• vom 11.07.2017, 14:23 Uhr

Stadt & Land

Update: 11.07.2017, 21:38 Uhr

Schwimmbäder

Badeschluss im Dorffreibad




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Von Matthias Nagl

  • Die anstehende Sanierungswelle für Freibäder werden sich nicht alle Gemeinden leisten können.




© apa/dpa/Lukas Schulze © apa/dpa/Lukas Schulze

Linz. Sommerzeit ist Badezeit. Daran wird sich angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung so schnell auch nichts ändern, eher im Gegenteil. Doch die Zahl der öffentlichen Bademöglichkeiten wird in den kommenden Jahren ziemlich sicher zurückgehen. Das scheint paradox, hat aber eine relativ simple Erklärung.

Denn zwischen den späten 1960er und den 1980er Jahren, als die Klimaerwärmung gerade einmal Fahrt aufnahm, wurden in Österreich sehr viele Freibäder errichtet. Zahlreiche Gemeinden wollten ihren Bewohnerinnen und Bewohnern - natürlich auch ihren Gästen - eine Bademöglichkeit anbieten.

Nun, zwischen 30 und 50 Jahren später, ist die Technik entweder längst veraltet oder am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Die Freibäder müssten also großflächig saniert werden. Das kostet Geld, das viele Gemeinde nur in begrenztem Ausmaß haben. Deshalb steht die Zukunft vieler Bäder zur Diskussion. Und zwar landesweit.

In Oberösterreich ist man in diesem Prozess auf konkrete Zahlen gekommen. Eine 2015 im Auftrag des Landes fertig gestellte Studie empfahl, die Zahl der Frei- und Naturbäder von rund 230 auf unter 100 zu reduzieren. Die verbleibenden Standorte sollten nach den Kriterien Einzugsgebiet, Spezialisierung auf eine Badeform sowie Wirtschaftlichkeit mit einem Schwerpunkt auf interkommunale Abgangsfinanzierung ausgewählt werden.

So weit, so ambitioniert. Allerdings sind diese Pläne seit kurzem auch schon wieder obsolet. Erst im Juli verwarf der oberösterreichische Landtag die Studie. Ein Antrag der Grünen, die Bäderstudie erneut zu überprüfen und ein Programm zur Sanierung und Erhaltung von Frei- und Hallenbädern auszuarbeiten, wurde einstimmig angenommen.

Nun wird im Gemeinderessort, das vor kurzem auf Landesebene die Zuständigkeit für die Bäder vom Sportressort übernahm, die Neuauflage der Studie vorbereitet. Die Stoßrichtung wird freilich ähnlich bleiben. Die Zahl der Bäder wird sich reduzieren, wenn vielleicht auch nicht im gleichen Ausmaß wie bisher geplant.

Oberösterreich versucht mit Förderungen zu steuern

Generell haben die Länder ohnehin nur sehr eingeschränkt Einfluss auf die Anzahl der Bäder, die meist von den Gemeinden selbst betrieben werden. Oberösterreich versucht mittels Förderungen, die Zahl der Bäder ein wenig zu steuern und bezieht bei den Förderentscheidungen die von der Studie genannten Kriterien mit ein.

Gerade diese Kriterien sorgten für Kritik. Laut Severin Mayr, Einbringer des grünen Antrags im oberösterreichischen Landtag, würde nach diesen Kriterien der Zufall regieren, wer künftig ein Bad in der Nähe hat und wer nicht. Aber auch Mayr stellt klar: "Ich halte es für illusorisch, dass alles so bleibt, wie es ist." Als zusätzliche Kriterien schweben dem Abgeordneten die Erreichbarkeit und die Bedeutung einzelner Bäder für Schulen vor.

Wo die passende Zielgröße liegt, könne man "seriöserweise nicht sagen", so Mayr. Es müssten jedenfalls deutlich mehr als 100 Bäder übrigbleiben. Die 450.000 Euro, die aktuell im Landesbudget für Investitionsbeiträge für Schwimmbäder vorgesehen sind, werden künftig aber keinesfalls reichen, glaubt Mayr: "Der Großteil der Bäder wird 30, 40 Jahre alt. Es wird eine Sanierungswelle auf uns zukommen."

In anderen Bundesländern ist man schon einen Schritt weiter, so etwa in Tirol. Dort wurde 2011 der "Tiroler Sportstätten und Strategieplan 2020" erstellt. Teil davon ist ein Sportstättenatlas, der für ganz Tirol circa 150 Schwimmbäder ausweist. Konkrete Investitionspläne sucht man in dem Papier vergeblich, in Sachen Bäder heißt es aber: "Das Schwimmbäderangebot ist zu erhalten."

Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig

Für diesen Bereich wurden laut Amt der Tiroler Landesregierung seit dem Jahr 2010 etwa 8,2 Millionen Euro an Förderung aus dem Gemeindeausgleichsfonds vergeben. Auch Tirol versucht, seine Gemeinden zur verstärkten Zusammenarbeit zu bewegen. "Demnach werden jene Bäder gefördert, die Teil einer regionalen Schwerpunktsetzung (über einzelne Gemeindegrenzen hinaus) sind", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der "Wiener Zeitung".

Die regionale Zusammenarbeit gestaltet sich aber nicht immer ganz einfach, wie ein Beispiel aus dem südlich von Innsbruck gelegenen Stubaital zeigt. Einer der beiden Hauptorte, Fulpmes, errichtete 2014 gemeinsam mit der Nachbargemeinde Telfes das Erlebnisbad "StuBay" mit Innen- und Außenbereich. Es erhöhte die Attraktivität des gesamten Tales, wäre also für eine gemeindeübergreifende Kooperation wie geschaffen gewesen.

Außer Telfes machte dann aber keine Gemeinde mit. "Im Nachhinein sind zwar entsprechende Zahlungen von uns gefordert worden", sagt Peter Schönherr, Bürgermeister des sieben Kilometer entfernten, zweiten Hauptortes Neustift. "Wenn, dann wollten wir aber von Stunde Null an Teil dieses Bades sein und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden", erklärt Schönherr.

Der Beitrag des Planungsverbandes Stubaital beschränkte sich somit darauf, dass die übrigen Gemeinden zugunsten von Fulpmes auf Landesförderungen für den Bereich Schwimmbäder verzichteten.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-11 14:30:06
Letzte ńnderung am 2017-07-11 21:38:20



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