• vom 18.07.2017, 15:50 Uhr

Stadt & Land

Update: 18.07.2017, 16:00 Uhr

Digitalisierung

Vernetzt, intelligent, digital




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Von Anke Knopp

  • Wie sich der ländliche Raum digital am Leben erhalten kann.





Chancen der Digitalisierung für den ländlichen Raum nutzbar zu machen, ist eine große Herausforderung. Der ländliche Raum und seine Bevölkerung werden mehr und mehr abgehängt. Dabei ist der Grad der Digitalisierung auf dem Land eine Frage der Überlebensfähigkeit: Ohne Anschluss ans schnelle Netz mit seinen Anwendungen und Nutzungen durch die Bevölkerung geht den Gemeinden die Luft aus.

Im Ergebnis entsteht eine digitale Spaltung der Gesellschaft, die sich zwischen Bevölkerungsgruppen, aber auch zwischen den Regionen vollzieht. Die viel beschworene digital divide greift. Mit der Hilfe digitaler Strategien im ländlichen Raum müsste das nicht sein. Digitale Gemeinden, also vernetzt, intelligent und digital, wären eine Antwort auf zahlreiche Herausforderungen, wie die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse annähernd erhalten bleiben kann.

Information

Dr. Anke Knopp ist Politikwissenschafterin, Autorin und Bloggerin zur digitalen Transformation in Gesellschaft und Politik. Sie berät Kommunen und Regionen auf dem Weg in die digitale Zukunft. Von 2000 bis heuer war Knopp Projektmanagerin in der Bertelsmann Stiftung zum Thema Digitale Region.

Von Mittwoch bis Freitag dieser Woche finden in Bad Aussee die Kommunalen Sommergespräche des Gemeindebundes und der Kommunalkredit statt.

Thema heuer ist Digitalisierung.

www.sommergespraeche.at



© WZ-Montage, Foto: apa/Helmut Fohringer © WZ-Montage, Foto: apa/Helmut Fohringer

Der demographischer Wandel greift - ein Umstand, der bekannt ist, aber erst jetzt spürbar Wirkung zeigt: Die Gesellschaft altert, weniger Nachkommen werden geboren. Die Jüngeren wandern in die Städte und Ballungsgebiete ab, sie folgen in der Regel der Arbeit. Ältere Menschen verbleiben in den ländlichen Gemeinden. Die Landgemeinden sind zunehmend geprägt durch eine ältere und hochbetagte Bevölkerung, also die über 80-Jährigen. Die jeweiligen Gemeinden stellt das vor sehr unterschiedliche Herausforderungen, auf die eine kommunale Gemeinschaft jeweils mit ganz passgenauen Ideen reagieren müsste.

Gleichermaßen wirkt ein zweiter Trend. Viele Jüngere würden gerne im ländlichen Raum leben: aufgrund der Heimatverbundenheit, aufgrund der Naturverbundenheit oder weil sie ihre Kinder dort aufwachsen sehen möchten. Ganz handfeste Argumente sind aber auch im Spiel: Sie können (und wollen) die teuren Mieten in den Großstädten nicht bezahlen. Wie können Gemeinden unter diesen Umständen der Überalterung und Schrumpfung aktiv und lebenswert bleiben? Wie könnte man den Wünschen der Jüngeren nach Verbleib im ländlichen Raum entsprechen? Die Antwort liegt nahe: Mithilfe digitaler Strategien kann diese Aufgabe gelingen.

Wissen und Kreativität

Zwei Dinge sind notwendig: schneller Internetzugang und das Wissen der Landbevölkerung, digital zu denken und zu handeln. Gepaart mit Kreativität und dem Wissen um regionale und kommunale Besonderheiten können sich bisher analoge Kommunen auf den Weg machen, smart zu werden. Gesucht werden Visionen außerhalb der Großstädte, gesucht werden Ideen, die vor Ort klappen. Problematisch ist leider auch: Digitalisierung hat das große Problem, dass es von Worthülsen lebt und Frustration schafft bei denen, die damit nicht mithalten können. Wer sich nicht angesprochen fühlt, verweigert sich oder blockiert Entwicklungen sogar. An erster Stelle stehen daher die Menschen. Sie gilt es mitzunehmen. So entstehen Ideen auf dem Weg zur smarten Gemeinde direkt vor Ort, sie werden gemeinsam mit den Menschen entwickelt. Der ländliche Raum wird zu einem Ort der Partizipation. Das ist eine zivilgesellschaftliche, politische und verwaltungstechnische Gesamtaufgabe. Die Rollen werden neu verteilt - der Bürger ist nicht mehr nur Konsument, sondern auch Produzent und Koproduzent. Dieser Perspektivwechsel braucht Übung.

Neue Wertschöpfung

Heute kann man mit dem Internet die ganze Welt auf sein Smartphone holen. Das Wissen der Welt, das Wissen der Vielen ist meist frei verfügbar und lädt zur Nutzung ein, auch die eigene Welt vor Ort mit dieser Hilfe zu gestalten. Es greift das Motto "Denk digital, bleib kommunal". Vernetzt, intelligent und digital fordert eine andere Haltung, an Probleme heranzugehen. Technik ist digital, Politik oftmals aber noch analog.

Die Erfolgsrezepte für gelingendes Regieren haben sich verändert. Smarte Wege zu gehen bedeutet, alte Strukturen aufzugeben, Gewissheiten abzustreifen, Hierarchien aufzubrechen, Netzwerke zu bilden. Gerade im Bereich von "Governance", also der Regierungsfähigkeit, stehen insbesondere Gemeinden vor diesem Perspektivenwechsel.

Wird die Welt digital, kann sich Verwaltung als Monopol für Bürgerdienstleistungen nicht ausklinken. In Österreich ist das sogenannte E-Government zum Exportschlager für andere Länder geworden. In Deutschland diskutiert man verzweifelt darüber, dass es seit Jahren noch immer in den Kinderschuhen steckt.

Eine smarte Gemeinde braucht smarte Gemeindemitglieder. Kompetenz im Umgang mit digitalen Hilfsmitteln wird erworben und vertieft. Die Nutzung digitaler Möglichkeiten wird auf die Menschen abgestimmt und auf die Nutzerfreundlichkeit hin überprüft. Passgenau auf die Gemeinde, passgenau auf die jeweilige Problemlage.

Die neue Währung ist das geteilte Wissen, die gemeinsam angegangen Projekte, die breit legitimiert sind. Das Vertrauen zählt. Die Bürgerschaft kann am besten einschätzen, wo Bedarfe liegen und was möglich und gewünscht ist. Es braucht den organisierten Dialog und die stete Rückkopplung an die Bürgerinnen und Bürger. Am Anfang steht daher die Überlegung: Wie kann eine Gemeinde eine digitale Gemeinschaft werden, in der Teilhabe für alle möglich ist? Es braucht ein breites Bündnis aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-18 15:54:12
Letzte Änderung am 2017-07-18 16:00:50



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