• vom 13.06.2017, 20:00 Uhr

Stadt & Land


Einkaufszentren

Der Höhepunkt war schon




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Von Simon Rosner

  • Laut Standortberater Regiodata ist der Zenit bei Einkaufszentren erreicht. Die Umsätze stagnieren, der Leerstand steigt. Es braucht neue Strategien für Händler und Shopping-Mall-Betreiber - und zwar, bevor die EZB die Zinsen wieder anhebt.


© apa/Herbert Pfarrhofer © apa/Herbert Pfarrhofer

Wien. Was tun, wenn im Einzelhandel die Umsatzrendite zunehmend kleiner wird? Größer werden! Also mehr Fläche, mehr Geschäfte. Das war, sehr kurz gefasst, die Entwicklung im Handel in den vergangenen Jahren. Im ganzen Land wucherten die Shopping Malls und Fachmarktzentren, im Vorjahr allerdings ist nur noch ein Einkaufszentrum hinzugekommen: ELI in Liezen mit insgesamt 50 Geschäften.

Ein Umbruch ist aber spürbar, wie das auf regionale Wirtschaftsdaten spezialisierte Institut Regiodata ermittelte. "Es gibt noch Zuwächse, aber die frisst das Onlinegeschäft auf", sagt Regiodata-Chef Wolfgang Richter. Das Interesse der Einzelhändler geht nun in die Richtung, die Fläche wieder zu verringern oder sie mit Dienstleistungsangeboten einer neuen Nutzung zuzuführen.


Laut Regiodata haben die größten 100 Shopping Malls im Vorjahr einen Umsatz von knapp 9,5 Milliarden Euro erzielt, das ist im Vergleich zu 2015 nahezu eine Stagnation. Wobei sich bei genauerer Betrachtung zeigt, dass die Quadratmeterumsätze stark auseinanderdriften. Die gut funktionierenden Malls, etwa der Messepark in Dornbirn oder der Europark in Salzburg, lagen pro Quadratmeter bei rund 10.000 Euro Umsatz, am anderen Ende der Rangliste liegen die Umsätze bei 3000 Euro pro Quadratmeter oder gar darunter. Und auch Leerstand ist ein wachsendes Problem. Der Standortberater ermittelte hier gegenüber 2015 einen signifikanten Anstieg von durchschnittlich 3,6 Prozent Leerstand auf 5,1 Prozent. Richter dazu: "Ab 10 Prozent Leerstand wird es für ein Einkaufszentrum kritisch."

Für die Vermieter - häufig sind es Fonds, die als Financiers hinter diesen Shopping-Mall-Projekten stehen - gibt es nun einige Optionen. Sie können den gut funktionierenden Händlern die Miete reduzieren oder sie gänzlich streichen. "Viele zahlen auch gar nichts mehr", sagt Richter. Klar ist, dass die Macht der Mieter steigt, wenn es zu viele Verkaufsflächen gibt. Die Frequenzbringer sind hier in einer besonders guten Verhandlungsposition, denn wenn sie weggehen, kann die Mall vielleicht zusperren.

Discounter hereinholen
Es sei, sagt Richter, schon lange so, dass die Frequenznehmer, also kleinere Shops, pro Quadratmeter bis zum Vierfachen Miete zahlen. "Es ist eine Frage von Angebot und Nachfrage."

Andere Möglichkeiten sind das Verkleinern der Fläche, das Hereinholen von Discountern oder neuen Angeboten, etwa Fitnesscenter. Auch ein Umbau ist eine Lösung. Im Uno Shopping bei Linz, das seit Dezember leer steht, sollen Wohnungen errichtet werden. Bei Shopping Centern, die zum Teil auch in den Innenstädten stehen, gibt es jedenfalls mehr Optionen als bei Fachmarktzentren, die in erster Linie am Stadtrand zu finden sind. Diese lassen sich auch nicht mehr umbauen, sondern in der Regel nur mehr abtragen. Zurück bliebe in solchen Fällen versiegelte Fläche.

"Es braucht eine neue Strategie, bei den Einzelhändlern, aber eben auch bei den Shoppingcenterbetreibern", sagt Standortberater Richter. Denn nicht nur bei den Händlern, sondern eben auch den Betreibern ist die Rendite gering. "Das funktioniert bei einem niedrigen Zinsniveau ganz gut. Bei 0 Prozent Zinsen kann ich auch von 4 Prozent Rendite gut leben. Aber was, wenn das Zinsniveau wieder steigt?", fragt Richter.

Die Nachfrage in Österreich war groß und die Finanzierung durch das viele in diversen Fonds geparkte Geld nicht schwer. Sollte die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen, könnten doch einige Malls ins Straucheln kommen. Selbst wenn sie heute nur geringen Leerstand aufweisen.




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Dokument erstellt am 2017-06-13 13:47:06



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