Vermieter verlangen bei Neuvermietungen 9,9 Euro.

"Die Differenz zwischen geförderten und privaten Mieten nimmt ab, je länger die Mietdauer besteht. Sie verschwindet bei einem 20-jährigem Mietverhältnis - dann ist der geförderte praktisch gleich dem nicht geförderten Mietbereich", sagte Vlasta Zucha von der Statistik Austria.

Unterschiede gibt es bundesländer- und gemeindeweit auch hinsichtlich der Eigentums- und Mietquoten. Im Burgenland wohnen 20 Prozent in einem Mietverhältnis, die Eigentumsquote beträgt 71 Prozent. Der Rest entfällt auf Dienstwohnungen und unentgeltliche Wohnverhältnisse.

Völlig konträr ist die Lage in Wien. In der Hauptstadt wohnen drei von vier Bewohner in einer Mietwohnung. Die Eigentumsquote beträgt 19 Prozent. "In Städten gibt es nicht viele Möglichkeiten, die Eigentümerquote zu erhöhen", meinte Pesendorfer. Diesbezügliche Förderungsmaßnahmen würden eher am Land erfolgreich sein.

Die Basis für die Zahlen der Statistik Austria bildet die Mikrozensus-Wohnungserhebung. Bei dieser Erhebung werden rund 20.000 österreichische Haushalte pro Quartal befragt. Daher spiegeln die Zahlen nicht die aktuellen Angebotspreise in Immobilieninseraten wider, sondern den Status quo bereits bestehender Mietverhältnisse.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-31 11:15:06
Letzte nderung am 2017-05-31 15:21:04



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